Schon zwei Kriegsjahre in der Ukraine

Autor
Deutsche Ordensprovinz der Dehonianer SCJ
Datum
7.2.24

Reisebericht und nachdenkliche Gedanken von P. Piotr Chmielecki SCJ, Missionssekretär in Polen

Ende Januar fuhr Pater Gerd Hemken SCJ wieder mit einem Hilfstransport nach Rzeszów an die polnisch-ukrainische Grenze. Die Spenden – rund 2,5 Tonnen Lebensmittel und Hygieneprodukte - wurden in den Herz-Jesu-Klöstern Martental, Berlin, Freiburg und Neustadt gesammelt. Hilfe wird weiterhin dringend gebraucht.
Warum und wo – der Reisebericht von P. Piotr Chmielecki SCJ, Missionssekretär in Polen, gibt Antwort.

Er schreibt: „Wir hören nicht auf, den Opfern des Krieges in der Ukraine Hilfe zu leisten. Wir unterstützen insbesondere Menschen, die direkte Kriegserfahrungen gemacht haben.

Ich erinnere mich noch genau an die ersten Tage nach der russischen Aggression gegen die Ukraine im Februar 2022. Der Umfang der polnischen Hilfe war außergewöhnlich. Man könnte sagen, dass damals „alle alles gesammelt haben“ Ich erinnere mich auch an unser Online-Treffen des Missionssekretariats, wenige Tage nach Ausbruch des blutigen Krieges. Ich habe damals gesagt, dass wir vorerst keine Spendenaktionen ankündigen werden, weil wir noch nicht einmal wissen, für wen wir HIlfsgüter sammeln sollen, wer Hilfe braucht, wo die Russen sind und wie der eigentliche Verlauf dieses Krieges ist. Ich habe auch erwähnt, dass wir wahrscheinlich damit beginnen werden, der Ukraine zu helfen, wenn die ersten Hilfswellen nachlassen.

Inzwischen dauert der Krieg schon seit zwei Jahren an. Und noch gibt es keine Hoffnung, ihn zu beenden.

Von Ukrainern zu Ukrainern

Vor einem Jahr haben wir einen „humanitären Korridor“ von Rzeszów in Polen, vom Lager der PRO SPE-Stiftung, nach Perszotraweńsk und zur Pfarrei der Herz-Jesu-Priester in der Zentralukraine ins Leben gerufen. Wir transportieren vor allem Lebensmittel, aber auch Hygieneprodukte und Haushaltmittel. Lokale Gemeindemitglieder verpacken diese Spenden neu in Plastiktüten mit den unterschiedlichsten Produkten: Mehl, Zucker, Reis, Grütze, Öl, Fleischkonserven, Zahnpasta - ein Paket für eine Familie. Eine Aufteilung vor Ort „vom Auto aus“ wäre nicht möglich. Erstens wäre es sehr zeitaufwändig, und es würde auch zu einem Chaos bei der Bereitstellung von Hilfe führen.

Neben der Packarbeit tragen die Gemeindemitglieder aus Perszotraweńsk auch mit eigenen Spenden zur Hilfe bei. Es handelt sich hauptsächlich um landwirtschaftliche Produkte: Kartoffeln, Karotten, Äpfel und selbst Hergestelltes und Eingemachtes. Ein weiteres Geschenk der Einheimischen ist Zeit. Einer der „Veteranen“ der Hilfseinsätze ist Andrei, der Besitzer des größten Lebensmittelladens im Dorf. Außerdem stellt er uns seinen Transportbus zur Verfügung. Als ich ihm gegenüber scherzte, dass ich stolz sei, einen so erfahrenen Helfer-Freund zu haben, überraschte er mich mit den Worten: „Ihr kommt aus Polen und Deutschland, um zu helfen, also müssen wir auch selbst etwas beitragen.“

In der „Geisterstadt“ Izium

Die in Pershotravensk umgepackten Geschenke gehen in den Osten der Ukraine, in die Geisterstadt Izium. Vor Ausbruch der Kämpfe lebten dort etwa 50.000 Menschen. Mittlerweile sind weniger als 10.000 Einwohner übrig. Die Stadt wechselte den „Besitzer“: Sie wurde zunächst von den Russen erobert und später in der Gegenoffensive im Herbst 2022 zurückerobert.

