Auf dem Weg nach Hause: Frater Boris und Frater Michel verlassen Deutschland

Mit hervorragenden Ergebnissen haben Frater Boris Igor Signe Mouafo SCJ und Frater Colince Michel Fouateu Kamdem SCJ ihr Studium der Theologie an der Universität Freiburg abgeschlossen. Jetzt kehren sie – nach sieben Jahren in Deutschland – in ihre Heimat Kamerun zurück.

Wie das so ist: Mit einem lachenden und weinenden Auge, mit viel Vorfreude und viel Wehmut, verraten sie im Gespräch. „Ich bin nicht mehr derselbe Boris wie vor sieben Jahren“, sagt der eine. Er nimmt vor allem zwei Dinge mit, wie er lachend sagt: „Pünktlichkeit und Spätzle“. Michel hat sich ebenfalls an die deutsche Pünktlichkeit und Termintreue gewöhnt und ist froh, dass er auch „Tugenden“ wie Planen und Organisieren gelernt hat.

Am 23. Juni 2013 sind die beiden jungen Männer in Frankfurt angekommen.  „Ich war offen und voller Erwartungen“, erinnert sich Boris, „aber ich hatte auch meine Vorurteile“. Die basierten auf der deutschen Geschichte, und eigentlich war er nicht verwundert feststellen zu müssen: „Rassismus ist in Deutschland eine Realität.“ Aber er habe sich bewusst nie abgegrenzt, trotz seiner eingeschränkten Sprachkenntnisse zu Beginn. „Und so habe ich meine Vorurteile immer mehr abgebaut und habe persönlich sehr viele gute Erfahrungen gemacht“, ist er froh. Er fühlte sich gut angenommen: an der Uni und beim Fußballspielen, und er hat viele Freunde gewonnen.

Auch Michel schloss sich bald seinen Studienfreunden an und stellte schnell fest: „Die Deutschen sind nicht kalt und distanziert, wie wir zuerst dachten.“

Das Studium, sagt Boris, sei eine gute Vorbereitung auf seine künftige Arbeit gewesen, „allerdings sehr intellektuell, für die Pastoral haben wir eher wenig gelernt.“ Dafür habe er umso mehr seine Praktika geschätzt: In Berlin hat er einige Wochen in einer Kita gearbeitet, und auch das Zusammensein mit Messdienern in der Pfarrei habe dazu beigetragen, dass er in der Hauptstadt „eine sehr schöne Zeit“ verbracht hat.

In Handrup durfte der junge Mann viel Zeit im Unterricht verbringen, vor allem in den Fächern Religion, Geschichte und Philosophie. „Am Ende durfte ich auch selbst eine Unterrichtsstunde halten“, ist er stolz.

Bereichernde Erfahrung: Leben in der Kommunität

Das Leben in der Freiburger Kommunität, sagt er, war bereichernd. „Es ist eine Besonderheit hier, dass alte Patres und wie Studenten zusammenleben.“ Aber nicht nur unterschiedliche Generationen müssen sich „zusammenraufen“, sondern auch Menschen aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. „Da muss man viel lernen“, gibt er zu.

„Eine andere Lebensweise und den Menschen so zu verstehen und anzunehmen, wie er ist, das war prägend“, stimmt Michel zu. „Wir haben erfahren, dass wir jeweils in Sprache und Denken nicht gleich sind – aber das ist ja gerade eine Bereicherung!“ Rücksichtnahme und Ordnung seien daher unerlässlich, wenn man in einer solchen großen internationalen Kommunität miteinander lebt.

Beide mussten sich auch erst einmal an das deutsche Essen gewöhnen – und haben sich anfangs sogar darüber beschwert, wie sie im Rückblick lachend erzählen. Aber genau dieses Miteinander war ja ein wesentlicher Grund für Boris, sich den Herz-Jesu-Priestern anzuschließen: „Ich wollte Priester werden, aber ich möchte nicht alleine leben. Und jetzt bin ich in einer großen Gemeinschaft, das ist mir wichtig."

Erster Einsatz: Arbeit nah bei den Menschen

Ende des Jahres, hoffen sie, wird im Kamerun ihre Diakonenweihe stattfinden und im kommenden Sommer die Priesterweihe.

Auf den ersten Blick hat der künftige Einsatz der beiden jungen Männer im Kamerun allerdings nicht viel mit ihrem künftigen Priestertum zu tun: Boris wird in einer Bäckerei in Nkongsamba arbeiten. „Mit dem Gewinn aus der Bäckerei wird unter anderem ein Waisenhaus unterstützt“, erzählt er. Sie hat eine soziale Dimension, „und das ist doch ein wichtiger Teil unseres Auftrags: Die Arbeit in der Welt und die Präsenz bei den Menschen, in diesem Fall bei den Arbeitern.“

Michel wird zunächst als Ökonom in Bafoussam eingesetzt. Dort entsteht eine neue Kommunität, „und dann werden wir da richtig präsent sein“, freut er sich und lacht: „Zu uns gehört auch eine große Hühnerfabrik.“ Auch er ist stolz darauf, dass sich die Herz-Jesu-Priester in seiner Heimat stark einsetzen für Schulen und soziale Einrichtungen für benachteiligte Kinder.

„Ich habe sieben glückliche Jahre hier gehabt“, blickt der 31jährige dankbar zurück. Das Studium sei sehr tiefgründig gewesen, gut strukturiert, und vor allem habe es zum Nachdenken angeregt: „Das bringt einen im Glauben weiter“, ist er überzeugt, „und ist die Basis, um Menschen in ihrem Glauben und ihrem Leben zu helfen.“

Denn das sei seine Aufgabe und sein Ziel: „Ich brenne für die Sozialarbeit, für die Arbeit mit jungen Menschen, mit leidenden Menschen und in der Pfarrei.“ Und so ist er zuversichtlich: „Ich habe das Gefühl, dass ich dort bin, wo ich sein soll.“

Für Pater Marcio Auth SCJ als Rektor und Provinzial Pater Heinz Lau SCJ war der Abschied von den beiden jungen Männern nicht einfach nach dieser langen Zeit. „Aber wir wissen immer, dass die Studenten für das Studium nach Deutschland kommen, und nicht für immer“, sagt P. Auth.  Zudem können sich beide vorstellen, nach einigen Jahren in Kamerun auch wieder nach Deutschland zu kommen.

„Angesichts ihrer hervorragenden Studienleistungen ist es auch gut möglich, dass sie ihre Studien hier sogar einmal fortsetzen werden“, meint P. Auth.

Foto©: SCJ; entstanden bei der Italienreise, die die beiden mit P. Sergio Rotasperti SCJ zum Abschied unternahmen.

 

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