Reisebericht von P. Heinz Lau SCJ: In Madagaskar sind die Herz-Jesu-Priester hoch geschätzt

„Was Sie dort tun und leisten – da bin ich stolz, ein Herz-Jesu-Priester zu sein!“ So fasst Pater Provinzial Heinz Lau SCJ seine Erlebnisse anlässlich seiner Reise nach Madagaskar zusammen.

14 Tage weilte P. Lau in dem Inselstaat im indischen Ozean, der zu Ostafrika zählt. In der ehemaligen französischen Kolonie wird französisch oder madagassisch gesprochen, rund vier Millionen der etwa 26 Millionen Einwohner leben in der Hauptstadt Antananarivo.  „Madagaskar ist jung“, so die Einschätzung von P. Lau; er sah viele Babys auf dem Rücken der Mütter, Kleinkinder und Jugendliche: „Im Gegensatz dazu ist Europa vergreist.“ Und weiter erzählt er: „Ich habe den Eindruck, dass ganz Madagaskar unterwegs ist, so viele Menschen sind zu Fuß unterwegs auf den weiten Straßen.“

Die Landschaft hat P. Lau als wunderschön empfunden, grün, mit vielen Flüssen und Seen, Gebirge und Reisfeldern. Und trotz ihrer Armut, so der Provinzial, habe der die Menschen als „liebenswert, froh und zufrieden“ wahrgenommen. Die Armut, berichtet er, sehe man an den „zu vielen ausgemergelten, abgearbeiteten Gesichtern“.

Anlass für den Besuch war zum einen die Priesterweihe und Primiz von P. Bruno Razafimanantsoa, zum anderen die Vertiefung der Beziehungen zur madagassischen Region, der Besuch einiger sozialer Projekte sowie das Angebot von Unterstützung für diese.

„Unsere Präsenz der Herz-Jesu-Priester in Madagaskar ist relativ jung“, so P. Lau: 1975 kamen Patres aus Süditalien und 1982 aus Portugal. In der Region sind heute 37 Mitbrüder in elf Gemeinschaften / Kommunitäten präsent, die Herz-Jesu-Priester stellen zwei Bischöfe. Allein in der Hauptstadt sind die Dehonianer an vier Orten präsent: mit einem Scholastikat / Studienhaus, mit dem Provinzialat, in der Pfarrei Notre Dame de Fatima sowie einem „riesengroßen Studienzentrum“. Denn, so P. Lau, „die Schülerinnen und Schüler können zu Hause nicht lernen, dort ist nur Unruhe, kein Platz, alles chaotisch. Hier haben sie ehrenamtliche Begleiter in der Hausaufgabenbetreuung, Computerräume, Sportmöglichkeiten und mehr.“

Herz-Jesu-Priester immer an der Seite der Armen

In der zweitgrößten Stadt Madagaskars, in Fianarantsoa, fand die Priesterweihe von P. Bruno statt. Hier haben die Herz-Jesu-Priester ein Kolleg mit derzeit etwa 25 Schülern und ein Gymnasium mit rund 600 Schülerinnen und Schülern. Bei einer von zwei Stadtrundfahrten kam P. Lau auch zu einer Lepra-Kolonie, die von einem polnischen Jesuiten gegründet wurde und in der heute Schwestern von der Gemeinschaft in Cluny arbeiten: „Das ist mir sehr nahe gegangen.“

P. Lau trifft einen Mitbruder, P. Deniz, der in einem großen Dorf in einsamer Gegend arbeitet, in einem riesengroßen Pfarrgebiet: in einem Umkreis von 60 Kilometern liegen seine 60 Gemeinden. Laut P. Lau herrschen hier Einsamkeit, Abgeschiedenheit und Armut, aber P. Deniz wird als „guter Vater“ von den Menschen hier geschätzt.

Ein junger Mitbruder, P. Martin, lebt in einem anderen abgelegenen Dorf. Er ist neu, „eifrig, nah bei den Menschen“, aber vermisst eine größere Kommunität. Arme Menschen und die Ökologie liegen ihm sehr am Herzen.

Für die Arbeit der Patres in den Gemeinden findet P. Lau nur lobende Worte: Sie sind eifrig in der Pastoral, hoch geschätzt und umsorgt: Obwohl die Menschen kein Geld haben, geben sie den Priestern alles, was sie brauchen: Reis, Gemüse, Obst, Hühner und Enten. Zweimal im Jahr finden in den Dörfern eine Taufe statt, die kirchliche Heirat ist den Menschen wichtig und immer ein großes Fest, einmal im Jahr werden Erstkommunion und Firmung gefeiert, die Kirchen sind voll, und wenn möglich, finden die Beerdigungen mit einem Priester statt. „Wichtig ist: Sie sind immer an der Seite der Armen!“

Abenteuerlich ist die Fahrt in P. Brunos Heimatdorf, wo die Primiz gefeiert wird. P. Lau muss eine größere Strecke zu Fuß gehen, Regen hat die Straße unpassierbar gemacht. Aber: „Die Primizfeier ist wunderschön, das ganze Dorf feiert mit, volle Kirche mit viel Gesang und Tanz. Die Primizfeier ist verbunden mit der Hochzeitsfeier des Bruders.“ Das anschließende Essen empfindet P. Lau als ein „richtig frohes Dorffest, unter großer Zeltplane, die Frauen des Dorfes haben gekocht, und alle feiern mit.“

„Bildung: wohl die beste Form der Entwicklungshilfe“

Da der Staat nicht für die Bildung der Bevölkerung sorge, sind die Schulen in Madagaskar fast ausschließlich in kirchlichen Händen. Deshalb gehören zu jeder Pfarrei Schulen für alle Altersstufen. Trotzdem können nach wie vor viele Einwohner nicht lesen oder schreiben: „Bildung ist wohl die beste Form der Entwicklungshilfe.“ Obwohl das Schulgeld sehr gering ist, übernehmen die Patres die Stipendien, geben ihnen Essen und ein einfaches Nachtquartier, wenn der Schulweg zu weit ist.

Zusammenfassend sagt P. Lau: „Für ein paar Tage habe ich alles erlebt: heftigster Regen, Sonnenglut, einfaches Essen, abgekochtes Wasser, Moskito-Netz, Stromabschaltung für Stunden. Wie gut geht es mir hier in Deutschland! Ich kann nicht dankbar genug sein für ein Haus, Essen und Trinken, Ausbildung, Krankenhäuser und Ärzte, Geschäfte, Busse und Bahnen.“

Foto  ©:scj - Bei der Priesterweihe hat P. Lau SCJ die brütende Hitze des Landes erlebt.

 

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