Zwischen Freude und Zurückhaltung – Rückkehr zu gemeinsamen Gottesdiensten

Schrittweise werden in den deutschen Bistümern wieder Gottesdienste möglich. Die Sicherheitsauflagen sind unterschiedlich, auch die Art, wie die einzelnen Pfarreien und Gemeinden damit umgehen. An unseren sechs Standorten machen sich die Herz-Jesu-Priester natürlich auch Gedanken, ob und wie sie jetzt wieder Gottesdienste mit den Gläubigen feiern können. Aber nicht alle starten sofort.

„Freudiges Grundgefühl“ in Berlin

Ab der Vorabendmesse am Samstag, 09. Mai, gibt es offiziell wieder öffentliche Sonntagsgottesdienste im Erzbistum Berlin. „Ab diesem Zeitpunkt werden auch wir im Kloster, neben der Pfarrei und der Portugiesisch Sprechenden Gemeinde, wieder öffentliche Gottesdienste anbieten“, sagt Pater Markus Mönch.

Es gibt ein Sicherheits-/ Hygienekonzept des Erzbistums. Demnach muss ein Sicherheitsabstand von 1,50 Meter zwischen den einzelnen Personen gewährleistet sein, und die Gesamtzahl von 50 Personen pro Gottesdienst darf nicht überschritten werden. In Berlin gibt es kein Anmeldesystem, dafür muss ein Ordnungsdienst kontrollieren, dass nicht mehr als 50 Personen anwesend sind. „Wir müssen alle Teilnehmer in Listen festhalten, um eine Nachverfolgung im Fall der Fälle zu gewährleisten. Wir sind gerade dabei auszutüfteln, wie das alles hier vor Ort funktionieren kann“, so P. Mönch weiter.

Das Hygienekonzept schreibt vor, dass es keinen Gemeindegesang geben soll. „Wir möchten dennoch einen Organisten, der auch als Kantor agiert, damit der Gottesdienst auch einen besonderen sonntäglichen Charakter bekommt. Singen ist zwar nicht erlaubt, aber mit geschlossenen Mund mitzusummen ist weiterhin möglich“, so die Vorstellung der Berliner Patres. Auch soll ein Mund- und Nasenschutz getragen werden, „wobei wir darauf vertrauen, dass die meisten sich daran halten werden. Da müssen wir erst einmal schauen, wer kommt und was vorhanden ist.“

„Das Grundgefühl in uns“, so P. Mönch, „ist eher ein freudiges, da wir endlich wieder mehr Menschen erreichen. Da unsere eigenen Gottesdienste vom Kloster während der Woche und am Sonntagabend bisher nie mehr als 25 Personen umfasst hat, dürfte es keine großen Probleme geben mit der Menge an Menschen. Und dennoch sind viele angespannt, denn alles muss sich erst einmal einspielen und bewähren. Es ist auf jeden Fall schön zu wissen, dass eine kleine Normalität wiederkommt.“ Die Hoffnung bleibe dennoch, „dass wir in absehbarer Zeit wieder Gottesdienste feiern können mit Gesang und Nähe zum Nächsten.“

Zum Schutz der älteren Gläubigen hat übrigens die Pfarrei Corpus Christi einen Vorabendgottesdienst am Samstag und einen Sonntagabendgottesdienst zusätzlich im Angebot.

Kein Gottesdienst im Ökumenischen Kirchenzentrum Oberhausen

In der Gemeinde Sankt Marien in Oberhausen, wo die Mitbrüder des Dehonhauses mitwirken, laufen die Vorbereitungen, unter den vorgegebenen Sicherheitsauflagen wieder Eucharistie zu feiern.

Aber für das ökumenische Kirchenzentrum, in dem P. Olav Hamelijnck SCJ tätig ist, sieht es noch ganz anders aus. Der Cafébetrieb ruht weiterhin. Im „Raum der Stille“, wo sonst um die zwanzig Personen zum sonntäglichen ökumenischen Gottesdienst zusammenkommen, dürfen sich nach den geltenden Bestimmungen nur vier Personen gleichzeitig aufhalten dürfen.

„Deshalb sind diese Feiern derzeit nicht möglich“, bedauert P. Hamelijnck. Die Gottesdienstleiter und –leiterinnen, die aus den unterschiedlichen christlichen Kirchen stammen, stellen allerdings jeden Sonntag unter www.kirchenzentrum.de einen Impuls ins Netz.

Viel Improvisation in Maria Martental

„Schritt für Schritt“ hat das Bistum Trier sein Schutzkonzept für Gottesdienste überschrieben. Darin heißt es: „Grundlage aller Überlegungen muss sein, dass jede gottesdienstliche Feier so gestaltet ist, dass sie einerseits würdig ist, andererseits aber die Gefahr der Ansteckung mit dem Corona-Virus weitestgehend vermieden wird.“

In der Wallfahrtskirche Maria Martental werden die Gottesdienste ab dem Wochenende 16./17. Mai zu den gewohnten Zeiten gefeiert: Samstag 17 Uhr, Sonntag 8.30 Uhr, 11 Uhr und 17 Uhr sowie die Andacht um 15 Uhr.  „Ebenso wollen wir die alte Gottesdienstordnung einhalten und die Hl. Messen am Dienstag um 15 Uhr und den Messbundgottesdienst am Freitag um 17 Uhr feiern“, kündigt Pater Andreas Pohl SCJ an.

