„Wir sagen euch an, den lieben Advent“ – die Herz-Jesu-Priester bereiten sich auf Weihnachten vor

Mit dem 1. Adventssonntag beginnt die Adventszeit. Die Zeit des Jahres, die eigentlich besinnlich sein sollte, oft jedoch eher stressig ist. Ein Termin jagt den anderen, Geschenke wollen gekauft werden, Advents- und Weihnachtsfeiern werden besucht. Die Herz-Jesu-Priester geben einen Einblick in ihr Adventsprogramm und verraten, was sie tun, damit der Advent nicht zur hektischsten Zeit des Jahres wird.

Weihnachtlich sind die Kirchen der Herz-Jesu-Priester mit Christbäumen geschmückt, wie hier in Handrup Anfang 2018. (c) Nowak
Stille, ein starker Text und starker Kaffee

Das Dehon-Haus in Oberhausen bietet am Hans-Sachs-Berufskolleg jeden Tag einen Adventskalender im Kioskbereich an. „Wir laden unsere Schüler auch zu ‚Espresso-Meditationen‘ ein. In einem schönen Raum in gemütlicher Atmosphäre gibt es dort eine kurze Stille, einen starken Text und anschließend einen starken Kaffe“, berichtet Pater Ernst-Otto Sloot SCJ. Für ihn ist diese kleine Meditation jeden Tag in Verbindung mit einem Espresso eine schöne Möglichkeit, etwas zur Ruhe zu kommen. „Im Kirchencafé des Centros, dem großen Shopping-Center in Oberhausen, haben wir für die Besucher ebenfalls einen lebendigen Adventskalender vorbereitet, bei dem sich hinter jedem Türchen eine adventliche Überraschung verbirgt“, erzählt Pater Sloot. Am 25. Dezember laden die Herz-Jesu-Priester und die anderen Mitarbeiter des Kirchencafés in schöner Tradition wieder alleinstehende Personen zu einem weihnachtlichen Nachmittag ins Kirchencafé ein“, erklärt der Ordensmann.

Besinnung, Basteln, Beichten

 

Auch im Herz-Jesu-Kloster Neustadt wird im Advent einiges geboten. Neben dem Programm des Exerzitienhauses gibt es kommenden Samstag einen Besinnungstag. Er stehe unter dem Motto ‚Juble und freue dich, Tochter Zion, denn siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte – Spruch des Herrn (Sach 2-14)‘, berichtet Pater Hemken SCJ, Rektor der Ordensniederlassung. Mit Adventsliedern, Impulsen, einer Zeit für Kreativität und der Möglichkeit, im Sakrament der Beichte einen neuen Anfang zu wagen, bietet dieser Tag ein ideales Programm, sich ein Stück weit auf Weihnachten vorzubereiten. Als Hilfe für eine besinnliche Adventszeit hat Pater Hemken SCJ jeden Buchstaben des Wortes Advent zum Programm gemacht. Während das A für einen Abend der Stille steht, einen Abend in der Woche, der ohne Handy und Internet zu verbringen ist, steht der Buchstaben D für das Dürsten. „Natürlich dreht sich in der Adventszeit viel um Geschenke, ich möchte mich in dieser Zeit fragen, wonach dürsten die Menschen um mich herum, was brauchen sie wirklich? Die fünfte Krawatte ist das sicher nicht, aber vielleicht ein gutes Wort“, sagt Pater Hemken. Das V erinnere ihn daran, dass die Adventszeit eine Zeit sei, in der man Vergebung suchen könne, mit den Mitmenschen und mit Gott in der Beichte. Das E steht für Entsagung, dafür, Verzicht zu üben und nicht im Advent schon so viel Schokolade zu essen, dass man sie an Weihnachten nicht mehr sehen kann. Das N steht für Naherwartung. „Im Advent gehen wir nicht nur auf die Geburt Jesu zu, sondern erwarten auch sein Kommen am Ende der Zeit. Das T erinnert mich daran, mit anderen zu teilen“, erklärt der Ordensmann.

