Provinzial Pater Heinz Lau: „Aufmerksamkeit für das tägliche Leben“

Jesu zentrale Botschaft ist die Verkündigung des Reiches Gottes. Es ist auch das Leitwort unserer Kongregation: „Dein Reich komme“. Pater Heinz Lau, Provinzial der Herz-Jesu-Priester schreibt über die Aufmerksamkeit für das tägliche Leben.

 

Pater Heinz Lau SCJ, Provinzial der Herz-Jesu-Priester. (c) Nowak

Ein Aspekt aus dem Leben Jesu kommt in der geistlichen Literatur oder in den Predigten nur sehr selten zur Sprache: Jesu Aufmerksamkeit für das tägliche Leben, für die Dinge des Alltags, die Natur und die Menschen. Jesus beobachtet die Frau beim Kneten des Brotteiges, die Tagelöhner auf dem Marktplatz, den Mann beim Bau eines Hauses, den Winzer und den Weinstock, den Hirten und die Schafe, den Fischer und die Netze, den Sämann oder auch das Licht, das Salz das Getreide. Ich habe das Neue Testament auf diese Momente der Aufmerksamkeit Jesu hin gelesen und bin auf über 140 Stellen gestoßen.

Die jüdische Philosophin Simone Weil, die für mich die Anwältin der „Aufmerksamkeit“ ist, sagte einmal: „Aufmerksamkeit ist die Frömmigkeit der Seele.“ Um Aufmerksamkeit zu wecken, brauche ich mir nicht fernöstliche Meditationstechniken anzueignen; ich kann selbst aufmerksam sein, mitten im Alltag: Dinge des täglichen Lebens beobachten und das Beobachtete auf mich und meine Seele wirken lassen. Alles kann Botschaft werden: Menschen in der Straßenbahn, ein Sonnenuntergang, die Anzeigetafel am Bahnhof, Kinder beim Spielen und viele Dinge mehr.
Jesu zentrale Botschaft ist die Verkündigung des Reiches Gottes. Es ist auch das Leitwort unserer Kongregation: „Dein Reich komme“. Jesus veranschaulicht es in Gleichnissen, in denen er wieder das Beobachtete zur Sprache bringt. Wir haben jetzt im Spätsommer und Herbst mehr Gelegenheiten, das Leben und die Natur aufmerksam zu beobachten. Ihnen wünsche ich viele solcher Augenblicke, so dass Sie in der Seele fromm sind und Spuren göttlicher Gegenwart entdecken.

Ich möchte am Schluss kurz einige Jubiläen dieses Jahres erwähnen:

500 Jahre Reformation: Die Reformation war notwendig, aber leider führte sie zur Spaltung der abendländischen Christenheit. Wir bemühen uns tatkräftig um Ökumene, damit die Welt glaubt.

300 Jahre „Aparecida“, das Zentralheiligtum Brasiliens: Es geht zurück auf den Fund von zwei Stücken einer zerbrochenen Marienstatue in einem Fluss. Millionen von Menschen vertrauen sich hier Mariens Beistand an.

100 Jahre Fatima (13.Mai bis 13.Oktober): Die Mutter Gottes offenbart drei Hirtenkindern die Botschaft, die Menschheit zur Umkehr aufzurufen. Ihnen eine gute Zeit und Gottes Segen!
Pater Heinz Lau, Provinzial deutsche Provinz Herz-Jesu-Priester.

Dieser Text erschien in der 3. Ausgabe 2017 unseres Ordensmagazins „Dein Reich komme“. Gerne schicken wir Ihnen eine Ausgabe.

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