Vertrauen spielt eine wichtige Rolle – Zum Silbernen Priesterjubiläum der Herz-Jesu-Priester Olav Hamelijnck, Gerd Hemken und Stefan Tertünte

„Gott macht meine Finsternis hell. Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ (Psalm 18). Das war der Primizspruch von Pater Gerd Hemken SCJ. Gemeinsam mit Pater Olav Hamelijnck SCJ und Pater Stefan Tertünte SCJ wurde er vor 25 Jahren, am 27.05.1995, von ihrem Mitbruder, dem damaligen Bischof von Helsinki, Paul Verschuren SCJ, in der Klosterkirche Osnabrück zum Priester geweiht.

„Dieser Spruch gibt mir heute die Gewissheit, dass Corona und Tod nicht das letzte Wort haben. Es gibt eine Zeit nach der Krise und es gibt ein Leben nach dem Tod“, so P. Hemken. In dieser Gewissheit hat er „sein Jubiläum“ auch gefeiert.

„Wir werden im Dehonhaus in Oberhausen wie immer mit unserer stillen Betrachtung in den Tag starten. Anschließend ist dann die normale Mittwochsmesse in der Gemeinde“, kündigte P. Hamelijnck im Vorfeld an. „Es freut mich, dass es da in der Tageslesung aus der Apostelgeschichte heißen wird: „Und jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat aufzubauen“.

Auch P. Hemken feierte im Kreis der Mitbrüder in Neustadt, mit der Heiligen Messe, einem Aperitif vor dem festlichem Mittagessen, Kaffee und Kuchen mit Freunden am Nachmittag und am Abend Grillen mit der Kommunität. „Die geplante Feier mit der Heimatgemeinde und der Familie wurde auf 2021 verschoben“, so P. Hemken.

„Die eigentliche Feier ist auf den Pfingstsonntag gelegt worden“, sagt auch P. Stefan Tertünte: „Dann werde ich den Festgottesdienst leiten und mich davon überraschen lassen, was sich die Kommunität an Überraschungen einfallen lässt.“ Am „echten“ Weihetag selbst hatte er eine Gottesdienstfeier mit Ordensfrauen. „Diese waren gut informiert, hatten die feinsten Altarutensilien aus dem Schrank geholt. Die Oberin hat eine kleine Ansprache gehalten, und nach der Messe standen alle Schwestern im Eingangsbereich Spalier um mir, ohne die Hand zu schütteln, zu gratulieren und ein Geschenk zu überreichen. Das war ein sehr schöner Auftakt. Am Centro Studi Dehoniani, wo ich arbeite, wurde ich am Nachmittag mit einer kleinen Torte und einem Tischfeuerwerk überrascht, auch ein sehr schöner Moment."

Zufriedenheit und Erinnerungen

Eine „tiefe Zufriedenheit“ mit den vergangenen 25 Jahren habe er verspürt: „Als Ordenspriester habe ich sehr, sehr unterschiedliche Einsatzbereiche erleben dürfen: Ob in der Gemeinde, in der Schulseelsorge, im Ökumenischen Kirchenzentrum oder jetzt im Generalat in Rom. Und immer konnte ich mich mit Leidenschaft und ganzem Herzen einbringen. Das ist auch nicht selbstverständlich.“

Auch bei P. Hemken kamen Erinnerung hoch an „wunderbare Tage der Weihe und Primiz“. „Gleichzeitig wird lebendig, was alles in den vergangenen 25 Jahre passiert ist“, sagt er und zählt auf: Kaplanszeit in Freiburg, die Zeit in Maria Martental: Berufungspastoral, Wallfahrtsseelsorge, Weltjugendtage. Provinzökonom in Bonn und Seelsorge am Bonner Münster. Umzug nach Neustadt: Arbeit in der Pfarrei Heilig Geist, jetzt Provinzökonom, Arbeit für die Pater Leo Dehon Stiftung, Rektor in Neustadt. Aber auch viele private Dinge werden wieder lebendig: „Der Tod der Eltern, viele neue Freundschaften, die Liebe zur Pfalz“, zählt er auf.

Das Leben als Christ und Ordensmann

„In meinem Leben stand nie das Priestersein im Vordergrund, sondern meine Berufung zum Ordensleben“, betont P. Tertünte und ist damit ganz einer Meinung mit seinen Ordensbrüdern. „Es gab Zeiten, da war das Priestersein wichtiger, z.B. als Kaplan in der Pfarrgemeinde oder als katholischer Vertreter in einem ökumenischen Projekt“, erzählt er. Geändert habe sich in den zurückliegenden 25 Jahre vieles.

