Ein Priester – getragen von der Begeisterung der Menschen

Collage aus Bildern mit Pater Kisito nach der Weihe
Autor
Deutsche Ordensprovinz der Dehonianer SCJ
Datum
19.5.26

Hier berichtet Provinzial Pater Stefan Tertünte SCJ von der Priesterweihe von Pater Kisito Ninpa Fogan SCJ in seiner Heimat Kamerun am 16. Mai.

„War es nicht zu lang, war es nicht zu laut, war es nicht zu anstrengend?“ Diese oder ähnliche Fragen wurden mir nach der Feier der Priesterweihe von Pater Kisito und acht Mitbrüdern in Bafoussam mehrfach gestellt. Vier Stunden sind natürlich nach deutschen Maßstäben rekordverdächtig, allerdings habe ich schon ein wenig diesbezügliche afrikanische Erfahrungen. Auch dieses Mal kam bei mir in den ganzen vier Stunden kein Moment Langeweile auf. Dass mit Pater Kisito  ein Mitbruder zum Priester geweiht wurde, der in weniger als einem Monat seinen Einsatz in der Deutschen Provinz beginnen wird, war der eigentliche Anlass für meine Anwesenheit – und die von Pater Marcio Auth SCJ und Pater Edwin Rombach SCJ. Und es war schön, diesen Augenblick zusammen mit Kisito erleben zu dürfen.

Gut 1000 Menschen füllten die Herz-Jesu-Kirche bis unter das Dach – und draußen feierten ungefähr genauso viele den Gottesdienst über Lautsprecher und Bildschirmen mit. Dass Bischof Paul von Bafoussam keinen Wert auf unnötige Verlängerungen des Gottesdienstes legte, machte er gleich zu Beginn klar: Als bei der Vorstellung der Weihekandidaten frenetisches Rufen und Schreien aufbrandete, ließ er schnell wissen, dass sei jetzt unangemessen. Er selbst tat seinen Beitrag zur Verschlankung des Ablaufes, indem er seine Predigt auf überraschende 25 Minuten begrenzte. Eine Predigt, in der der Bischof immer wieder in Dialog-Kontakt mit den Gläubigen ging und auch Humor mit einstreute. Unter anderem machte er die Weihekandidaten darauf aufmerksam, dass Priester in Kamerun ein hohes – vielleicht zu hohes - Ansehen genießen und gerade deshalb die Gefahr des Missbrauchs dieser Stellung gleich hinter der Tür lauerte.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat vor über 60 Jahren die aktive Teilnahme aller Gläubigen an den Gottesdiensten gefordert. In gewisser Weise ist Afrika da weiter als wir: Zahlreiche und lange Gesänge, Prozessionen zur Gabenbereitung und zur Kollekte, Dialogelemente während der Predigt, eine Vielzahl unterschiedlicher Dienste während des Gottesdienstes, da ist jede Messfeier in Deutschland deutlich priesterzentrierter als in Kamerun.

Primizspruch: „Der Herr ist nahe“ (Phil 4,5)

Einen Tag später, am Sonntag, fand dann die Primizfeier von Pater Kisito in seiner Heimatgemeinde in Mbouda statt, etwa 45 Minuten Fahrzeit entfernt von Bafoussam. Ich wusste schon vorher, wie wichtig, aber auch aufwendig, diese Feier vor allem für den Neupriester und seine Familie ist. Um 9.30 Uhr ging es los – und um 13 Uhr war der Gottesdienst beendet, teils auf Französisch, teils auf Englisch. In seiner Predigt ging Pater Kisito auch auf seinen Primizspruch ein, ein kurzer Satz aus dem Philipperbrief: „Der Herr ist nahe“ (Phil 4,5). Wer Pater Kisito in seiner Gemeindezeit in Neustadt erlebt hat, wird sich vorstellen können, wie die Nähe Gottes zu den Menschen durch seine Art der Begegnungen in der Pastoral erfahrbar werden kann.

Kaum ein Ende wollte die Prozession mit den Geschenken für Kisito nehmen, zu einem großen Teil aus Umschlägen bestehend, die Kisito entgegennahm – oder aber aus ganz praktischen Geschenken, wie mehrere Messgewänder. Das Ganze begleitet von lauten Jubelrufen. Diese erreichten ihren Höhepunkt, als Kisito die Insignien des traditionellen Dorfchefs überreicht bekam: ein sehr bunt gefertigtes Gewand, eine Kopfbedeckung, die die Verbindung zur spirituellen Welt andeuten soll, ein Wedel, der traditionell aus Pferdehaaren gemacht wird und mit dem die Macht über die Geister ausdrückt wird. Im Anschluss an die Messfeier gab es dann ein richtiges Festmahl für alle Mitfeiernden, begleitet von Musik und Tanzeinlagen.

Während der Priesterweihe am Vortag wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass Priester werden keine Beförderung auf der sozialen Leiter darstellt, sondern ein Ruf zum Dienen ist. Wenn die prunkvollen Feiern vorbei sind, wird Pater Kisito in seinem Alltag genug Gelegenheiten haben, um sich genau darin einzuüben.