„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ – 40 Tage Fasten und Gebet mit den Herz-Jesu-Priestern

Am Aschermittwoch hat die österliche Bußzeit begonnen. Die Fastenzeit. Christen aus aller Welt bereiten sich in dieser besonderen Zeit auf die Feier von Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi vor. Durch Gebet, Werke der Nächstenliebe und Verzicht bemühen sich Gläubige darum, ihre Beziehung zu Gott zu erneuern und ihren Glauben zu vertiefen. Die Herz-Jesu-Priester verraten, wie sie die Fastenzeit in ihren Häusern gestalten.

 

 

Verzicht und Gebet in der Fastezeit. (c)Fotolia/J.Mühlbauer exclus.
Ökumenische Angebote für jede Generation

„Wir haben die Fastenzeit mit dem Aschermittwoch begonnen, der ja gleichzeitig auch Valentinstag war und der Geburtstag eines unserer Mitbrüder im Haus“, erzählt Pater Olaf Hamelijnck SCJ aus Oberhausen. „Im ökumenischen Kirchenzentrum am Centro Oberhausen, in dem ich tätig bin, gibt es während der Fastenzeit eine Ausstellung zum Thema ‚Unterwegs sein‘, außerdem bieten wir dort täglich um 17 Uhr eine sogenannte Atempause an, eine kurze Andacht mit einem kleinen Impuls“, sagt der Ordensmann.

Auch die Kinder kämen im ökumenischen Kirchenzentrum auf ihre Kosten, denn immer Freitagnachmittag können sie kreativ tätig werden und gemeinsam mit Eltern, Geschwistern und Großeltern beim Familienbasteln kleine Kunstwerke entstehen lassen und so den Osterschmuck einfach selbst herstellen. „An Karfreitag laden wir am Nachmittag zu Kaffee und einem Impuls ein und zu Ostern feiern wir am Nachmittag im Kirchenzentrum gemeinsam mit den verschiedenen christlichen Kirchen in Oberhausen“, freut sich Pater Hamelijnck.

Beten und Büffeln

Auch am Leoninum, dem Gymnasium der Herz-Jesu-Priester in Handrup, wurde mit dem Aschermittwochsgottesdienst die Fastenzeit eingeleitet. „Die letzten Jahre gab es diesen Gottesdienst immer jahrgangsweise, dieses Jahr haben wir den Gottesdienst mit der gesamten Schulgemeinschaft in der großen Turnhalle gefeiert“, erzählt Pater Márcio Auth SCJ, Rektor in Handrup. Neben dem ganz normalen Schulbetrieb, auf den in der Fastenzeit nicht verzichtet werden könne, gibt es freitags die sogenannte Oase, also eine morgendliche Andacht im Meditationsraum der Schule. „Die Oase findet klassenweise statt, wobei jede Klasse eine 15-minütige Andacht mit Musik, Texten und Stille hat. Abgeschlossen wird sie mit einem Segen“, erklärt der Ordensmann.

Montag und Mittwoch findet zudem eine kurze Meditation in der ersten großen Pause statt. In der Fastenzeit gehe es um eine Vertiefung des eigenen Glaubens, sagt Pater Auth. „Es ist auch eine Zeit der Umkehr. Eine Zeit, sich zu prüfen und das vor den Herrn zu tragen, was nicht optimal gelaufen ist.“ Die Schulgemeinschaft feiert passend dazu am 16. März einen mit der Möglichkeit das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

„Es geht nicht um die Figur“

Auch die Herz-Jesu-Priester in Freiburg bereiten sich durch ein intensives Gebetsleben auf Passion und Auferstehung vor. „Wir treffen uns täglich zum Mittagsgebet“, berichtet Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ, der Freiburger Rektor. Normalerweise sei diese Gebetszeit von Stille geprägt, doch während der österlichen Bußzeit leite ein anderer Mitbruder die Gebetseinheit und gibt einen kurzen Impuls. „Wir betrachten auch das Leiden Christi, indem wir immer freitags den Kreuzweg beten“, ergänzt er.

Beim Fasten gehe es nicht um die Figur, betont der Herz-Jesu-Priester, sondern vielmehr darum, sich von den eigenen Anhänglichkeiten zu lösen und sich zu fragen: „Wofür will ich mir in der Fastenzeit mehr Zeit nehmen? Das können ganz unterschiedliche Dinge sein, beispielsweise das Gebet, aber auch Gespräche oder das Bemühen um mehr Achtsamkeit gegenüber den Mitmenschen“, ist Pater Ferreira überzeugt. „Ich sehe mir auch gerne die Fastenvorsätze aus dem Vorjahr an und knüpfe an die Dinge an, die mir nicht so gut gelungen sind. Für mich ist die Fastenzeit eine geschenkte Zeit, die ich nutzen möchte, um meine Beziehung zu Gott zu vertiefen“, sagt der Ordensmann.

Verzicht auf Nachtisch

„Wir in Berlin verzichten während der Fastenzeit auf Nachtisch und Kuchen“, verrät Pater Markus Mönch SCJ. Daneben sei es den Berliner Ordensmännern ebenso wichtig, sich im Gebet auf Ostern vorzubereiten. „Wir bieten jede Woche donnerstags einen Bibelkurs zum Hohen Lied an“, erzählt der Herz-Jesu-Priester. Auch gebe es regelmäßige Kreuzwegsandachten und für die Schüler des Edith-Stein-Schulzentrums im Hof gebe es zudem Morgenandachten. „In der Karwoche feiern wir gemeinsam mit unserem Bischof die Chrisammesse und am Gründonnerstag den Beginn der Passion mit dem Abendmahlsgottesdienst“, fügt Pater Mönch hinzu.

Realistische Ziele

„Ich bin überzeugt davon, dass es leichter ist, seine Vorsätze in der Fastenzeit zu erfüllen, wenn man sich realistische und auch motivierende Ziele setzt“, erklärt Pater Gerd Hemken SCJ, Rektor des Klosters in Neustadt. „Dabei hilft es, wenn man seinen Blick auf das richtet, was man erreichen möchte, nicht so sehr allein auf den Verzicht.“ Die Ordensgemeinschaft lädt während der Fastenzeit immer freitags zum gemeinsamen Kreuzweg um 15 Uhr ein. „Wir haben hier einen wunderschönen Kreuzweg, der einen kleinen Berg hochführt“, sagt der Ordensmann. Zudem biete Pater Vivell SCJ über die Kar- und Ostertage Exerzitien zum Thema ‚Der Tod hat nicht das letzte Wort – Ostern ist die Geburt des neuen Menschen‘ an.

Vielzahl an Gottesdiensten

Wer sich für die österliche Bußzeit vorgenommen hat, den eigenen Glauben zu vertiefen, für den könnte sich eine Wallfahrt nach Maria Martental anbieten. Dort finden eine Vielzahl an Gottesdiensten statt, aber auch Beichtgelegenheiten, Rosenkranzgebet, Kreuzwegandachten und eucharistische Anbetung findet man im Wallfahrtsprogramm.

Text: Regina Schwarz

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