„Vor allem innerkirchlicher Reformstau und die Missbrauchsskandale haben die Glaubwürdigkeit von Kirche und insbesondere des Priestertums sehr beschädigt. Das ist in Italien jedoch weniger zu spüren als in Deutschland. Wer als Priester heute mit Freude als "unnützer Knecht" (Lukas 17,10) leben kann, hat immer noch große Chancen, Menschen die Nähe Gottes zu vermitteln und sie in ihrem eigenen Glaubensweg zu bestärken.

P. Hamelijnck denkt daran, dass Bischof Verschuren den Dreien in der Weihepredigt das Wort P. Dehons ans Herz gelegt hat: Seid Propheten der Liebe und Diener der Versöhnung. – „Damals hatte ich so manche Ideen, was ich als Priester alles anders machen könnte“, erinnert er sich. „Jetzt spüre ich eine zunehmende Haltung, Dinge geschehen zu lassen, anstatt sie herbeizuführen, dabei zu sein statt vorneweg.

Mir geht es nicht so sehr ums „Priestersein“, als vielmehr um mein Leben und Wirken als Christ und Ordensmann. Es geht um das, was uns als Menschen verbindet, was uns zu Brüdern und Schwestern macht, um das Zusammensein mit spirituell Suchenden. Das ist, vermute ich zumindest, irgendwie auch typisch für die zweite Lebenshälfte: Es geht mehr besinnlich in die Tiefe, als aktiv in die Weite.“

Herausforderung Corona

Als aktuelle Herausforderungen benennen sie auf jeden Fall die Corona-Pandemie: „Für mich persönlich bleibt es herausfordernd, dass die berechtigte Sorge um gegenseitigen Schutz mich nicht lähmt, mich den Menschen zur Verfügung zu stellen, die mich jetzt brauchen können“, erklärt P. Hamelijnck, und fährt fort: „Schließlich lautet unser Weihespruch von Jacques Gaillot: Das größte Risiko im Leben ist, keines einzugehen“.

„Ein Freund hat mir vor Wochen angesichts Covid19 gesagt: Ich glaube, dass viele von denen, die jetzt nicht zur Kirche gehen dürfen, nachher gar nicht wieder zurückkommen", erzählt P. Tertünte. „Das ist die Herausforderung dieser Zeit“, ist er überzeugt.

Für den Rektor des Klosters Neustadt P. Hemken besteht die große Herausforderung darin, das Bildungs- und Gästehaus „wirtschaftlich am Leben zu erhalten“. Gleichzeitig:  neue Wege in der Seelsorge zu gehen. Denn: „Das Priesterbild hat sich in den letzten 25 Jahren stark verändert. Den klassischen „Pfarrer oder Pastor“ gibt es kaum noch. Der Alltag vieler Priester ist heute oftmals der Alltag eines Managers.

Als Ordensmann hatte ich nie die Vorstellung, eines Tages als Pfarrer mit den Aufgaben eines Pfarrers in der Gemeinde zu leben. Ich wollte Management und Seelsorge im Kloster miteinander verbinden. Die Hoffnung war eine gewisse Ausgewogenheit. Dass das Management heute oftmals die Überhand hat, finde ich schade.“

Kraft und Stärke erfahren

P. Hemken fährt fort: „Trotzdem ist es wunderbar, als Priester für vielen Menschen Vermittler, Begleiter und Seelsorger zu sein.“

Kraft und Stärke erhält P. Hamelijnck aus dem Aufblühen und Grünen der Natur und stille Gebetszeiten. Aber auch von „Menschen, die mir auch bei 1,50 Meter Abstand liebevoll begegnen.“

„Viele Menschen haben sich viele Gedanken in den letzten Monaten gemacht: über Beziehungen zu anderen Menschen, über Grenz- und Abstandserfahrungen, über Konsumnotwendigkeiten. Da steckt auch viel kreatives Potential zur Gestaltung der Zukunft drin. Das allein freut mich schon“, sagt auch P. Tertünte. „An Pfingsten feiern wir sozusagen die demokratische Variante der Auferstehung - alle dürfen teilhaben an einem neuen Leben, weil Christus allen gleich seinen Geist einhaucht. Das ist der eigentliche Grund für Kraft und Hoffnung!“

 

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