„Der Tod hat nicht das letzte Wort“ - Herz-Jesu-Priester feiern Allerheiligen und Allerseelen

Der 1. November ist traditionell der Tag, an dem die Gräber der verstorbenen Angehörigen besucht werden. Die Kirche feiert an diesem Tag Allerheiligen, sie gedenkt der Vielzahl der Menschen, die ein heiligmäßiges Leben geführt haben, ohne dass für sie ein Heiligsprechungsprozess eröffnet wurde. An Allerseelen gedenkt die Kirche allen Verstorbenen. Auch die Herz-Jesu-Priester begehen diese Tage in ihren Häusern.

Der Friedhof des Herz-Jesu-Klosters in Handrup und das Grab von Pater Heinrich Middendorf SCJ, der mehrere jüdische Menschen vor dem Nationalsozialismus gerettet hat. (c) Nowak
"Allerheiligen führt uns das Ziel unseres Lebens vor Augen"

In Berlin ist Allerheiligen kein gesetzlicher Feiertag sondern ein Arbeitstag wie jeder andere auch. „Deshalb feiern wir Allerheiligen mit der portugiesischen Gemeinde am Sonntag mit einer Heiligen Messe“, erklärt Pater Tarcisio Feldhaus SCJ. Dort gibt es die schöne Tradition, dass die Gläubigen an diesem Tag Bilder oder Statuen der Heiligen mit in den Gottesdienst bringen, die dann gesegnet werden. „Die Heiligen sind uns ein Vorbild. Die meisten Gläubigen bringen Bilder jener Heiligen mit, mit denen sie sich besonders verbunden fühlen oder deren Leben ihnen ein besonderer Ansporn ist“, sagt Pater Feldhaus. An Allerseelen besuchen die Herz-Jesu-Priester in Berlin den Friedhof und gedenken der Verstorbenen mit einer Andacht und Gräbersegnung. „Wir sind nur für eine bestimmte Zeit auf Erden, unsere ewige Wohnung ist nicht hier, sondern in der Ewigkeit bei Gott“, fügt der Ordensmann hinzu.  

Beispiele gelebter Heiligkeit für Schülerinnen und Schüler

Auch in Handrup ist Allerheiligen kein gesetzlicher Feiertag, für die Schülerinnen und Schüler des Leoninums haben am 1. November Unterricht. Allerdings gibt es klassenweise einen Gottesdienst, am Allerheiligentag ab der dritten Unterrichtsstunde für die Jahrgänge fünf und sechs, ab der fünften Stunde für die Jahrgänge sieben und acht. Am Allerseelentag feiern die anderen Jahrgänge in gleicher Weise aufgeteilt ihren Gottesdienst. Nach der Eucharistiefeier besuchen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem Lehrpersonal den Friedhof, beten dort und entzünden eine Kerze. „Wir haben uns in diesem Jahr entschieden, nicht in der großen Schulgemeinschaft zu feiern, denn das sind knapp 1500 Personen, wir wollten es dieses Jahr lieber aufteilen“, sagt Pater Ricardo Diniz SCJ. Im Rahmen dieses Gottesdienstes hören die Kinder und Jugendlichen alltägliche Beispiele gelebter Heiligkeit. „Zum Beispiel das einer Mutter aus Brasilien, deren Mann schon lange verstorben ist und die trotz schwerer Krankheit hart arbeitet, um ihre Kinder zu ernähren“, erklärt der Herz-Jesu-Priester. „Heiligkeit spielt bei Kindern und Jugendlichen keine so große Rolle mehr, sie ist ihnen fremd und unverständlich. Durch diese Beispiele sollen die Kinder verstehen, wie Heiligkeit aussehen kann“, fügt er hinzu. Der Allerseelentag, an dem der Verstorbenen gedacht wird, sei den Jugendlichen näher, denn viele denken an diesem Tag an einen lieben Menschen, der schon verstorben ist. „Allerheiligen zeigt uns, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Wir dürfen auf die Auferstehung hoffen“, ist Pater Diniz überzeugt.

