Erstellt von Markus Mönch | | SCJ-Nachrichten

"Weil ich eine dicke Bindung an Gott habe"

Was bedeutet jungen Christinnen und Christen ihr Glauben, welche Erfahrungen mit der Kirche haben sie gemacht und welche Zukunftsträume haben sie? Der vierte und letzte Teil unserer Serie „Jugend, Glaube & Berufung“ aus unserer Zeitschrift "Dein Reich komme" Ausgabe 51-November 2018

Drei junge Menschen aus Berlin mit drei unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen: Während sich die 18-jährige Maria Alexandrina Matos Raimundo in der portugiesischsprachigen Gemeinde in Berlin als Katechetin und Ministrantin engagiert, ist der 19-jährige Jonas Hoth vergangenen Sommer mit seiner Ausbildung zum Mechatroniker fertig geworden und ministriert in der Berliner Pfarrei Ss. Corpus Christi, die wie die portugiesischsprachige Gemeinde von den Herz-Jesu-Priestern betreut wird. Der Älteste in der Runde ist Frater Boris Signe Mouafo SCJ aus Kamerun. Seit fünf Jahren studiert er Theologie in Freiburg und macht zurzeit ein Praktikum bei seinen Berliner Mitbrüdern. Alle drei sprechen im vierten Teil unserer Serie „Jugend, Glaube & Berufung“ über Glauben, Kirche und ihre Zukunft.

 

Was bedeutet Glauben für euch?

Alexandrina Raimundo: Ich bin in der portugiesischsprachigen Gemeinde in Berlin aufgewachsen, und ich gehe jeden Sonntag mit meinen Eltern und meiner Schwester in die Kirche. Für mich ist mein Glauben und gerade auch die Gemeinde eine Heimat. Der Glaube hilft mir auch dabei, für neue Sachen offener zu sein und mit Menschen klar zu kommen.

Jonas Hoth: Für mich bedeutet Glauben, mit Gott durchs Leben zu gehen. Ich bete jeden Abend und gehe auch sonntags in die Kirche. Weil ich eine dicke Bindung an Gott habe.

Frater Boris Sigene Mouafo SCJ: Glauben ist für mich eine Überzeugung, dass es einen Gott gibt, der auch im konkreten Leben zu erfahren ist. Nicht abstrakt, sondern im Leben, in einfachen Dingen, im Nächsten.

Ihr lebt ganz unterschiedliche Leben. Wie seid Ihr zum Glauben gekommen?

Boris: Ich komme aus einer christlichen Familie in Kamerun. Meine Eltern sind immer in die Kirche gegangen und ich auch von klein auf. Später, mit neun Jahren, wurde ich von meinen Eltern zur Katechese geschickt. Als ich zwölf war, wurde ich getauft und erhielt die Erstkommunion. Das ging automatisch und war mir nicht so sehr bewusst. In der Pubertät war ich nicht so vorbildlich christlich (lacht). Erst als ich mit 15 bei einem Fußballspiel mit Freunden gehört habe, dass einer Ministrant ist, fand ich das interessant. Ich ging einmal mit — und blieb.

Jonas: Ich Din auch mit dem Glauben aufgewachsen. Mein Vater ist katholischer Religionslehrer, ich bin jeden Sonntag in die Messe gegangen und wurde Ministrant. Beim Weltjugendtag 2016 in Krakau wurde mein Glauben so wirklich gefestigt. Heute freue ich mich regelrecht auf die Kirche am Sonntagmorgen

Alexandriza: Auch ich bin durch die Familie zum Glauben gekommen. Aber wenn sie nicht da wäre, dann wäre ich sicher durch meine Freunde dazu gekommen, denn in meiner Grundschule wurde Glaube offen gelebt, obwohl es keine katholische Schule war.

Wie lebt Ihr den Glauben im Alltag?

Jonas: Ich spreche nach dem Aufstehen ein Gebet. Wenn ich Auto fahre oder in brenzlige Situationen komme, mache ich ein Kreuzzeichen. Abends bete ich wieder und denke darüber nach, was an dem Tag gut war oder nicht.

Alexandrina: In unserer Wohnung haben wir eine Fatima-Statue. Jedes Mal, wenn wir beten und unsere Gedanken zusammenschließen möchten, dann machen wir vor ihr eine Kerze an. Im Alltag ist Gott in meinen Gedanken bei mir. In unserer Gemeinde habe ich letztes Jahr als Katechetin bei den Firmvorbereitungen mitgemacht, und derzeit bereite ich eine Gruppe von Kindern auf ihre Erstkommunion vor. Ich finde Kinder einfach klasse, und für mich ist es wichtig, meinen Glauben weiterzugeben. Kinder fühlen sich von uns Jugendlichen besser angesprochen als von Älteren.

Gutes Stichwort: Jugendliche und Kirche. Gerade in Deutschland sind nur wenige junge Menschen in den Kirchen zu finden. Wie attraktiv ist die Kirche heute noch für euch Jugendliche?

