„Ich erkläre feierlich…“ – Zwei brasilianische Patres nun in Deutschland eingebürgert

Pater Márcio Auth SCJ, Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Handrup und Pater Ricardo Diniz SCJ aus derselben Ordensniederlassung besitzen seit kurzem die deutsche Staatsangehörigkeit. Sie haben zuvor einen Einbürgerungstest bestanden und sich diese Entscheidung gut überlegt. Beide erzählen, welche Gründe sie hierfür hatten.

Die beiden Patres mit einer Deutschlandfahne.

Drei Wochen lang hat Pater Márcio Auth gelernt, dann hat er den Einbürgerungstest in Niedersachsen bestanden. Alle 33 Fragen waren richtig beantwortet. Dabei seien die Fragen ganz unterschiedlich gewesen, von der Geschichte Deutschlands über Politik bis hin zum Brauchtum, sagt Pater Auth. „Ich muss zugeben, dass mir die Fragen zur Geschichte des Landes viel leichter gefallen sind, als die zur Politik. Über die deutsche Geschichte habe ich bereits in der Schule etwas gelernt, aber das politische System in Deutschland unterscheidet sich schon sehr von dem in Brasilien und es war nicht ganz einfach.“

Pater Ricardo Diniz erging es ähnlich. Er ist inzwischen seit sieben Jahren in Deutschland und tat sich mit den Fragen zur Politik nicht sehr leicht. „Ein bisschen überrascht hat mich die Frage, was in Deutschland Brauch zu Weihnachten sei. Die möglichen Antworten waren: Bunte Eier verstecken, einen Tannenbaum schmücken, sich mit Masken und Kostümen zu verkleiden oder Kürbisse vor die Türe stellen“, schmunzelt Pater Auth. Da musste der Herz-Jesu-Priester nicht lange nachdenken. „Man kann die Prüfung bestehen“, erklärt Pater Diniz, „alle Fragen sind online verfügbar, man kann sich gut vorbereiten, indem man sich hinsetzt und lernt“. Voraussetzung für den Einbürgerungstest seien jedoch auch deutsche Sprachkenntnisse auf C1-Niveau. „Das ist nicht nur für die Einbürgerung erforderlich, sondern auch notwendig, um die Testfragen zu verstehen“, erklärt Pater Diniz.

Zugleich Brasilianer und Deutscher

„Ich hatte schon lange Interesse an der deutschen Staatsangehörigkeit“, gesteht Pater Auth, der in Brasilien geboren wurde. „Das liegt unter anderem daran, dass ich deutsche Vorfahren habe. Zwar liegen bis zu mir fünf Generationen dazwischen, aber ich selbst lebe nun schon seit 13 Jahren in Deutschland und es ist für mich zur zweiten Heimat geworden“, fügt der Ordensmann hinzu. Es gibt aber auch andere Gründe, die die beiden Brasilianer dazu bewogen haben, die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen und anzunehmen. Immer wieder mussten sie die Aufenthaltsgenehmigung verlängern. „Ich muss nun nicht mehr alle zwei Jahre ein neues Visum beantragen“, freut sich Pater Auth. Auch Pater Diniz ist darüber sehr erleichtert: „Aus irgendwelchen Gründen war es bei mir immer schwierig, das Visum zu verlängern. Im Jahr 2012 musste ich beispielsweise innerhalb von drei Wochen zurück nach Brasilien fliegen und dort hat es dann neun Wochen gedauert, bis ich ein neues Visum erhielt. Man hat mir daraufhin empfohlen, mich um die deutsche Staatsangehörigkeit zu bemühen“, berichtet er.

„Wir Brasilianer dürfen unsere eigene Staatsangehörigkeit behalten – sonst hätten wir diesen Schritt nicht getan“, darüber sind sich die beiden Dehonianer einig. Nachdem der Lebenslauf, ein aktuelles Foto, die Geburtsurkunde, der Nachweis über die Sprachkenntnisse und über das Einkommen eingereicht sind und der Einbürgerungstest bestanden ist, erhält man die Einbürgerungsurkunde – nicht, ohne vorher ein feierliches Bekenntnis abzugeben:
„Ich erkläre feierlich, dass ich das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland achten und alles unterlassen werde, was ihr schaden könnte.“ Pater Auth durfte im September zum ersten Mal an der Bundestagswahl teilnehmen und hat auch an der Landtagswahl in Niedersachsen seine Stimme abgegeben. Pater Diniz durfte bei der Landtagswahl in Niedersachsen zum allerersten Mal wählen.
Text: Regina Maria Schwarz

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