Eine Schule auf dem Weg hin zur Krippe

Wenn die 1200 Schüler sowie die Lehrer des Gymnasiums Leoninum am Herz-Jesu-Kloster Handrup zusammenkommen, dann Am ist Zeit für die Vollversammlung am Montag. Und im Advent steht sie im Zeichen der Vorweihnachtszeit. „Wie die vergangenen Jahre auch, starten dann wieder unsere M&M-Meditationen, immer montags und mittwochs in der Pause“, berichtet Pater August Hülsman, Rektor des Klosters. Die Jahrgangsstufen fünf und sechs erwarten hohen Besuch, denn der Heilige Nikolaus hat seinen Besuch angekündigt. Neben Rorate-Gottesdiensten wird es auch ein großes Adventskonzert geben – schon jetzt werde fleißig geprobt. „In der Chorpause versorgt Sr. Nicole die Musiker mit heißem Tee“, gibt der Ordensmann einen Einblick in die Vorbereitungen. „Dieses Konzert ist etwas ganz Besonderes, denn in diesem ad-hoc-Chor singen Schüler, ehemalige Schüler, Eltern und Lehrer“, freut sich Pater Hülsmann.

Nichts auf den letzten Drücker tun

Pater Marcio Auth SCJ ist erst vor drei Wochen als neuer Rektor des Herz-Jesu-Klosters Freiburg in den Breisgau gezogen und steckt doch in seinem neuen Zuhause schon mitten in den Adventsvorbereitungen. „Neben Rorate-Gottesdiensten, zu denen die Gemeinde herzlich eingeladen ist, beten wir hier im Haus jeden Abend die Komplet mit kleinen, adventlichen Impulsen, die jeden Abend von einem anderen Mitbruder vorbereitet werden“, erzählt Pater Auth. Am 18. Dezember wird es eine Adventsfeier mit der gesamten Kommunität geben und auch in der Pflasterstube sei eine Adventsfeier geplant. „Für mich ist die Adventszeit in Deutschland etwas ganz Besonderes. Die ganze Atmosphäre mit der Dunkelheit des Winters und den vielen Lichtern und Kerzen hilft, den zu erwarten, der als das Licht der Welt im Stall von Bethlehem geboren wurde“, sagt der gebürtige Brasilianer, in dessen Heimat Weihnachten in den Hochsommer fällt. Er möchte alles so früh wie möglich erledigen, damit Stress im Advent gar nicht erst entsteht. Frater Jean Bruno Razafimanantsoa SCJ ergänzt: „Wir Studenten werden auf jeden Fall auch einmal auf den Weihnachtsmarkt gehen und dort gemeinsam einen Glühwein trinken“.

Freude an der Seelsorge

Gerade an Wallfahrtsorten, wie in Maria Martental, ist im Advent besonders viel los. Die Herz-Jesu-Priester dort sind nicht nur für die Seelsorge am Wallfahrtsort zuständig, sondern haben auch in den naheliegenden Gemeinden zahlreiche Aufgaben. „Im Advent haben wir sehr viele Veranstaltungen“, sagt Pater Andreas Pohl SCJ. Aber es sei ein positiver Stress, da ihm die Seelsorge Freude bereite. „Ich versuche zudem, Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden“, verrät der Ordensmann.

Advent in der Hauptstadt

Auch die Herz-Jesu-Priester in Berlin haben sich viel für die Adventszeit vorgenommen. Sie sind am lebendigen Adventskalender im Kiez beteiligt. „Ich finde, es ist eine wunderbare Möglichkeit, Nachbarn zu treffen und ins Gespräch zu kommen“, sagt Pater Ryszard Krupa SCJ. Außerdem wird es musikalisch: In der Berliner Ordensniederlassung wird es insgesamt vier Adventskonzerte geben, unter anderem auch wieder „Jazz before Christmas“, jeweils mit der Einladung, im Anschluss noch bei einem Becher Glühwein zusammen zu kommen. Am 9. Dezember lädt das Kloster zum biblischen Backen ein und erstmals bietet Pater Mönch einen Kochkurs für Männer an. „An Heiligabend laden wir, wie in den vergangenen Jahren, diejenigen Gemeindemitglieder zu uns ein, die sonst alleine wären“, erzählt Pater Krupa.

 

Text: Regina Schwarz

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