Herz-Jesu-Priester in Deutschland haben eine Vision

Von Sonntag, 17.10.2021, bis Donnerstag, 21.10.2021, tagte die Provinzversammlung im Kloster Neustadt. Knapp 30 Teilnehmer tauschten sich über aktuelle Themen in den deutschen Herz-Jesu-Klöstern, über die Situation der Dehonianer in Europa und weltweit aus. „Es war eine Woche voller Themen“, fasst es Provinzial P. Heinz Lau zusammen und zählt auf: „Berichte des Provinzials, des Provinzökonoms, des Missionsprokurators und der Generalleitung in Rom; die Vision der Mitbrüder unter 65 Jahren; die Zukunft der Häuser; Treffen der europäischen Oberen in Krakau; sexueller Missbrauch und einiges mehr.“

Konzentiert: Die Herz-Jesu-Priester bei der Provinzversammlung

Moderiert wurde die Versammlung von Dr. Elisabeth Schieffer. Am Anfang stand ein Bericht der Rektoren der sechs Häuser in Deutschland. Wer gehört zur Kommunität, welches sind ihre Arbeitsgebiete, auf welche Herausforderungen stoßen die Mitbrüder an ihrem Ort?

Breiten Raum nahm eine Vision ein, die die Gruppe der Herz-Jesu-Priester, die jünger sind als 65 Jahre (U-65-Gruppe), erarbeitet hat. Sie lautet: „In tiefer Verbundenheit mit Jesus Christus bezeugen wir als Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) die frohe Botschaft vom Leben in Fülle, besonders den Menschen am Rande, in einem einfachen, gastfreundlichen und offenen Lebensstil.“

In Kleingruppen besprachen die Patres, welche Schlüsselbegriffe ihnen in diesem Satz wichtig sind, und wie sie sie schon jetzt umsetzen oder künftig damit agieren möchten. Einig waren sie sich, dass sie diese Vision teilen. Pater Ernst-Otto Sloot SCJ als „Repräsentant“ der U-65-Gruppe kündigte an, dass sie nun damit weiterarbeiten werde: „Wir werden darauf aufbauend eine Mission für unsere Ordensprovinz entwickeln. Dieses Ideal, das wir in der Vision formuliert haben, müssen wir jetzt übersetzen und eine praktische Umsetzung dafür finden. Was ist unser Kernanliegen? Was ist unser dehonianisches Charisma, und ist das überprüfbar in der Wirklichkeit? Was macht uns identifizierbar für die Menschen? Mit diesen Fragen werden wir uns in den nächsten zwei Jahren beschäftigen.“

„Wohin geht es mit uns?“

Auch dem schwierigen Thema „Sexueller Missbrauch: Prävention, Intervention und Nachsorge“ verschlossen sich die Herz-Jesu-Priester bei der Versammlung nicht. Als Referent kam P. Michael Baumbach MSF. Er referierte sehr anschaulich und sachlich fundiert über die Ursachen, Folgen und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen durch Ordensleute.

„Es war gut, dass ein Ordensmann für dieses Thema gefunden wurde“, urteilte im Anschluss P. Sloot. „Er ist in dem Thema erfahren aus eigener Betroffenheit, sein Vortrag war kein „Reden über….“, sondern mit uns. Missbrauch betrifft uns alle, unser gesamtes Arbeiten, Tun und Denken.“

Großen Raum nahm natürlich die Zukunft der deutschen Ordensprovinz und der sechs Niederlassungen ein. P. Lau fasst es so zusammen: „Unser Ziel war es, gemeinsam zu überlegen und uns auszutauschen: Wohin geht es mit uns in den nächsten Jahren? Wir haben keine Beschlüsse gefasst, aber wir sind an einem kritischen Punkt: Es ist personell sehr eng, aber wir haben immer noch unsere gut aufgestellten Häuser.“ Pater Jacinto Weizenmann SCJ, Brasilianer, der in Berlin in der Pfarrei arbeitet, fügt hinzu: „Wir sind uns alle sehr bewusst, dass wir nur noch wenige sind. Wir haben ehrlich diese Situation dargestellt und gefragt: Wie gehen wir damit um?“

Im Verlauf der Tage wurden einige Ideen entwickelt, wie es in der Provinz weitergehen könnte. Damit muss sich jetzt die Provinzleitung auseinandersetzen.

P. Lau sagt: „Was ich wahrgenommen habe, motiviert mich dazu, weiter nachzudenken. Und es gibt viel zu bedenken.“

Die Internationalität der Dehonianer

Die Herz-Jesu-Priester sind weltweit präsent. Und auch in der deutschen Provinz gibt es einige Mitbrüder, die aus anderen Ländern stammen. Die Internationalität des Ordens war demnach ebenfalls ein großes Thema. Verstärkt wurde es dadurch, dass im Vorfeld der Provinzversammlung ein Treffen der europäischen Ordensoberen in Krakau stattgefunden hatte. Auch dort war das zentrale Thema, dass die Herz-Jesu-Priester weniger werden: Sie werden älter, aber es gibt nur ganz wenig Nachwuchs. (Berichte über das Oberentreffen in Krakau lesen Sie auf der internationalen Website www.dehoniani.org)

Aufbruchsstimmung verbreitet dagegen die Neugründung einer Kommunität in Nimwegen in den Niederlanden. Dort sind inzwischen die Patres Jésus Baena Valbuena aus Spanien, Michal Tabak aus Polen sowie Petrus Subowo aus Indonesien angekommen. Gemeinsam nahmen sie mit dem niederländischen Mitbruder Pater Wim Halters SCJ an der Provinzversammlung teil. Eine fest umrissene Aufgabe haben sie bewusst (noch) nicht. Vorerst geht es darum, miteinander eine gute Kommunität zu bilden und die niederländische Sprache zu erlernen. Dann wollen die drei Patres schauen, wo sie mit ihrem Charisma gebraucht werden.

Zu Gast war außerdem P. Alban Pascal Noudjom Tchana, Provinzoberer aus Kamerun. Er nutzte die Gelegenheit seines Besuches in Deutschland unter anderem, um die Studenten aus Kamerun, die in Freiburg studieren, zu besuchen. Er berichtete über die schwierigen politischen Zustände in seinem Heimatland und erzählte auf Nachfrage von einem Projekt, mit dem die Provinz sowohl ökonomisch als auch sozial einen wichtigen Beitrag im Land leistet: mit einer ordenseigenen Bäckerei.

 

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