Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

Gedanken zu Ostern von Pater Horst Steppkes SCJ

Ostern, das Fest des Lebens, beginnt an einem Ort des Todes. Maria von Magdala und die anderen Frauen machen sich noch im Dunkel der Nacht auf den Weg zum Grab, um von ihrem toten Freund Jesus Abschied zu nehmen und ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Nicht nur um sie herum ist es dunkel, als sie am Grab ankommen. Sie sind voller Trauer, auch ihr Leben, ihre Zukunft liegt im Dunkeln. Mit dem Begräbnis Jesu waren auch ihre Hoffnungen begraben worden.

Der Stein vor der Grabhöhle ist für die Frauen kein Problem, er ist bereits weggewälzt, aber das Grab ist leer. Sie sind ratlos. Da braucht es den Engel, den göttlichen Boten: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden“ (Lk 24, 5 + 6).

In ihrer Ratlosigkeit tut sich eine neue Perspektive auf. Es könnte doch sein, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, es wäre doch möglich, dass es jenseits von Leid, Hoffnungs- und Ausweglosigkeit noch eine Zukunft gibt.

Draußen setzte die Morgendämmerung ein. Damit es auch bei ihnen „dämmerte“, bedurfte es noch des Hinweises an die Frauen durch den Engel, sich zu erinnern an das, was Jesus ihnen gesagt hatte, dass nämlich der Menschensohn in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden muss, aber am dritten Tag auferstehen wird.

Die Frauen erinnern sich am leeren Grab an Jesu Worte, Jesu Taten, Jesu Leben.

Es ist eine Erinnerung Gottes an das Leben, auf das sich die Frauen wider alle Hoffnungslosigkeit einlassen können. Sie erinnern sich und sie wollen darüber miteinander reden und anderen erzählen, was sie erlebt haben. Die Apostel hielten ihre Rede zunächst für „Geschwätz“.

Wo aber die Erinnerung an das von Gott verheißene Leben Resonanz findet in den Herzen der Menschen, da klingen die Worte von einem Leben nach dem Tod, vom Licht nach Dunkelheit und von Freude nach Trauer nicht wie leeres Geschwätz, da können sie zu einer gelebten Ostererfahrung und zu einer Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus werden.

Seit jenem ersten Ostern ist Gottes Erinnerung an das Leben endgültig: Jesus Christus lebt, der Gekreuzigte ist der Auferstandene.

Erinnern wir uns …, erzählen wir einander … (auch, wenn manche es für Geschwätz halten). So kann Osterglaube wachsen bei uns und anderen.

Zusammen mit meinen Mitbrüdern wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein frohes und gesegnetes Osterfest.

P. Horst Steppkes SCJ

Fotohinweis: Der „Grabesengel“ ist die so genannte 15. Station des Kreuzwegs von Pater Rudi Turske SCJ. Das Original hängt in der Hauskapelle unseres Herz-Jesu-Klosters in Wien.

 

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