„Im Augenblick versuchen wir, die Wallfahrtskirche auf die Gottesdienste logistisch so vorzubereiten, wie uns das die Auflagen des Bistum Trier und der Landesregierung erlauben. Und die Auflagen sind zum Teil hart“, erzählt er: „Fertig sind wir noch nicht, weil es noch etwas Zeit für die Organisation braucht.“ Das erste Wochenende nach über zwei Monaten werde eine gewisse Improvisation sein, „weil wir nicht wissen, wie es bei den Menschen ankommt, wenn sie mit einem Mundschutz in der Kirche beten, auf das Wort Gottes hören und dann die Kommunion empfangen.“

Manchen älteren Menschen macht es Sorge, ob sie eine Stunde mit Maske in der Kirche aushalten, weiß er. Nach den Bestimmungen der Landesregierung dürfen nicht mehr als 50 Personen am Gottesdienst in der 500 Quadratmeter großen Kirche teilnehmen. Für die Teilnahme müssen Listen geführt werden und die Menschen sich telefonisch anmelden. „Wir brauchen Helferinnen und Helfer, die vor der Kirche mit den Namenslisten stehen und den Menschen die Sitzplätze zuweisen. Für uns bedeutet es, dass wir pro Wochenende etwa 200 Anrufe bekommen und die Menschen auf die Listen eintragen.“ Und: Viele Menschen riefen sofort an, nachdem das Prozedere bekannt war – noch bevor überhaupt Listen geführt wurden.

„Ich persönlich freue mich auf den ersten Gottesdienst in Martental nach der zweimonatigen Abstinenz“, sagt P. Pohl. „Das äußere Ambiente wird sicher sehr gewöhnungsbedürftig sein, aber der Vollzug des Gottesdienstes mit den Gläubigen zusammen bedeutet mir sehr viel und dafür bin ich bereit, die äußeren Beschränkungen in Kauf zu nehmen. Wie es weiter gehen wird, müssen wir noch abwarten.“

„Zurückhaltende Freude“ in Handrup

Im Bistum Osnabrück sollen nach dem Wunsch von Bischof Franz-Josef Bode öffentliche Gottesdienste erst ab dem 11. Mai gefeiert werden. Mit Gottesdiensten an Werktagen zu beginnen, sei sinnvoller, um Erfahrungen zu sammeln und einen schrittweisen Weg zu gehen, hatte Bode in der vergangenen Woche in einem Brief an die Pfarrer geschrieben. Für das Kloster Handrup bedeutet das, dass die erste Klostermesse am Sonntag, 17.05.2020, um 19 Uhr stattfindet. „Das war und bleibt unsere einzige Wochenendmesse“, so Rektor Pater August Hülsmann SCJ.

Alles Weitere werde sich in der kommenden Zeit ergeben. So lange es im Gymnasium Leoninum keinen Präsenzunterricht gab, feierten die vier Patres und die beiden Schwestern der Hausgemeinschaft jeden Morgen um 8 Uhr in der Hauskapelle eine Morgenmesse. „Das war eine wunderschöne Zeit“, so P. Hülsmann.

„Fremde“ werden auch künftig in der Kapelle nicht Gottesdienst feiern können, dafür ist sie zu klein. Ungeklärt sind auch die Feier von Christi Himmelfahrt oder die Wandertage von P. Hülsmann. „Insgesamt empfinde ich eine zurückhaltende Freude“, sagt er – einerseits weiß er, dass die Leute darauf drängen, wieder ein Stück Normalität und kirchliches Leben zu bekommen, auf der anderen Seite ist das alles mit den Listen und Sicherheitsauflagen „sehr kompliziert.“

Abwarten in Neustadt und Freiburg

Im Kloster Neustadt werden an diesem Wochenende noch keine Gottesdienste gefeiert. „Wir warten noch ab, bis wir definitiv wissen, wie wir mit den strengen hygienischen Auflagen umgehen, und wie wir das mit den Anmeldungen handeln können“, sagt Pater Gerd Hemken SCJ, Rektor des Klosters Neustadt.

Fest steht allerdings hier bereits, dass die Pilgersonntage „Fatima-Sonntage“ höchstens im September und Oktober stattfinden können; als „Großveranstaltungen“ sind sie bis Ende August verboten. Auch die Entscheidung, ob und wie das Herz-Jesu-Fest am 19.06.2020 stattfindet, steht noch aus.

Das Erzbistum Freiburg hat in dieser Woche erst die neuen Bestimmungen veröffentlicht. Sie erlauben öffentliche Gottesdienste ab Sonntag, „jedoch unter vielen strengen Auflagen, die wir so kaum erfüllen können“, so Pater Marcio Auth SCJ. Daher hat sich die Kommunität entschieden, erst ab Pfingsten (31.05.2020) wieder Gottesdienst mit Gläubigen zu feiern. Nach Absprache können Menschen jedoch weiterhin ins Kloster zur Beichte kommen.

„Natürlich würden wir am liebsten sofort wieder mit allen normalen Diensten beginnen. Aber wenn die Gesundheit unserer Gottesdienstbesucher und unserer eigenen Mitbrüder an erster Stelle stehen soll, können wir nicht sofort loslegen. Es gilt schon viele Vorbereitungen und klare Absprachen zu treffen. Über Musik und markierte Plätze müssen wir uns noch absprechen und einigen und auch über Nase-Mund-Schutz haben wir nicht gesprochen, es wird seitens des Erzbistums empfohlen.“

Hier wie in allen anderen Klöstern gilt: Es wird sich in den kommenden Wochen vieles entwickelt und auch wieder verändern.

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