Jesus Christus, Freund und Bruder

„Was von Jesus Christus in den Evangelien mitgeteilt wird, sind im Kern Begegnungen“: Gedanken zur Jesus-Darstellung von Caravaggio aus dem Gemälde „Die Berufung des heiligen Matthäus“

Foto: Berufung des Hl. Matthäus, Michelangelo Merisi da Caravaggio, 1599/1600, San Luigi dei Francesi, Rom. (c) Wikipedia

Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm (Mt 9,9)

Als Jesus weiterging...

Im Vorübergehen

sah Jesus

und sagte...

Der berufende Jesus des Caravaggio hat wache Sinne: Die Haare sind zurückgestrichen und geben das Ohr frei. Augen, Mund und Nase können einen gut ansehen, riechen und ansprechen. Jesus wirkt stark und kühn und hat etwas Verwegenes – besonders wegen der Haare und der Bartform. Stirn und Augenpartie sind edel. Zugleich wirkt er sinnlich und zärtlich. Bei diesem Jesus wird verständlich, dass sogar Widerstandskämpfer gegen die Römer in seine Nachfolge wechselten (Zeloten, vgl. Lk 6,15). Ihm ist eine Tempelreinigung zuzutrauen, aber auch, dass er Kinder zärtlich in die Arme nimmt und segnet. Er ruft, und Matthäus steht auf und folgt ihm. Der Zöllner wird Apostel und Evangelist. Was von Jesus Christus in den Evangelien mitgeteilt wird, sind im Kern Begegnungen.

Jesus begegnet Petrus und Andreas, Johannes und Jakobus, er begegnet der Frau am Jakobsbrunnen, er begegnet Kranken und Sündern, den Abgesandten des Hohen Rates und den Pharisäern… Die Menschen, auf die Jesus zugeht und die sich ihm öffnen, gehen verwandelt aus diesen Zusammentreffen hervor. Zachäus bittet Jesus in sein Haus … Zachäus ist durch diese Begegnung verändert.“ (Peter Hünemann: Jesus Christus, Münster, 2. Auflage 1997) In der Begegnung mit seinen Jüngerinnen und Jüngem ist etwas Kostbares gewachsen, das Jesus im Johannesevangelium als „Freundschaft‘‘ bezeichnet: „Ihr seid meine Freunde“ (Joh 15,14). Dieses Wort Jesu gilt auch mir. Mit dem Wort „Freundschaft“ ist nach Peter Hünermann treffend „die geschichtliche Gestalt erlösten Lebens“ umschrieben.

Freundschaft ist vertrauter Umgang miteinander, der in gegenseitiger Liebe gründet: „Ich habe euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,15b). Was Jesus sagt, meint er wirklich: Er will mir Freund sein, und er will mich als Freund oder Freundin haben! Er schaut mich mit den Augen eines Freundes an, und er möchte, dass auch ich ihn als meinen Freund betrachte!

Text: Pater Gerhard Valerius SCJ

Dieser Text erschien auf der Seite des Dehonhauses in Oberhausen in der zweiten Ausgabe 2018 unseres Ordensmagazins „Dein Reich komme“.

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