Trierer Bischof Ackermann beim Gottesdienst zum Ende der Martentaler Festwoche

Die Klosterkirche von Martental lässt beim Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann das Bild einer Schale entstehen, einer bergenden Mulde oder einer offenen Hand. „Gott hält uns in dieser Hand, in sie dürfen wir alles hineinwerfen.“ Mit diesen Worten eröffnete der Bischof den Festgottesdienst zum Abschluss der Festwoche in Martental.

Zuvor begrüßte Pater Ryszard Krupa SCJ als neuer Rektor des Klosters Martental Bischof Ackermann.

Seine Predigt stützte dieser auf das Evangelium des Weinbergsbesitzers, der Arbeiter anheuert und am Ende des Tages allen den gleichen Lohn bezahlt – unabhängig davon, wie lange sie gearbeitet haben. (Mt 20,1–16a)

Die Bibelstelle erinnere ihn an ein Erlebnis in Israel, erzählte er zunächst. Aber die Situation von Tagelöhnern, die morgens nicht wissen, ob sie am Ende des Tages ein bisschen Geld verdient haben werden, sei an vielen Orten der Erde bis heute traurige Realität.

Ackermann räumte ein, dass die Arbeiter der ersten Stunde zu Recht an der Gerechtigkeit des Weinbergsbesitzers zweifeln konnten. „Jesus will diese Irritation“, meint er, aber: „Es geht ihm nicht um gerechte Löhne, sondern um das Reich Gottes“.

Dennoch gelte es festzuhalten, dass ohne Gerechtigkeit kein gutes und friedliches Leben möglich sei. „Menschen hungern nach Gerechtigkeit“, hielt Ackermann fest. Aber eigentlich beginne die Ungerechtigkeit in der Realität und auch in diesem Gleichnis viel früher: Warum werden nicht alle Arbeiter angeworben? Arbeitgeber – die anderen Weinbergsbesitzer – picken sich die besten Arbeitskräfte heraus. Menschen haben also unterschiedliche Chancen, am (Erwerbs-)Leben teilzuhaben. „Dieses drückende Problem haben wir bis heute. In unserer Gesellschaft scheint sich auch Armut zu vererben“, so der Bischof.

Herausforderungen zeigen sich an vielen Stellen: Manche Menschen brauchen Zeit, sich zu entwickeln, sind so genannten Spätzünder. Andere haben aufgrund ihrer sozialen oder lokalen Herkunft weniger Chancen. Irgendwann sind alte Menschen nicht mehr im Vollbesitz ihrer Kräfte, können für ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst sorgen, sind auf die Hilfe Anderer angewiesen.

„In all diesen Fällen sagt uns Jesus: Im Reich Gottes ist es anders. Jeder hat seinen Platz, wird gebraucht mit seinen Fähigkeiten, hat seine Würde.“ Bischof Ackermann betonte, dass das kein „billiger Trost“ sei oder betäuben wolle, sondern die Menschen daran erinnere: „Erinnere dich an die Würde, die du in den Augen Gottes hast.“ Bei Gott bekomme eben jeder Mensch diesen „einen Denar“ als Schatz, unabhängig von der Leistung.

Gerade in Zeiten von Corona sei dieses Evangelium ein gutes Evangelium: Viele Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, werden abgehängt oder leiden unter Einsamkeit und werden abgeschrieben. Für sie gelte diese Zusage von Würde ebenfalls.

Bischof Ackermann bezog seine Aussagen abschließend auch auf Maria als Vorbild für alle Glaubenden. Beim Blick auf die schmerzhafte Mutter Gottes könne man sich auch fragen: Ist das gerecht, dass sie ihren toten Sohn im Schoß hält, ist das ein gerechter Lohn für ihr Vertrauen? Ja, so die Antwort des Bischofs: Der Lohn falle der Gottesmutter sprichwörtlich in den Schoß, denn nach seinem Tod kommt Ostern, und sie bekommt „das Kostbarste, was Gott geben kann.“

Im Anschluss an den Gottesdienst zog Bischof Ackermann mit den Patres und allen Gottesdienstbesuchern vom Vorplatz der Kirche, wo der Gottesdienst gefeiert wurde, in die Kirche zur Anbetung vor dem Gnadenbild.

Zwar war der Festgottesdienst aufgrund der Corona-Pandemie schwächer besucht als in den Vorjahren; auch der Klostermarkt konnte nicht stattfinden. Für Bischof Ackermann war das verständlich, er freute sich darüber, den Gottesdienst mit den Anwesenden „stellvertretend für viele Andere“ zu feiern. Für Gespräche mit den Gläubigen nahm sich das Trierer Kirchenoberhaupt am Ende noch viel Zeit.

Foto ©: scj

 

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