Frischer Wind in Martental - Im traditionellen Wallfahrtsort tut sich etwas

Wer auf der Eifelautobahn A 48 die Ausfahrt Laubach oder Kaisersesch nimmt, dann auf der Landesstraße 100 einige Kilometer südlich fährt und schließlich an einer Abzweigung die serpentinenreiche Kreisstraße 15 nimmt, kommt an einen besonderen Ort: Nicht nur die Idylle zeichnet ihn aus, sondern was hier geschehen ist und geschieht: Maria Martental schaut auf eine über 900-jährige Gebetstradition zurück, darunter auch 90 Jahre Präsenz der Herz-Jesu-Priester. Und in diesem Jahr hat sich an diesem wichtigen Wallfahrtsort in der Eifel einiges gewandelt.

Der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters sprach in der umgestaltenen Scheune zu Dutzenden Besuchern. (c) Pater Pohl

Von einem „frischen Wind“ spricht Pater Andreas Pohl SCJ und meint auch die neuen Bewohner im Kloster:„Zwei junge Patres aus dem Ausland leben und unterstützen uns hier.“ Pater Lenin James SCJ aus Indien und Pater Jairson Hellmann SCJ aus Brasilien haben sofort pastorale Aufgaben in der Gemeinde übernommen – und sich auch schon gut eingelebt, so Pater Andreas Pohl. Es gibt aber noch weitere Veränderungen in Martental: Zur Aufgabe der Ordensmänner gehörte schon immer die Betreuung von Pilgern. Schon in ersten urkundlichen Erwähnungen 1134 wurden Brüder genannt, die zur Augustiner Chorherrenabtei Springiersbach gehörten.

Pilgerheim nun in professionellen Händen

Nach vielen Wechseln und sogar der Enteignung des Klosterbesitzes 1802 übernahmen die Herz-Jesu-Priester 1927 das Kloster und belebten ab 1934 die Wallfahrten wieder. Sie richteten dabei eine Pilgergaststätte ein, im Volksmund „Pilgerheim“ genannt. Nach Gottesdiensten oder Andachten können sich die Betenden dort stärken und ins Gespräch kommen. Der Betrieb des Pilgerheims verlangte den Mitbrüdern, zusätzlich zu ihren Aufgaben als Priester und Seelsorger,  nicht wenig ab: Planung und Buchung von Pilgergruppen, Einkäufe, und wenn eine der beiden Köchinnen mal krank wurde, mussten die Patres selbst anpacken, erinnert sich Pater Pohl. „Es kostete uns viel Kraft“, sagt der Ordensmann und freut sich deshalb, dass jetzt ein neuer Betreiber das Pilgerheim fortführt: Seit dem Frühjahr ist die Betriebsträgerschaft in die „professionellen Hände“ der „St. Martin Gastronomie“ Ulmen übergegangen.

Das Team der „Martentaler Gastronomie“, wie sich das Pilgerheim inzwischen offiziell nennt, bietet ein ansprechendes gastronomisches Angebot für Einzelgäste und Gruppen. Dafür wurde die Einrichtung im Winter saniert und wartet nun mit freundlichen Holztönen auf. Das Essen wird an einem Büfett serviert, und auch vegetarische Speisen werden angeboten. „Die Mahlzeiten sind lecker und nahrhaft. Alle, die im neuen Pilgerheim gegessen haben, loben sie“, erzählt Pater Pohl. Und gekommen sind in diesem Sommer sehr, sehr viele Pilger, berichtet der Ordensmann. So parkten fast 300 Motorräder vor der Wallfahrtskirche, weil etwa so viele Bundeswehrangehörige aus dem Rheinland zu einer Motorrad-Soldatenwallfahrt kamen. Im Juli standen gar gleich acht Reisebusse auf dem Kirchenparkplatz, die 400 Pilger nach Martental brachten. Und im Juni gab es mit einem Fest eine Premiere, die Pater Pohl ganz besonders gut gefallen hat: Da kamen 300 Menschen zum „Glaubensfestival“, den der region ale Gebetskreis „Mittendrin“ Auderath organisiert hatte.

Wallfahrten und ein Glaubensfestival mit sehr vielen Besuchern

Gebete, Vorträge, Gottesdienste und Austausch standen vier Tage auf dem Programm, das der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters eröffnet hatte. Die Patres fuhren die großen Trecker aus der Scheune, damit das Fest ival einen überdachten Ort hatte, und nahmen fast zwei Dutzend Teilnehmer im Kloster als Gäste auf, während andere in den umliegenden Pensionen und Hotels übernachteten. „Die Menschen nahmen eine positive Glaubenserfahrung mit nach Hause“, ist sich Pater Pohl sicher. „Alle waren sehr begeistert.“

Auch ihm als Ordensmensch habe die Glaubensbegegnung viel für den Alltag mitgegeben.  „Wer in Martental einkehrt, bekommt etwas für Leib und Seele angeboten“, sagte Pater Konrad Flatau SCJ, Rektor des Martentaler Herz-Jesu Klosters während des Eröffnungsgottesdienstes der „Martentaler Gastronomie“. Er sollte damit Recht behalten, denn mit dem neuen Betreiber ist die kleine Gaststätte zu einem Einkehrort für Pilger geworden.  „Attraktionen“ für die Seele sind dabei nicht nur die Pilgerkirche mit der Schmerzhaften Mutter, sondern auch die künftig immer wieder stattfindenden Glaubensfestivals, aber auch die traditionellen Wallfahrten.

Text: Markus Nowak

Der Text erschien in der aktuellen Ausgabe des Ordensmagazins „Dein Reich komme“

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