Jonas: Wenn man sich auf die Angebote der Kirche einlässt, dann ist da für jeden etwas dabei. Wobei ein Jugendlicher wohl nicht freiwillig in die Kirche gehen wird, man muss schon damit aufwachsen. Wie ich: Sonntags um 10.30 Uhr ist Messe, und so richtet man seinen Tag danach. Angebote neben dem Gottesdienst sind schon wichtig, aber es kann schwer sein, sich ansprechen zu lassen, wenn man kein gläubiger Christ ist.

Alexandrina: Ich merke, nicht die Kirche macht alles falsch, sondern auch Jugendliche, die einfach nicht offen sind für kirchliche Angebote. Die Kirche macht schon viel.

Boris: Jugendliche sind die Gegenwart und die Zukunft der Kirche, und so sollte sie sich in den Denkmodellen der jungen Menschen bewegen. Nicht alles, was die Kirche macht, kommt in der Praxis an. Es ist nicht viel Veränderung zu spüren.

Im Herbst ist die Jugendsynode mit Papst Franziskus zu Ende gegangen. Da wurde auch darüber diskutiert, wie sich die Kirche um Jugendliche konkret bemühen könnte. Welche Schritte der Kirche sind gut, welche weniger?

Boris: Ich finde es gut, wenn es eine Öffnung der Kirche zur Welt gibt, wie sie beim Zweiten Vatikanischen Konzil beschlossen wurde. Da muss die Kirche weitermachen. Denn lange Zeit war Kirche zu sehr von der Welt getrennt.

Jonas: Früher hat man sich um Jugendliche zu wenig gekümmert. Es gibt zwar auch in den Pfarreien junge Menschen, aber die kommen nicht, weil sie keine Bindung an die Kirche haben. Es wird sich oft zu wenig darum gekümmert, dass Jugendliche nach der Erstkommunion oder Firmung einen Ort in der Kirche haben. Ministranten sind die Ausnahme.

Alexandrina: Viele junge Menschen in meinem Älter interessieren sich nicht für Kirche und Glauben, auch wenn ich sie darauf anspreche. Richtig wären Gemeinschaften von Jugendlichen, in denen man sich zusammensetzt und seine Gedanken austauscht. Ich finde, es gibt bereits Initiativen der Kirche, aber sie scheitern oft am fehlenden Interesse der jungen Leute.

Wie kann das fehlende Interesse der Jugendlichen zurückgewonnen werden? Etwa durch WhatsApp-Gottesdienste?

Boris: Ich halte das allein nicht für ausreichend. Soziale Medien können eine Form der Werbung sein, aber Spiritualität kann man meiner Meinung nach darüber nicht transportieren. Das geht nur über eine Beziehung zu anderen.

Alexandrina: Ich finde es gut, dass man sich an die Sprache und Art der Jugendlichen anpasst und nicht alles so wie früher macht. Aber die Botschaft sollte nicht verändert werden.

Ihr drei steht als Teenager oder Endzwanziger am Anfang eures Berufslebens. Welche Lebensplanung habt ihr vor Augen?

Jonas: Ich möchte gut in meinem Job werden. Später eine Familie gründen, dann eine Wohnung mieten oder gleich kaufen, denn noch wohne ich bei meinen Eltern. Ich wurde gern mehr von der Welt sehen und gesund bleiben.

Boris: Ich werde noch drei Semester in Freiburg studieren und danach nach Kamerun zurückkehren, um dort zum Diakon und später Priester geweiht zu werden. Danach ist meine Zukunft offen. Ich wurde gerne weiter studieren, ich interessiere mich für so vieles.

Alexandrina: Ich arbeite zurzeit als Bürokraft. Eigentlich will ich Hebamme werden. Bis ich auf eigenen Beinen stehe, möchte ich noch bei meinen Eltern wohnen, wenn sie nichts dagegen haben (lacht).

Wovon träumt ihr?

Boris: Ich träume von einer Welt, in der viele Menschen ohne Vorurteile und Diskriminierung zusammenkommen und zusammenleben. Der Glaube an Gott spielt darin eine wesentliche Rolle. Viele glauben an Gott und wissen aber oft nicht, woran sie glauben, sie brauchen Zeugnisse. Also träume ich davon, als Herz-Jesu-Priester viele Menschen bewegen zu können. Ich möchte Menschen davon überzeugen, dass es sich lohnt, an Gott zu glauben.

Jonas: Ich träume von einer Fußballerkarriere (lacht). Na gut, das ist unrealistisch. Aber sonst träume ich von einer Familie und einem guten Job. Und: Ich würde gerne Ungarisch lernen, weil meine Familie ursprünglich von dort kommt.

Alexandrina: Ich träume davon, dass ich glücklich bin und dass auch meine Familie glücklich ist. Und dass ich genug Geld zum Leben habe. Ich finde es auch sehr wichtig, dass ich geschützt werde - von Gott. 

 

 

Interview: Markus Nowak

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