Christi Himmelfahrt: Wir sind nicht die „Macher“, aber spüren die Gegenwart Gottes

40 Tage nach Ostern feiern wir, dass Jesus als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel zurückkehrte. In der Bibel wird auch beschrieben, wie für die Jünger daraufhin eine Zeit der Unsicherheit herrschte.

Anlässlich Christi Himmelfahrt erzählt Pater Provinzial Heinz Lau SCJ von seinen Gedanken zu diesem Feiertag.

 

Was fällt Ihnen in diesem Jahr als Impuls zu Christi Himmelfahrt ein?

P. Lau: Immer wieder begegne ich an diesem Tag einer arg menschlichen Vorstellung des Geschehens, wie bei einer Raumfahrt. Wichtiger als diese „Himmelfahrt“ ist aber: In der Bibel wird davon berichtet, wie die Jünger „verwaist“ zurück gelassen werden mit ihren Ängsten. Sie müssen ihre Zukunft in der Kraft des Heiligen Geistes gestalten. Heute erlebe ich auch eine „Jesus-Ferne“, die Frage von vielen Menschen: „Wo bist du?“ Die Antwort lautet: „Jesus ist dort, wo man ihn einlässt.“ Er ist beim Vater, wohin wir alle unterwegs sind.

Wie haben Sie das Fest in den vergangenen Jahren mit Gottesdiensten gefeiert? – Was ist dieses Jahr anders?

P. Lau: An heute gemessen waren die Gottesdienste immer ein „Luxus“, es waren wunderbare Gottesdienste und Gebetszeiten, teilweise im Freien. Ich habe sie persönlich in kleinen Gruppen erlebt mit kurzen Impulsen und ausgesuchten Liedern, sie waren geprägt von Gelassenheit und Stille und so ein Erlebnis von einer Kirche der Zukunft. Es ist mir bewusst, dass vielen Menschen das dieses Jahr nicht zuteil werden kann.

Wie schwer ist es für Sie ganz persönlich, dass derzeit keine Gottesdienste oder nur unter sehr starken Einschränkungen gefeiert werden können?

P. Lau: Ich bin entspannt, da ich meine Gebetszeiten habe. Aber ich bedaure die vielen Menschen, deren inneres Verlangen in den letzten Wochen nicht gestillt wurde. Ihnen geht es wie mir: Gottesdienste ordnen die Tage, sie schaffen Beziehungen unter Glaubenden, und sie berühren – all das hat in den letzten Wochen gefehlt.

Welche Hoffnung können Sie Menschen dennoch im Moment vermitteln?

P. Lau: Unstrittig ist: Ein unsichtbarer Virus bringt die ganze Welt durcheinander – gesellschaftlich, religiös, persönlich und emotional. Es bringt uns aber auch dazu, die Zeichen der Zeit zu erkennen: Wir sind nicht die „Macher“, die alles beherrschen. Wir spüren eine Ohnmacht, die wir zulassen müssen. Wir sollten Sorge tragen für das Leben der Anderen. In allem Chaos spüren wir die Gegenwart Gottes und seine Zusage: „Ich bin da“. Und ich erlebe glücklicherweise eine enorme Solidarität unter den Menschen. Das ist etwas Gutes, dessen wir uns auch bewusst sein dürfen.

 

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