Den Fußspuren Jesu gefolgt

Zu einer besonderen Israel-Reise waren Pater Sergio Rotasperti aus Freiburg und seine Berliner Mitbrüder P. Markus Mönch und P. Ryszard Krupa im Oktober unterwegs: Gemeinsam mit weiteren Teilnehmenden aus Berlin erwanderten sie das Land. Gemeinsam folgten sie den Fußspuren Jesu.

P. Rotasperti kennt Israel gut, hat er doch hier studiert. Zudem hat er schon häufig Gruppen durch dieses Land geführt und ist autorisierter Fremdenführer.

Der Pilgerweg begann in Nazareth, wo die Gruppe sehr anregende Tage miteinander verlebte. Die vielen Pilger und Kirchen und die riesige Basilika in der Stadtmitte zeugen davon, dass diese Stadt ein kleiner Schmelztiegel der Religionen ist. Schon am dritten Tag zogen die Wanderer erstmals ihre Schuhe an, der Pilgerweg führte zum See von Galiläa. Pater Sergio zeigte der Gruppe in der alten Metropole Zippori etwas von der reichen Lebenskultur und Offenheit der damaligen Menschen in Galiläa. Sie bestiegen die Hörner von Hattin und bekamen an diesem geschichtsträchtigen Ort einen Eindruck von der Weite des Landes Galiläa, wo Jesus seine Botschaft verkündigte. Auf der Anhöhe sahen sie zum ersten Mal den See von Galiläa und feierten einen wunderschönen Gottesdienst mit grandioser Aussicht.  

Während dieser Tage hatten sie Unterkunft bei den Schwestern auf dem Berg der Seligpreisungen. Von dort aus besuchten sie unter anderem Tabgha, wo deutsche Benediktiner in einer alten Kirche mit dem berühmten Mosaik der drei Fische und fünf Brote an die Brotvermehrung erinnern, und die alte Stadt Kafarnaum, die heute nur noch aus Ruinen besteht, in denen sich aber noch das Haus des Petrus findet.

Am folgenden Tag zogen sie weiter nach Jerusalem mit einem Zwischenhalt am Jordan, wo der Taufe des Herrn gedacht wird. Auf dem Weg durch den ehemaligen Ölberg besuchten sie die Kirchen Dominus Flevit und die Ölbergkirche. Am nächsten Morgen ging es sehr früh los zu einem Gottesdienst in der Grabeskirche um 7.30 Uhr. Am Altar neben den Golgothafelsen durfte Pater Ryszard an seinem Geburtstag mit der Gruppe einen Gottesdienst feiern. Nach einer ausführlichen Besichtung der Stadt ging es am letzten Tag in Jerusalem nach Bethlehem, wo die Geburtskirche das Ziel war. Da schon viele Gruppen in der Kirche anstanden, schloss sich die „Berliner Gruppe“ der Mittagsprozession der Franziskaner an, um zumindest einen kurzen Blick in die Höhle werfen zu können.

Zurück in Jerusalem, stand der Kreuzweg durch die Altstadt und das Geburtshaus Mariens am Teich von Bethesda an. Ein guter Kaffee im österreichischen Hospiz rundete den Nachmittag ab. Am Morgen des vorletzten Tages fuhren die Pilger nach Tel Aviv, um nochmals Jaffa sehen und einige Stunden am Strand verbringen zu können – der Abschluss einer sehr eindrucksvollen Pilgerreise mit vielen geistlichen Impulsen und neuen Einsichten über das, was in den Evangelien über Jesus berichtet wird.  

So wanderte die Gruppe meist rund drei bis vier Stunden am Tag. „Ich mag es zu wandern“, sagt P. Rotasperti: „Es ist eine andere Reise,  wenn man wandert. Es geht alles viel langsamer, man kann die Menschen besuchen und sie besser kennenlernen.

Auch diese Tour empfand er wieder als „wunderschön“. Er begleitet häufig Gruppen und findet: „Jede Gruppe ist anders, aber mein Eindruck ist, dass die Teilnehmer immer nach „etwas“ suchen und alles verstehen wollen: Wer war Jesus? Wie ist die Kirche heute? Wie ist die politische Lage in Israel? Und sie sind sehr offen für neue Eindrücke, Erfahrungen und Informationen.“

Ein Reiz liegt für ihn darin, dass die Tage sehr unterschiedlich sind – nicht nur im Hinblick darauf, was die Gruppe sieht, wo sie hinwandert und was sie erlebt. „Mal gibt es einen Tag der Stille, mal ein Bibelgespräch. Mal liegt der Schwerpunkt auf der kulturellen, dann auf der archäologischen Perspektive“, zählt Rotasperti auf.

Christen machen nur 1,7 Prozent der Bevölkerung Israels aus, die meisten sind sehr arm. „Man muss das Heilige Land besuchen und verstehen, wie die Christen heute dort leben“, findet der Herz-Jesu-Priester. Und so würde er gerne auch mit den Studenten aus aller Welt, die in Freiburg leben,  einmal durch Israel wandern würde.

Text: P. Markus Mönch, P. Ryszard Krupa, Brigitte Deiters

Das Foto © zeigt die Grabeskirche in Jerusalem.
 

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