
„Als Kirche versuchen wir, ein Ort der Hoffnung zu sein – geistlich und ganz konkret. Wir helfen älteren und einsamen Menschen, besuchen Kranke, bieten Ferienfreizeiten und gemeinsame Mittagessen für Kinder und organisieren Begegnungen. So funktioniert Kirche!“
Das sagt Pater Roman Gorincioi SCJ, Herz-Jesu-Priester aus Moldawien, der seit drei Jahren in Transnistrien lebt. Jetzt war er in Deutschland in Urlaub und hat unter anderem Maria Martental besucht, wo er für einige Jahre lebte. Auch in der Missionsprokura in Neustadt machte er Halt, um von der Situation in Transnistrien zu berichten.
Dort betreuen die sieben Herz-Jesu-Priester derzeit fünf Pfarreien und zwei Filialkirchen. Die Menschen, denen sie begegnen, und für die sie da sind, sind arm. Pater Roman weiß von vielen Schicksalen zu berichten.
Etwa von einer jungen Mutter, die aus Transnistrien stammt, aber in Russland arbeitet. Doch das Einkommen, das sie dort erhält, ist zu gering zum Leben. Nun sucht sie Arbeit in Tiraspol und findet keine: „Sie will nur mit ihrem Kind überleben“, erzählt Pater Roman.
Andere Eltern zieht es in die Europäische Union, und ihre finanzielle Situation wird dadurch deutlich besser. „Aber ihre Kinder können sie nicht mitnehmen. Wir nennen diese Kinder inzwischen EU-Waisen: Sie sind finanziell abgesichert, aber es fehlt ihnen ein stabiles Umfeld und eine gute Erziehung. Sie verbringen ihre ganze Zeit im Handy, und niemand kümmert sich um sie. Sie sind das gewohnt und denken, alles ist in Ordnung, und für Geld kann man sich ja alles kaufen.“
Das Kuriose an der Situation ist, dass Schulbildung und Studium in Transnistrien „eigentlich gut“ sind. Doch Arbeit zu finden und auch mit einem akademischen Abschluss – etwa als Arzt oder Lehrer – ein angemessenes Einkommen zu erzielen, ist fast unmöglich.
Zu den fünf Pfarreien der Herz-Jesu-Priester gehört unter anderem Raszków mit der im letzten Jahr geweihten Kapelle Kamenka. Dort arbeitet inzwischen auch Pater Ruslan Pogrebny SCJ, ein junger Priester, der aus Transnistrien stammt. Raszków ist ein sehr armes Dorf, doch Pater Ruslan ist es gelungen, den Kontakt zur örtlichen Schule aufzubauen. Dies hat zu einem erfolgreichen und wachsenden Nachmittagsprojekt geführt: beginnend mit einem Mittagessen für bedürftige Kinder, bieten dort Erzieherinnen und Erzieher jetzt Näh- und Handwerkskurse sowie Fremdsprachenunterricht an. Zudem geben sie Unterstützung bei den Hausaufgaben und pädagogische Betreuung, was von den Lehrern der Schule sehr geschätzt wird. Darüber hinaus kümmert sich Pater Ruslan um die Renovierung der älteste Katholische Kirche Moldawiens in Raszków aus dem 18. Jahrhundert.
Die zweite Pfarrei im Norden ist Sloboda- Raszków, wo Pater Marcin Janus SCJ, der derzeitige Obere, tätig ist. Dies ist ein überwiegend katholisch geprägtes Dorf mit tief verwurzelten liturgischen Traditionen.
In der Pfarrei ist Rybnica mit der Filialkapelle in Iwanowka arbeitet Pater Tadeusz Magierowski SCJ. Rybnica eine Industriestadt ist, doch die Schwerindustrie ist zum Erliegen gekommen. Viele Leute sind auf der Suche nach Arbeit ausgewandert, was das Sozialgefüge negativ verändert hat. Die Pfarrei bietet Treffen für Senioren sowie eine Suppenküche für Bedürftige an.
Im Süden befindet sich Tiraspol, wo Pater Piotr Kuszman SCJ und Pater Zdzisław Smiesdka SCJ tätig sind. Sie betreiben das Kinderzentrum ‚Pietruszka‘, wo es neben Tagesaktivitäten auch Übernachtungsmöglichkeiten für Waisenkinder gibt. Zudem unterhält der Orden ein medizinisches Zentrum für kranke Menschen, in dem inzwischen auch Physiotherapie für behinderte Kinder angeboten wird.
In Bender arbeiten Pater Vladimir als Pfarrer und Pater Roman als Kaplan. Er konzentriert sich stark auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. So plant er auch in diesem Sommer wieder ein zweiwöchiges Ferienlager für 30 Kinder. Für die Jugendlichen sind diese Tage immer eine ungewohnte Auszeit und eine einzigartige Gelegenheit, aus ihrem Heimatort wegzufahren. Pater Roman ist zufrieden, dass die Qualität dieser Freizeit immer besser wird: „Wir haben gutes Personal, und unser Programm wird immer vielfältiger“, sagt er. Die Kinder erleben Spiel und Spaß, sie können in einem Pool schwimmen und erhalten auch eine Art von Katechese, indem ihnen Werte für das Zusammenleben beigebracht werden.
Die Herz-Jesu-Priester arbeiten mit Ordensschwestern zusammen und werden von Caritaswerken unterstützt. Wo sie sind, verbinden sie die Arbeit in der Pfarrei. Gottesdienste und Seelsorge, mit sozialen Einrichtungen und Angeboten. Das stärkt ihr Ansehen und ihre Akzeptanz im Land. „Mit unseren Angeboten vermitteln wir unseren Glauben – teilweise ganz ohne Gottesdienste“, meint Patr Raomen.
Nach wie vor ist die wirtschaftliche und soziale Situation in Transnistrien sehr schlecht: „Es gibt wenig Arbeit, und wo es sie gibt, ist sie schlecht bezahlt. Die allerwenigsten Rentner können von ihrer Rente leben, die Kinder sind oft sich selbst überlassen.“ Pater Roman erlebt in Transnistrien eine Stimmung, „die immer depressiver wird.“
Hier können Sie die Arbeit der Herz-Jesu-Priester in Transnistrien mit Ihrer Spende unterstützen.