Wenn Sie durch Izium fahren, können Sie viele Gebäude sehen, die durch Granaten niedergebrannt und zerstört wurden. Und inmitten dieser Zerstörung geht das Leben wie gewohnt weiter. Als wir die Innenstadt betraten, bildete sich vor einem der Gebäude eine lange Schlange. Jemand im Bus sagte, dass die Leute auf Nahrungsmittelhilfe warteten. Als wir jedoch näherkamen, sah ich, dass die Schlange vor einem Geldautomaten wartete. Die Leute warteten tatsächlich auf eine Lieferung, aber auf Bargeld!

Ich kann sagen, dass die Hilfe, die wir leisten, „hochgradig organisiert“ ist, angefangen bei der Vorbereitung der Pakete bis hin zur Verteilung. Wir gehen mit den Geschenken zu den Orten, die Ola, ein ehrenamtlicher Helfer vor Ort, angegeben hat. Beim Verlassen von Perszotravensk wissen wir bereits genau, wie viele Familien (Personen) in Izium auf Pakete warten. Wenn wir an Hilfsverteilungsstellen ankommen, treffen wir immer jemanden, den man als „Block“-Anführer der örtlichen Gemeinde bezeichnen kann, der uns Listen der Hilfsempfänger gibt.

Erinnern wir uns!

Am Ortseingang von Izium stehen zwei „halbierte“ Wohnblöcke. Die Russen beschossen sie mit Raketen. Dort starben Dutzende Menschen. Kürzlich hat jemand das Wort „Wir erinnern uns“ geschrieben und eine Kerze über den Eingang zum Treppenhaus gemalt. Ich habe dieses Bild, diese Aussage mit nach Polen genommen.
Es ist leicht gesagt, dass „wir uns bereits an den Krieg an unserer Ostgrenze gewöhnt haben“. Aber diese „Gewöhnung“ ändert nichts an der Tatsache, dass in der Ukraine jeden Tag Raketen explodieren, Menschen sterben – sowohl Soldaten als auch Zivilisten - und Unschuldige leiden.
Humanitäre Hilfe wird noch viele weitere Monate benötigt.“

Nächste Spendenfahrt bereits terminiert

Am 21. März wird Pater Gerd Hemken erneut nach Rzeszów fahren, diesmal von Handrup aus. Unter anderem am Gymnasium Leoninum wird in den ersten 14 Tagen im März eine große Spendensammelaktion stattfinden, ebenso in umliegenden Gemeinden.
Gebraucht werden:

Haltbare Lebensmittel wie
• Kaffee, Tee, Zucker, Salz, Öl, Honig, Marmelade
• Reis, Nudeln, Konserven, Gewürze
• Süßigkeiten, Gebäck
• Dosenfleisch, Dosenfisch, Instant-Suppen,
außerdem Hygieneartikel wie Shampoo, Seife, Waschmittel, Zahnpasta sowie Waschpulver und Reinigungsflüssigkeiten

Die Sachspenden können bis zum 17. März auch in der in der Kirche im Herz-Jesu-Kloster Neustadt (Waldstraße 145) abgestellt werden.
Neben Sachspenden brauchen wir auch Geldspenden für die Miete des Transporters, Benzin- und Mautgebühren sowie weitere Ausgaben.

Unsere Bankverbindung:

Missionsprokura der Herz-Jesu-Priester
IBAN  DE05 4006 0265 0000 1230 00
Stichwort: Ukraine

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Selbstverständlich erhalten Sie für Ihre Geldspende eine Spendenbescheinigung.

Foto ©: scj.de/ P. Hemken (rechts) mit Pfarrer Maciej, Leiter der Organisation „Pro Spe“