
Bischof Luc Olivier leitet das Bistum Tolagnaro im Süden Madagaskars. Anlässlich des Monats der Weltmission ist er derzeit auf Einladung des katholischen Hilfswerks missio in Deutschland unterwegs. In Freiburg hat er die drei madagassichen Studenten des Herz-Jesu-Klosters getroffen: die Fratres Patrice Eugene Rakotoniaina, Clement Randrianasolo und Bruno Rafanomezantsoa. Sie tauschten sich über die Lage in ihrer Heimat aus.
Bischof Olivier berichtete: Seit Januar er in seiner Diözese tätig und lernt sie noch kennen. Tolagnaro liegt im Süden von Madagaskar. Die Diözese besteht aus zwei Regionen: einer regenreichen und einer sehr trockenen. Aufgrund dieser Trockenheit herrscht besonders dort große Armut. Insgesamt, so der Bischof, sind die Menschen sehr aktiv in der Kirche. Als eine der dringendsten Aufgaben der Kirche sieht er Bildung an: Jugendliche zu bilden und auszubilden, damit sie einen Beruf ausüben und damit das Land verändern können.
Frater Clement denkt, dass die katholische Kirche attraktiv für die Menschen ist: „Die Evangelisierung in Madagaskar läuft gut. Ein Zeichen dafür ist, dass es noch viele Berufungen gibt: Viele junge Menschen interessieren sich für das Ordensleben oder möchten Priester werden.“
Frater Bruno fügt hinzu: „Die Kirche ist nur eine kleine Organisation und kann nicht alles schaffen oder in Ordnung bringen. Aber ohne sie wäre es noch schlimmer in Madagaskar.“ Rund 27% der Gesamtbevölkerung sind Mitglied der katholischen Kirche. Sie hat Krankenhäuser, Sozialwerkstätten und Schulen gegründet, um Armut zu bekämpfen.
Die Fratres Clement und Bruno berichten, dass das madagassische Schulsystem dem in Frankreich ähnelt. Aber, so Frater Bruno: „Leider legen nicht alle Wert auf Bildung. Aufgrund der Armut besuchen viele Kinder keine Schule, sie bleiben zu Hause und beginnen früh, ihren Eltern zu helfen. Obwohl Bildung ihr Recht wäre!“
Frater Clement hat zwar eine öffentliche Schule besucht, sagt aber, dass in der Regel katholische und evangelische Schulen eine sehr viel höhere Unterrichtsqualität bieten. Für den Besuch eine Privatschule müssen Schulgebühren bezahlt werden; kirchliche Schulen verlangen meist niedrigere Schulgebühren.
Trotzdem können sich viele Familien höchstens den Schulbesuch an einer der kostenlosen staatlichen Schule leisten. Anders ist es beispielsweise in der Schule „Père Leo Dehon“ in der Kleinstadt Andrebakely. Initiiert wurde sie vom Herz-Jesu-Priester Pater Bruno Razafimanantsoa SCJ. Im August 2022 eingeweiht, spielt sie in der Region inzwischen eine sehr große Rolle und genießt einen hervorragenden Ruf. Das bekam auch Provinzial Pater Stefan Tertünte SCJ bei seinem Besuch dort bestätigt. Die deutsche Ordensprovinz bittet regelmäßig um Spenden, damit alle Kinder in der Schule „Père Leo Dehon“ bis zum Abitur lernen können, auch wenn ihre Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können.
Von Bischof Olivier erfuhren die Fratres, dass die Kirche immer versucht, ihre Meinung zu äußern und für Verbesserungen zu werben: „Sie wird aber leider nicht gehört.“
Streiks und Protestbewegungen gibt es in Madagaskar schon seit langer Zeit, berichten die beiden Studenten. Doch diese Bewegungen wurden immer wieder zum Schweigen gebracht. „Im September 2025 erhoben sich jedoch Soldaten und unterstützten die Demonstrierenden“, berichtet Frater Clement. Zwei Monate dauerten die landesweiten Proteste, vor allem von der jungen Generation. „Gemeinsam mit den Soldaten gelang es ihnen, den Kampf zu gewinnen. Die heutige Regierung ist zwar aktiv und arbeitet daran, etwas zu verändern, doch im Alltag der Bevölkerung sind diese Verbesserungen bisher noch kaum spürbar.“ So habe die Regierung schon lange versprochen, den trockenen Teil der Region zu bewässern; sie habe viel Geld dafür von Sponsoren und anderen Ländern erhalten: „Aber bis jetzt bleibt es ein Traum“, berichtet Frater Bruno.
„Ich freue mich und bin stolz, dass ich ein Madagasse bin. Obwohl Madagaskar ein armes Land ist, ist die Freude da, die Menschen sind glücklich. Und wir glauben an Gott und hoffen, dass irgendwann etwas Gutes von Gott kommt“, sagt Frater Clement. Sein Mitbruder, Frater Bruno, stimmt zu: „In Madagaskar gibt es viele Herausforderungen und vor allem die Armut zu bekämpfen. Allerdings ist Madagaskar immer in meinem Herzen. Es gibt dort viele schöne Gegend, und als Insel bietet sie so viel schöne Natur und Strände an. Und die Menschen sind sehr gastfreundlich - trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten.“
Ein ausführliches Interview mit Bischof Luc Olivier mit katholisch.de lesen Sie hier.
Foto © scj: Frater Clement mit einem Teil seiner Familie; alle zwei Jahre reisen die Studenten in ihre Heimat
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