Zwei brasilianische Frater sind dankbar für Zeit in Deutschland

Für Frater Max Candido und Frater Paulo César Henrique heißt es Koffer packen: Sechs Jahre lang haben sie in Freiburg Deutsch gelernt, und einen Bachelor-Abschluss in Theologie absolviert. Ende Juli kehren sie in ihre Heimat Brasilien zurück. Dort werden sie in der Pastoral arbeiten, ihre ewigen Gelübde ablegen und die Diakonen- und später die Priesterweihe empfangen. Dankbar blicken sie auf ihre Zeit in Deutschland zurück.

Frater Max Candido (l.) und Frater Paulo César Henrique (r.) bei der Gelübdeerneuerung im Januar 2018 in Handrup. (c) Nowak/scj

Leicht fällt es den beiden jungen Herz-Jesu-Priestern nicht, Deutschland zu verlassen. „Ich bin so herzlich aufgenommen worden und habe das Leben in der deutschen Ordensniederlassung sehr genossen. Die Mitbrüder zurücklassen zu müssen, meine Kommilitonen und Freunde, ist nicht einfach. Es gehört aber zum Ordensleben dazu, bereit zu sein, den Ort, an dem man gerade ist, zu verlassen“, erklärt Frater Paulo César Henrique. „Ich bin vor allem dankbar. Dankbar, für die Freundschaft, die ich hier erfahren durfte und für alles, was ich hier gelernt habe“, ergänzt er. „Ich werde Freiburg, meine Mitbrüder und meine Freunde hier vermissen. Ich bin dankbar für alles, was ich hier erleben durfte“, pflichtet Frater Max Candido bei. Dankbar sind sie auch allen Wohltätern, die das Studium der beiden als auch ihrer ausländischer Mitbrüder in Freiburg unterstützen.

Die beiden jungen Ordensmänner haben während der vergangen sechs Jahre viel erlebt. Sie haben in Freiburg Theologie studiert, an den Katholikentagen teilgenommen, ein Praktikum absolviert und vieles mehr. „Ich durfte Frankreich besuchen, den Ort, an dem Pater Dehon gelebt hat, ich war in Assisi und habe die Wirkungsstätte des Hl. Franziskus´ besucht und durfte einige Zeit in Dublin sein, um dort Englisch zu lernen“, freut sich der 36-jährige Frater Henrique. „Mein Praktikum habe ich in Handrup absolviert und ich hatte eine großartige Zeit dort“, erinnert sich der junge Ordensmann lachend. „Ich war zum Praktikum in Berlin, habe dort Religion unterrichtet, die Erstkommunionvorbereitung übernommen und Latein gelernt. Und natürlich das Kulturangebot der Hauptstadt wahrgenommen“, berichtet der 29-jährige Frater Candido. Auch die Freizeit kam bei den beiden Studenten nicht zu kurz und drehte sich bei den Brasilianern natürlich um den Ballsport. „In Freiburg habe ich Fußball in zwei Vereinen gespielt. Meine Mitspieler hatten keinen kirchlichen Hintergrund, aber sie haben mich gefragt, warum ich glaube. Es hat mir Freude bereitet, Zeugnis zu geben.“ Inzwischen gab es im Team bereits zwei Eheschließungen von Mitspielern und zwei Taufen, berichtet der junge Dehonianer.

Abschied und Wiedersehen

Viel nehmen die beiden Fratres nicht mit, wenn sie nach Brasilien zurückfliegen. „Ich habe alle Bücher rechtzeitig zurückgegeben. Meine Gitarre jedoch nehme ich mit“, verrät Frater Max Candido. „Alle Kleidung, die ich in Brasilien nicht tragen kann, weil sie zu warm ist, habe ich bereits verschenkt“, sagt Frater Paulo César Henrique. Bei allem Abschiedsschmerz ist er auch froh, nach Hause fliegen zu können. „Ich freue mich auf den nächsten Abschnitt meiner Ausbildung zum Priester und ich freue mich, dass ich bald wieder bei meiner Familie sein und sie unterstützen kann“, sagt Frater Henrique. Auch Max Candido freut sich auf das Wiedersehen mit seiner Familie: „So schön es in Deutschland war, es war nicht immer einfach so weit von Zuhause weg zu sein.“

So berichtet Frater Candido, dass er bei der Beerdigung seiner Großmutter vor einigen Jahren nicht selbst dabei sein konnte, um Abschied zu nehmen. Der Weg war zu weit. „Meine Tante hat vor zwei Jahren ein Kind geboren, das ich demnächst zum ersten Mal sehen werde“, berichtet der junge Ordensmann.

Vermissen werden beide neben den Mitbrüdern und Freunden auch den Wechsel der Jahreszeiten. Vom Schnee mal abgesehen, denn wenn es schneit sei es doch sehr kalt, meinen beide. „Ich finde vor allem die Adventszeit mit ihren vielen Lichtern besonders schön“, schwärmt Frater Candido. Auch Currywurst mit Pommes und das deutsche Bier mochte er sehr gerne. Und die „deutsche Pünktlichkeit“, zumindest im Vergleich zur südamerikanischen: „Bei meinem Urlaub Zuhause habe ich festgestellt, dass ich mich bei Verabredungen an den ausgemachten Termin halte, wohingegen meine brasilianischen Freunde um 10:30 Uhr kommen, wenn 10 Uhr vereinbart war“, lacht Pater Candido. „Dafür sind wir Brasilianer spontaner und können schneller auf Unvorhergesehenes reagieren. Wir planen, haben zur Not aber auch einen Plan B, C und D parat.“

Frater Henrique haben es in Deutschland vor allem Schnitzel und Sauerkraut angetan. Er habe die Verlässlichkeit und Aufmerksamkeit sehr zu schätzen gelernt: „In Brasilien sagen wir manchmal, dass wir zu einem Treffen kommen und tun dies dann aber nicht, das ist in Deutschland anders“, berichtet er. Beide freuen sich auf das, was nun vor ihnen liegt: ihr Ewiges Gelübde und die Priesterweihe, voraussichtlich 2019. Aber auch ein Wiedersehen in Deutschland. Denn beiden wollen zurückkommen, schon 2021 und noch einen Master-Abschluss in Philosophie machen.

Text: Regina Schwarz

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