„Hunger nach Freiheit“: Pater Heiner Wilmer legt neues Buch über Mose vor

„Mit seiner Zerrissenheit, seiner Suche und seinen Abgründen verkörpert Mose den modernen Menschen wie kaum eine andere Gestalt der Bibel“, so lautet eine Schlüsselpassage des neuen Buches von Pater Heiner Wilmer SCJ. Unter dem Titel „Hunger nach Freiheit. Mose – Wüstenlektionen zum Aufbrechen“ nähert sich der Generalobere der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) den vielen Facetten des Propheten. Im Interview erzählt der gebürtige Emsländer, wie das Buch entstanden ist.

 

 

Buchcover

Über Mose gibt es schon viele Bücher. Warum haben Sie jetzt auch noch eines geschrieben?

Pater Wilmer: Es gibt in Deutschland viele Fachbücher, aber ich wollte ein fundiert und zugleich leicht verständliches Buch schreiben, das zeigt, was uns Mose heute sagen kann.  Mose macht es den Menschen nicht leicht. Er fasziniert viele mit seiner Zerrissenheit, seinen Abgründen, aber auch mit seiner Hingabe und Loyalität. Zudem ist es doch bemerkenswert, dass die Exodus-Geschichte mit Mose nie in der Osterliturgie fehlen darf. Ich habe mich immer gefragt, wie dieser Totschläger so wichtig für Juden und Christen sein kann, und wollte immer Antworten suchen.

Wie ist das Buch konkret entstanden?

Pater Wilmer: Auf Anregung von Simon Biallowons, den viele Leser von unserer Ordenszeitschrift „Dein Reich komme“ kennen, kam mir im Januar 2017 die Idee zu diesem Buch. Eine Woche später war ich für über drei Monate in Afrika. In dieser Zeit habe ich mehr als 2000 Seiten über Mose gelesen. Richtig entdeckt habe ich viele seiner Facetten erst durch Afrika und seine Menschen. Als ich zurück war, ist das Buch in vielen Gesprächen mit Simon Biallowons entstanden.

Für wen ist Ihr Buch gedacht?

Pater Wilmer: Ich habe es geschrieben für Menschen, die nach mehr Tiefe in ihrem Leben suchen. Für Menschen, denen Glauben nicht immer leicht fällt, die zweifeln oder manchmal sogar verzweifeln. Mit eigenen persönlichen Geschichten schreibe ich auch für Menschen, die sich fragen, wie Glauben heute und morgen konkret geht.

An Ostern geht es um den Exodus, wie Mose das Volk Israel aus der Knechtschaft in die Freiheit geführt hat. Was hat das heute noch für eine Bedeutung?

Pater Wilmer: Das Buch heißt „Hunger nach Freiheit“. Mose musste den Hunger nach Freiheit in seinem Volk erst wecken. Auch wir betäuben unseren spirituellen Hunger oft mit spirituellem Fastfood. Wir wissen oft gar nicht, dass wir hungrig sind. Moses Wüstenlektionen helfen uns diesen Hunger wieder zu entdecken – und aufzubrechen. Aufzubrechen in eine neue Freiheit und zu einem erfüllteren Leben.

Sie schreiben zum Schluss Ihres Buches: „Das eigentliche Fundament unserer Gesellschaft liegt nicht in Athen, sondern am Horeb.“ Was heißt das?

Pater Wilmer: Das Abendland ist stärker von der mosaischen und jüdisch-christlichen Tradition geprägt als von der griechisch-römischen. Die Zehn Gebote sind für unser Zusammenleben grundlegender als die Nikomachische Ethik. Wenn das Abendland seinen jüdisch-christlichen Glauben verliert, verliert es seine Zukunft.

Die Fragen stellte Markus Nowak

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