„Sie haben ihr Ziel erreicht“

Im Kloster Maria Martental werden bereits am Vortag von Allerheiligen die Gräber geschmückt, am Allerheiligentag selbst findet um 10 Uhr ein Gottesdienst statt und anschließend besuchen die Herz-Jesu-Priester den Friedhof. „Dort beten wir für die verstorbenen Mitbrüder und segnen die Gräber“, berichtet Pater Roman Gorincioi SCJ. Allerdings werde nicht nur an diesem Tag für die Verstorbenen gebetet, sondern täglich. „Für mich ist Allerheiligen ein Tag großer Hoffnung, denn die verstorbenen Herz-Jesu-Priester haben so gelebt, wie es das Evangelium in den Seligpreisungen sagt. Ich bin überzeugt davon, dass sie ihr Ziel, das Ewige Leben, erreicht haben und das ist auch unsere Perspektive“, sagt Pater Gorincioi SCJ.

„Das irdische Leben ist nicht alles“

 Auch in Freiburg feiern die Herz-Jesu-Priester einen Gottesdienst zu Allerheiligen und besuchen die Gräber, beten dort und segnen sie. „Pater Hoch SCJ hat uns gebeten, dieses Jahr etwas Besonderes zu tun. Jeder soll ein Gebet oder eine Fürbitte für die verstorbenen Familienmitglieder und Angehörigen in der eigenen Sprache vorbereiten“, sagt Frater Boris Igor Signe SCJ. Er kommt aus Kamerun, dort ist es Tradition „dass an Allerseelen die Familien Bilder ihrer Verstorbenen mit in den Gottesdienst bringen. Diese werden vor den Altar gestellt und während der Eucharistiefeier besonders ins Gebet eingeschlossen. In Kamerun ist Allerheiligen und Allerseelen weniger kulturell geprägt, sondern vor allem bedeutend für die Christen“, erklärt der junge Ordensmann. „Allerheiligen zeigt, dass das irdische Leben nicht alles ist. Seit Christus für uns gestorben und auferstanden ist, dürfen wir den Blick zum Himmel richten“, ist Frater Signe überzeugt. In Freiburg klingt der Abend des Hochfestes mit einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant aus.

Gebet und Gedenken nicht nur an Allerheiligen

Auch im Dehonhaus in Oberhausen wird Allerheiligen gefeiert und der verstorbenen Mitbrüder gedacht. Das Gedenken und das Gebet für die im Tod vorausgegangenen Mitbrüder sei bei den Dehonianern jedoch nicht nur  Anliegen dieses einen Tages im Jahr. Pater Gerd Hemken, Rektor des Herz-Jesu-Klosters Neustadt, erklärt: „Wir führen ein sogenanntes Totenbuch, in dem über jeden verstorbenen Herz-Jesu-Priester eine Seite mit Foto und Lebenslauf zu finden ist, so dass keiner in Vergessenheit gerät. Und wir beten jeden Tag für die verstorbenen Mitbrüder. Dieses Nekrologium wird in jedem Haus etwas anders gehandhabt. Hier in Neustadt beten wir täglich nach dem Mittagessen für die verstorbenen Dehonianer des folgenden Tages“, erklärt er. Das Gebet für die Verstorbenen ist den Herz-Jesu-Priestern ein wichtiges Anliegen. So könne jeder, das das wünscht,  eine Hl. Messe für die eigenen Angehörigen lesen lassen oder dem Messbund beitreten. „Wir beten jeden Tag in einer Eucharistiefeier für die Mitglieder des Messbundes. Es ist ein Angebot für jene, die sich sorgen, dass nach ihrem Tod keiner mehr für sie betet“, erklärt Pater Hemken. Am Allerheiligentag selbst feiern die Herz-Jesu-Priester in Neustadt wie die Mitbrüder in den anderen Niederlassungen die Eucharistie und besuchen anschließend den Friedhof zum Gebet und zur Gräbersegnung.

 

Text: Regina Schwarz

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