Schon immer sind Klöster und Einsiedeleien Orte gewesen, an denen spirituell suchende Menschen hofften, auf gastfreundliche und glaubwürdige Männer oder Frauen zu treffen, die sich aufs Zuhören und auf die Gottsuche verstehen. Es ist erfreulich, wie viele Menschen den Schatz geistlicher Begleitung als wertvolle Vertiefung ihres eigenen Glaubensweges erfahren und so – mehr und mehr – ihrer Sehnsucht und der Schönheit der eigenen Berufung auf die Spur kommen.

Auch wir im Dehonhaus bieten an, sich regelmäßig in etwa monatlichen Gesprächen unentgeltlich begleiten zu lassen, aufmerksam zuzuhören und so den Weg des/der Begleiteten innerlich mitzugehen. Ob es um Fragen der Alltagsgestaltung, eine Entscheidungssituation, Zweifel, Dürrezeiten oder die Beziehung zu Gott geht: Das Gespräch kann alle Dimensionen des Lebens und damit alle Themen, die den begleiteten Menschen beschäftigen, umfassen. Er bestimmt, worüber er sprechen möchte. Der Begleiter bringt sich dabei auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen ein.
Da vieles Wesentliche im Leben nicht selbst gemacht, sondern nur geschenkt und empfangen werden kann, ist geistliche Begleitung darauf ausgerichtet, eine Offenheit für das Wirken Gottes zu unterstützen und die Bereitschaft zu stärken, für die konkreten Schritte im Leben persönliche Verantwortung zu übernehmen. Geistliche Begleitung geschieht im Vertrauen darauf, dass Gott alle Wege mitgeht. Sie baut auf die Verheißung Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Er will, dass alle „das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10).

Manchmal lässt sich in der geistlichen Begleitung eine Erfahrung machen, die an die Emmausjünger erinnert: „Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen“ (Lk 24,15). Die Jünger, die zunächst noch wie mit Blindheit geschlagen waren, erleben, dass ihnen die Augen aufgehen, als sie die Gegenwart Jesu spüren. „Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Lk 24,32). Noch in der Nacht wagen sie den Aufbruch.
Hier zeigt sich auch das Spezifische einer Begleitung die aus dehonianischer Ordensspiritualität heraus geschieht. In ihrem geistlichen Leben üben sich die Mitbrüder darin ein, auf die Stimme des „brennenden Herzens“ zu hören und ihr zu folgen. In ihrer Ordensregel heißt es: „Die geöffnete Seite und das durchbohrte Herz des Heilandes sind für Pater Dehon der sprechendste Ausdruck einer Liebe, deren wirkende Gegenwart er in seinem eigenen Leben erfährt.“ In dieser Haltung will geistliche Begleitung dazu beitragen, die lebendige Erfahrung machen und vertiefen zu können, von Jesus geliebt zu sein und mehr und mehr seine „wirkende Gegenwart“ zu spüren.

Was für den einzelnen der „sprechendste Ausdruck“ dieser Liebe ist, kann sehr verschieden sein. Aber es lohnt sich, ihn zu entdecken und sich immer wieder dort zu verankern. Wer aus einer Spiritualität lebt, die bereit ist, „die geöffnete Seite und das durchbohrte Herz des Heilandes“ zu betrachten, wird auch Verwundungen im eigenen Leben und in dem der Mitmenschen anschauen können und häufig gerade darin das Einfallstor für Gottes heilendes Wirken entdecken. So heißt es weiter in der Ordensregel: „Aus dem Herzen Jesu, am Kreuz geöffnet, wird der Mensch mit dem neuen Herzen geboren, belebt vom Heiligen Geist und verbunden mit seinen Brüdern und Schwestern in der Gemeinschaft der Liebe“.

Auf dieser Grundlage bieten wir Dehonianer unseren Dienst zur geistlichen Begleitung an und möchten den begleiteten Menschen unterstützen, sein Leben im Vertrauen auf diese Wirklichkeit zu gestalten.

Olav Hamelijnck  SCJ

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