Strenge Regeln und kein Wahlkampf: Das Generalkapitel in Rom

77 Herz-Jesu-Priester aus allen Ländern, in denen die Gemeinschaft tätig ist, kommen seit dem 14. Juli in Rom zusammen. Es gilt einen Nachfolger für Pater Heiner Wilmer zu wählen, der bis April Generaloberer der weltweiten Ordensgemeinschaft war und im September zum Bischof von Hildesheim geweiht wird. Pater Levi dos Anjos Ferreira, Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Freiburg ist mitverantwortlich für die Vorbereitung und den Ablauf des Generalkapitels in Rom. Im Interview erzählt er, wie das Kapitel ablaufen wird.

Das Logo des Generalkapitels. "Mit offenem Herzen und Gedanken. Die Bedürfnisse der Kirche und der Welt", lautet der Titel.

 

Pater Ferreira, vom 14. bis 27. Juli findet das Generalkapitel in Rom statt und Sie sind im Vorbereitungskomitee. Welche Aufgaben kommen auf Sie zu?

Pater Ferreira: Im Komitee sind wir zu dritt, neben mir dabei ist der Provinzial der norditalienischen Priovinz ITS Pater Oliviero Cattani und Pater Juanjo Arnaiz Ecker aus Spanien, gleichzeitig der Vorsitzender der Gruppe. Unsere Aufgabe und gleichzeitig die Herausforderung ist es, alle juristische Satzungen und Richtlinien im Auge behalten. Etwa wieviel Delegierte jede Provinz schicken kann. Das hängt von der Größe der Provinz ab. Besteht eine Provinz aus bis zu 50 Patres, ist es ein Entsandter. Ist die Provinz größer, dann kommen zwei, über 100 Mitglieder große Provinzen schicken drei Entsandte.

Aus Deutschland nehmen zwei Patres am Kapitel teil. Pater Markus Mönch aus Berlin als gewählten Delegierter und Pater Heinz Lau als Provinzial…

Ja, die Provinziale müssen nicht als Delegierte gewählt werden. Sie sind von Amtswegen dabei. Pater Sergio Rotasperti, der in Neustadt arbeitet, wird auch dabei sein, um Protokoll mit anderen Mitbrüdern zu schreiben. Wir haben auch Kontakt mit Kirchenrechtlern, damit wirklich alles gut läuft und nichts übersehen wird. Insgesamt ist es eine strenge Regelung, wer am Kapitel teilnehmen darf. Es sind nur Patres und die Ausnahme ist Mary Gorski aus den USA, die zusammen mit Pater Radoslaw Warenda, Pater Francesco Mazzotta und Pater Zeferino Policarpo die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Die große Aufgabe unserer Komission ist das Instrumentum Laboris vorzubereiten. Alles, was beim Kapitel geschehen wird, die Tagesstruktur bereiten wir vor. Wir müssen auch auf solche Dinge achten, wenn etwa ein neuer Generaloberer gewählt wird, der nicht beim Kapitel anwesend ist, dass wir Zeit haben für seine Anreise.

Die Herz-Jesu-Priester sind auf vielen Kontinenten tätig in Ländern mit unterschiedlichen Sprachen. In welcher wird das Generalkapitel gehalten?

Das hängt vom Moderator des Kapitels ab. Das übernimmt Pater Stefan Tertünte und er wird es auf Italienisch halten. Es wird auch Übersetzungen in Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Englisch und Polnisch geben.

Das letzte Generalkapitel liegt rund drei Jahre zurück, damals wurde Pater Heiner Wilmer zum Generaloberen gewählt. Und im April ernannte ihn Papst Franziskus zum Bischof von Hildesheim. Es muss also ein Nachfolger für Pater Wilmer gewählt werden. Geht das nicht auch kürzer als in zwei Wochen, die anberaumt sind?

Wenn das Kapitel nur für die Wahl wäre, dann ja. Dann wäre es ein außerordentliches Kapitel. Aber diese Versammlung ist zugleich ein ordentliches Kapitel, an dem die gesamte Generalleitung gewählt wird und über Themen der Ordensgemeinschaft gesprochen wird. Die Provinzen müssen sich also Gedanken machen, was sie ansprechen wollen und sie müssen sich selbst beim Kapitel auch präsentieren. Wichtige Themen werden sein Berufung, Ausbildung und Mission. Wie ist die Situation der Provinzen, und um die Finanzen. Um neun Uhr nach der Messe und dem Frühstück geht es gleich los mit den Diskussionen und Arbeitsgruppen.

Gutes Stichwort. Wie sehen denn die Tage aus?

Das Kapitel ist in drei Blöcke unterteilt. Beim ersten Block sind wir als Vorbereitungskomitee gefragt. Es ist der konstituierende Prozess. Da schauen wir auf die Satzungen, suchen Wahlleiter, Moderatoren, Protokollanten etc. Aber begonnen wird vorher schon mit einem Willkommensabend. Am Samstag gibt es dann auch Exerzitien zur Einstimmung. Im zweiten Teil präsentiert die Generalleitung ihren Bericht über den Status der Ordensgemeinschaft, damit alle im Blick sind. Der dritte  Teil ist die Wahl des Oberen. Dazu wird in Gruppen diskutiert, wer fähig ist, die Generalleitung zu übernehmen. Es werden aber Namen genannt und Personen vorgeschlagen. Die Wahl ist dann geheim. Insgesamt sind für die Wahl eines neuen Generaloberen und der Leitung dreieinhalb Tage vorgesehen. In den letzten Tagen der Versammlung geht es darum, Strategien zu finden und Pläne für die Zukunft zu machen. Etwa in Sachen Neuevangelisierung, Ausbildung und der Mission und Spiritualität. Am letzten Tag ist die Rede des Generals mit einer feierlichen Abschlussmesse.

Gibt es so etwas wie einen Wahlkampf um Generaloberer zu werden?

Nein, das haben wir nicht. Wir vermeiden jegliche Politik im Vorfeld. Als Kommission haben wir Schreiben an die Provinz gerichtet, indem wir zur Diskussion aufrufen. Und das Kapitel beginnt auch mit Exerzitien, um in sich zu gehen und sich spirituell vorzubereiten.

Während die 77 Teilnehmer des Kapitels eine neue Generalleitung wählen, werden Sie nicht mehr dabei sein. Sie kochen das Essen, aber essen dann nicht mit?

(lacht) Wir als Komitee sind am Anfang dabei. Aber dann im Laufe des Kapitels bin ich frei. Ich bin aber auch froh, dann wieder nach Hause zu kommen.

Die Fragen stellte Markus Nowak.

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