
In der nächsten Ausgabe unseres Ordensmagazins „Dein Reich komme“ gehen wir genauer auf die Enzyklika von Papst Leo XIV. ein. Sie trägt den Titel: "Enzyklika Magnifica humanitas" (Die großartige Menschheit) - über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.
In einem Interview mit Dr. Christoph Götz, Leiter des Bildungs- und Gästehauses Kloster Neustadt, geht es um zentrale Aussagen und Bewertungen dazu.
Vorab und ergänzend dazu lesen Sie von Dr. Götz hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen.
• Zentral ist das schon im Titel benannte Anliegen, den Menschen in seiner „großartigen Menschlichkeit“ vor den Gefahren der KI und anderen modernen Technologien zu schützen.
• Die Formulierung der päpstlichen Position zur KI steht in der Tradition der bisherigen Sozialverkündigung der Kirche, die sich seit dem 19. Jahrhundert mit den brennenden Fragen der Zeit und der Gesellschaft auseinandergesetzt und dabei Prinzipien formuliert hat, die über die je sehr spezifischen aktuellen Fragen hinaus bis heute bedeutsam und hilfreich sind.
• Das zugrundeliegende Menschenbild: Der Mensch, der als Abbild Gottes auf Beziehung ausgerichtet und mit einer unveräußerlichen, persönlichen Würde ausgestattet ist, darf niemals verzweckt werden – unabhängig von seinem physischen oder psychischen Leistungsvermögen und seinem „Produktivwert“; zudem die Bedeutung der aus dem Würdegrundsatz abgeleiteten Menschenrechte.
• Die Sozialprinzipien bilden eine Art „Kriterienraster“ für die Bewertung der KI: Gemeinwohl, allgemeine Bestimmung der Güter, Subsidiarität, Solidarität und soziale Gerechtigkeit sowie der Blick auf eine ganzheitliche menschliche Entwicklung.
• KI ist längst allgegenwärtig im Leben der Menschen und die Auseinandersetzung mit ihr eine Herausforderung, der wir jetzt begegnen müssen. Wir müssen entscheiden, ob wir dem „technokratischen Paradigma“ (vgl. Ziff. 92 ff.) blind folgen wollen oder uns der Aufgabe stellen, die digitalen Innovationen unserer Zeit neu zu bewerten und einer umfassenden Prüfung zu unterziehen. Das dazu passende biblische Bild, das Leo aufgreift: Der Mensch hat die Wahl, in technischer Perfektion, aber selbstverliebt und gottlos einen neuen Turm zu Babel zu errichten (vgl. Gen 11, 1-9) oder sich – wie beim Wiederaufbau Jerusalems (vgl. Neh 2-6) – in Gemeinschaft mit Gott am Wohl aller und der menschlichen Würde zu orientieren.
• Es muss klar differenziert werden zwischen Künstlicher Intelligenz und menschlicher Intelligenz: „Sogenannte Künstliche Intelligenzen machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht in Beziehungen, wissen nicht von ihrem Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet. Sie haben auch kein moralisches Gewissen (…) und nehmen Konsequenzen nicht auf sich.“ (Ziff. 99) Auch lernt eine KI anders als der Mensch: nicht durch Erfahrung, sondern durch „statistische Anpassung auf der Grundlage von Daten und Rückmeldungen, die zwar sehr effektiv sein kann, aber kein inneres Wachstum impliziert.“ (Ziff. 99).
• Was leicht vergessen wird und die Nachhaltigkeit betrifft: Der Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung durch KI-Systeme sind immens und belasten dauerhaft und global unser Ökosystem.
• Es bedarf einer ethisch motivierten, am Gemeinwohl ausgerichteten Reglementierung („Entwaffnung“) der KI. Technische Macht darf nicht mit dem Recht auf unumschränkte Herrschaft über andere gleichgesetzt werden.
• Die Bewahrung des Menschseins bleibt angesichts von KI eine unserer herausragendsten Verpflichtungen.
• Eltern, Pädagogen, Politiker, Lehrer in Schule und Universitäten stehen angesichts der digitalen Neuerungen vor besonderen Aufgaben, um insbesondere die jungen Menschen an die Potenziale der neuen Technologien heranzuführen, ohne ihren Versuchungen zu erliegen und dem Trugbild vom perfekten Menschen zu erliegen. Die Verantwortlichen in der Wirtschafts- und Finanzwelt sind aufgerufen, Arbeitswelt und Wachstum vorausschauend so zu gestalten, dass alle von den neuen Techniken profitieren und sich keine neuen Machtmonopole bilden.
• Im Zeitalter der KI kann und soll jeder Verantwortung im Alltag übernehmen.