Transnistrien: Im ärmsten Land Europas herrscht Angst

Elf Herz-Jesu-Priester, allesamt aus Polen, sind seit 32 Jahren in Transnistrien tätig. Aber jetzt machen sie sich große Sorgen, berichtet Provinzial Pater Heinz Lau SCJ. Denn Moskau droht mit dem Einmarsch in das Land.

Zu jeder Pfarrei der Herz-Jesu-Priester gehört eine Sozialstation

Das Gebiet Transnistrien „jenseits des Dnjestr“ ist klein: nur etwa 30 bis 40 Kilometer breit und rund 100 Kilometer lang.  Die Herz-Jesu-Priester sind hier in fünf Pfarreien (Bendery, Raszkow, Rybnica, Sloboda-Raszkow, Tiraspol) mit angeschlossenen Sozialstationen präsent und engagiert tätig. In Kamenka gibt es inzwischen eine neue Kirche, aber ohne eigenen Priester.

„Mit unendlicher Mühe, das Baumaterial weitgehend von Polen herbeigeschafft, wurden fünf Kirchen mitsamt Pfarrhaus vorbildlich errichtet“, weiß der Provinzial aus eigenem Ansehen. Zu jeder Pfarrei gehört eine Sozialstation: „Gut ausgebildete Pflegekräfte und Sozialarbeiter, zum Teil aus der Ukraine, tun dort aufopferungsbereit ihren Dienst und fahren täglich zu Kranken und pflegebedürftigen Menschen in einem großen Einzugsgebiet. Kaum vorstellbar ist ihr unermüdlicher Einsatz. Das Elend, die Armut und die Not der Menschen in den weit voneinander entfernten Dörfern waren für mich bei meinem letzten Besuch dort im Jahr 2016 kaum zu ertragen“, fährt er fort.

Die Sozialstationen wurden und werden größtenteils von der Caritas in anderen Ländern – etwa Luxemburg oder Wien – unterstützt, aber auch von der deutschen Provinz. Die Missionsprokura bat zuletzt im Dezember 2021 zuletzt um Spenden für die Sozialstationen und konnte sie im vergangenen Jahr mit 120.000 Euro unterstützen.

Das Gebiet Transnistrien erklärte im September 1990 seine Unabhängigkeit von Moldau, wurde aber seither nicht als eigener Staat akzeptiert und wird weiterhin von Moldau beansprucht. Die Bevölkerung setzt sich aus Russen und Moldawiern zusammen. Es gilt als das ärmste Gebiet Europas. Eine russische Oligarchen-Familie hat alle wichtigen Einrichtungen im Griff, und russische Soldaten sind allgegenwärtig.

„Was unsere polnischen Mitbrüder hier aufgebaut haben, verdient höchsten Respekt. Nun droht alles unterzugehen. Die Mitbrüder haben Angst vor einem gewaltsamen russischen Einmarsch und vor ihrer Vertreibung. Sie müssten alles zurücklassen. Im Falle, dass Russland das Gebiet erobern würde, würde Transnistrien den Abschluss nach Westen hin bilden, und die Ukraine wäre eingekesselt“, erläutert P. Lau die geopolitische Lage.

 

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