„Menschlich wächst man dadurch“

Mit „MyMission“ erleben junge Menschen das soziale Engagement der Herz-Jesu-Priester weltweit

Die 19-jährige Celina war einige Wochen in Mosambik.

Gleich nach dem Abitur, ganz alleine, ganz weit weg. Und dabei auch noch etwas Gutes tun. Celina Nitsch hat es getan, Robin Stienke auch. „Für mich war es die beste Entscheidung“, sagt die 19-jährige Celina, wenn sie zurückblickt. „Ich wollte was anderes erleben und über mich hinausgehen“, ergänzt sie noch Monate später. Noch vor einem Jahr lernten sie und Robin nicht nur für ihr Abitur am Leoninum in Handrup. Gleichzeitig packten sie Koffer, machten Impfungen und buchten Flüge. „Nach dem Abitur hatte ich Lust auf Ausland und ein soziales Projekt“, sagt der 19-jährige Robin.

 

„MyMission“ nennt sich ein Programm der Herz-Jesu-Priester, über das junge Menschen für mehrere Wochen oder Monate in ein fremdes Land gehen. Vor Ort wohnen sie mit Herz-Jesu-Priestern zusammen und engagieren sich in dehonianischen Projekten. Robin half im August 2017 zwei Wochen in einem Kinder-Hilfsprojekt der Ordensgemeinschaft in Albanien aus, während es Celina bis nach Mosambik zog. Dort arbeitete sie vier Wochen in einem Kinderzentrum mit, wo sie bis zu rund 200 Heranwachsende, darunter meist bedürftige Kinder, aus den umliegenden Dörfern betreute. „Gartenarbeit, Malerei und Gruppenspiele. Es ging darum, die Kinder zu beschäftigen, damit sie nicht auf die schiefe Bahn geraten“, sagt Celina. An den Wochenenden fuhr sie mit den anderen Freiwilligen und den vor Ort arbeitenden Ordensmännern zu Gemeinden oder Missionspunkten im Land, wo Gottesdienste oder Hochzeiten gefeiert wurden. „Ich war begeistert, alle waren so offen und hatten keine Vorurteile.“ Ähnliche Erfahrungen machte auch Robin, im tausende Kilometer entfernten Albanien. „Nicht nur nehmen ist schön, auch geben“, ist seine Beobachtung, die er bei der Arbeit in dem Kinder- und Jugendcamp vor Ort gemacht hat. „Ich habe festgestellt, dass wir den Menschen vor Ort Freude bringen, allein dadurch, dass wir da sind.“

Pater Ricardo Leandro Diniz SCJ, der das Projekt für die deutsche Provinz mitbetreut, pflichtet bei. „Seit einigen Jahren beteiligen sich italienische, spanische, portugiesische und polnische Provinzen an dem dehonianischen Austausch mit Afrika oder Albanien“, sagt der Ordensmann. „Mit Celina und Robin sind 2017 erstmalig auch deutsche Schüler mit dem ‚MyMission‘-Programm ins Ausland gereist. Wir wollen, dass die Jugendlichen mit uns Herz-Jesu-Priestern die dehonianische Gemeinschaft erleben.“ Als Schulseelsorger des Leoninums ist er Ansprechpartner der Handruper Schüler, wenn sie ein „MyMissioner“ werden wollen, und freut sich, dass 2018 gleich acht Schülerinnen bei dehonianischen Projekten im Ausland mitarbeiten wollen. Nur volljährige Jugendliche kommen für den Austausch in Frage, da etwa mit Mosambik auch krisengebeutelte Länder auf dem Reiseplan stehen. Und so nehmen bislang nur die zwölften Klassen des Leoninums teil. „Wenn sie die ganze Vorbereitung auch neben dem Abitur auf sich nehmen, dann zeigt das den starkenWillen der Jugendlichen“, meint Pater Diniz.

In der Tat berichten Robin und Celina von einer Herausforderung, sich zeitgleich auf das Abitur und den Austausch vorzubereiten. „Das ist aber zu meistern“, sagt Celina. Im letzten Jahr etwa musste sie eine Abiklausur am Vormittag schreiben, nachmittags saß sie schon im Flugzeug zum Vortreffen in Valencia. Denn zwei internationale Seminare sind vorgesehen, bevor die jungen Menschen ihre „Kurzzeit-Mission“ antreten. Der Name „MyMission“ („meine Mission“) leitet sich nicht nur von der meist karitativen Tätigkeit der Teilnehmer ab. Er bezieht sich auch auf die spirituelle Dimension des Austausches. „Die tägliche Messe, das Zusammenleben mit Herz-Jesu-Priestern vor Ort und der Umgang mit den Menschen, das ist eine spirituelle Erfahrung“, ist sich Pater Diniz sicher. Denn „MyMission“ ist kein Tourismus in die Armut, sondern soll eine Erfahrung für beide Seiten werden. „Geht zu den Menschen“ war die Losung von Ordengründer Leo Dehon, und so ist auch das Programm zu verstehen.

„Es geht nicht nur darum, die Welt kennenzulernen, sondern die Dehonianer“, bestätigt auch Franz-Josef Hanneken, Schulleiter des Leoninums. „Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Welt von morgen aus dem christlichen Blick gestalten lässt.“ Begeistert ist der Schulleiter von der Energie der Schüler. Celina und Robin erzählen, dass sie nicht nur viele „social skills“ mitgebracht haben, sondern auch viel Dankbarkeit erfuhren. Celina etwa brachte einen Koffer voller Spenden des Schülerrates mit, darunter 100 T-Shirts. „Ich habe mich weiter entwickelt und entdeckt, dass ich Menschen helfen möchte.“ Das setzt sie in die Tat um: Derzeit absolviert sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Wohngruppe der Jugendhilfe, danach will sie soziale Arbeit studieren.

Auch Robin stellte bei seinem intensiven Aufenthalt in Albanien fest, dass er eng mit Menschen arbeiten will. Jetzt macht er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Da er mit Celina der erste Handruper „MyMission“- Teilnehmer war, berichten sie den jetzigen „Zwölfern“ im Leoninum oft gemeinsam von ihren guten Erfahrungen. „Das lohnt sich“, sagt der heute 19-Jährige auch im Hinblick auf die Kosten. Die Kosten aller Flüge müssen sie selbst tragen, „MyMission“ kümmert sich um Verpflegung und Programm. „Die neuen Erfahrungen kann man nicht wegnehmen. Menschlich wächst man dadurch.“

Markus Nowak / Dieser Text erschien in unserem Ordensmagazin "Dein Reich komme"

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