„Wir müssen mit unseren Talenten produktiv arbeiten!“ – Pater Boris berichtet aus Kamerun

Autor
Deutsche Ordensprovinz der Dehonianer SCJ
Datum
18.12.23

„In Kamerun gibt es viele begabte Menschen, das Land hat viel Potenzial. Trotzdem schaffen wir es nicht, gute Lebensbedingungen für alle zu schaffen. Warum nicht?“ – Pater Boris Igor Signe Mouafo SCJ war kürzlich für einige Tage zu Besuch in Deutschland. Der junge Herz-Jesu-Priester hat von 2013 bis 2020 in Freiburg Theologie studiert; nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde er 2021 zum Diakon und 2022 zum Priester geweiht. Nach einem Jahr Praktikum in einer großen Bäckerei des Ordens hat er inzwischen verschiedene Aufgaben übertragen bekommen; unter anderem ist er Sekretär der Ordensprovinz in Kamerun und kümmert sich um die internationale Kommunikation der Ordenskongregation.

In dem zentralafrikanischen Land zeigen die Herz-Jesu-Priester täglich, wie sie den Auftrag des Ordensgründers Pater Leo Dehon umzusetzen gedenken: Sie sind da, wo die Menschen sind und sie brauchen, sie versuchen mit sozialen Projekten, Lebensbedingungen durch konkrete Maßnahmen zu verbessern und sorgen mit Schulen für bessere Bildungschancen für alle.

Bei seinem Besuch in Deutschland kam Pater Boris unter anderem nach Neustadt. Hier feierte er seine erste Messe in deutscher Sprache – ausgerechnet am Welttag der Armen. Er erinnerte die Gottesdienstgemeinde daran, dass es überall auf der Welt arme Menschen gebe. Auch in dem eigentlich reichen Land Deutschland: „Jedem von uns fehlt irgendetwas“, davon ist er überzeugt.

Zugleich habe jeder Mensch Talente erhalten – hier wie in Kamerun. Hier wie dort haben alle Menschen die Aufgabe, die von Gott gegebenen Talente in den Dienst der Anderen zu stellen. Hier wie dort gebe es Menschen, die mit ihrer Arbeit inspirieren können, die ihr Bestes geben, um Strukturen zu schaffen, die Leben verbessern und erleichtern können.

„Wie ist es bei Ihnen? Welche Talente und Fähigkeiten haben Sie, die Sie in den Dienst der Menschen stellen können?“ – Diese Frage gab P. Boris den Gottesdienstteilnehmern mit und erzählte ihnen im Anschluss, wie Herz-Jesu-Priester in Kamerun ihre Talente einsetzen.

Die deutsche Sprache hat er nicht verlernt, es ist einfach, seinen Erzählungen zu Erklärungen zu folgen. Er ist den deutschen Spenderinnen und Spendern dankbar, dass er in Deutschland studieren konnte, und dass die Projekte seiner Mitbrüder auch mit deutscher Hilfe finanziert werden können. Nichts von dem, was er sagt, sagt er mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit viel Ernst – und manchmal einem Zwinkern.

23 Gemeinschaften in Kamerun und Tschad

In zehn Regionen ist das Land Kamerun unterteilt; acht sind französisch-sprachig, zwei englisch-sprachig, und dort gibt es auch große Unruhen. Im Norden des Landes ist es mit einer Durchschnittstemperatur von über 30 Grad heiß und trocken. Das Klima der Küstenebene im Süden des Landes ist mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 25 Grad tropisch-feucht. Im Norden leben ungefähr gleichviel Christen wie Muslime, im Süden mehrheitlich Christen. „Aber die Religionen leben friedlich miteinander“, weiß er zu berichten.

Die rund 130 Herz-Jesu-Priester verteilen sich auf 23 Gemeinschaften (19 in Kamerun, vier im Nachbarland Tschad). „Die meisten Kommunitäten betreuen eine Pfarrei“, berichtet er – und zu den Pfarreien gehört immer auch mindestens ein soziales Projekt. Diese sollen einerseits helfen, die Lebensbedingungen zu verbessern oder soziale Nöte abzufedern - aber sie sollen sich auf die Dauer auch selbst finanzieren.

„Wir sind zum Beispiel Profis im Backen“, lacht P. Boris. Drei Bäckereien sind im Besitz des Ordens; sie dienen der eigenen Versorgung und der Versorgung der Schulen, mit dem Verkauf sollen aber auch andere Ausgaben finanziert werden. Der Orden hat eine große Hühnerfarm und verkauft die Eier, und mt Hähnchenaufzuchtstationen sollen weitere Einkommen generiert werden und eine kostengünstige und gesunde Ernährung auch für arme Menschen möglich werden.

Das wichtigste Sozialwerk ist „Jeunes en difficultées“, das 1990 gründet wurde, um straffällig gewordenen Jugendlichen den Weg zurück in Gesellschaft und Arbeiteleben zu ermöglichen. Inzwischen gibt es in dem Projekt unter anderem einen Ausbildungsbetrieb für Metallbau und Schreinerei, wo auch Jugendlichen ohne Schulabschluss eine Perspektive geboten wird. „Wir bieten auch Unterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen an und eine Kateches, wenn erwünscht. Und wir haben ein Mietshaus, das uns zusätzliche Einnahmen ermöglicht“, zählt Pater Boris auf.

Weitere große Projekte stehen auf der Wunschliste der Herz-Jesu-Priester in Kamerun: der Ausbau der Schule in Nkomsamba beispielsweise, oder auch ein Gästehaus beim Provizialat ebenfalls in dieser Stadt.

„Wir brauchen am Anfang noch Geldspenden“,  bittet Pater Boris. „Wir wissen aber auch, dass wir auf die Dauer davon unabhängig werden müssen und wollen deshalb selbst für unser Einkommen arbeiten.“

Noch eine Frage stellte er im Gottesdienst in Neustadt: „Was müssen wir mit unseren Talenten tun, die Gott uns anvertraut hat?“- Die Antwort gab er selbst: „Wir müssen mit ihnen arbeiten, produktiv arbeiten!“

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Stichwort: Kamerun