P. Dieter Hertrampf SCJ und P. Hans-Ulrich Vivell SCJ: Goldenes Priesterjubiläum

„Wir wollen nicht Herren über euren Glauben, sondern Mitarbeiter an eurer Freude sein“ (2 Kor, 1 – 24). Das ist der Weihespruch von P. Dieter Hertrampf SCJ und P. Hans-Ulrich Vivell SCJ. Am Sonntag, 22.03.2020, wollten sie ihr Goldenes Priesterjubiläum mit einem Gottesdienst feiern. Den mussten sie nun - wie alle anderen Gottesdienste auch - absagen. - Dankbar sind sie dennoch: Die beiden Herz-Jesu-Priester konnten ihren Berufswunsch leben.

Die beiden Herz-Jesu-Priester kennen sich schon seit vielen Jahren – seit ihrer gemeinsamen Schulzeit im Gymnasium Leoninum Handrup. P. Hertrampf war dort schon Schüler, als P. Vivell in der elften Klasse aus dem Schwarzwald dorthin kam: „In unserer Schule in Stegen konnte man damals nur bis zur Mittleren Reife bleiben“, erinnert er sich.

Auf das Abitur folgten das Noviziat in Maria Martental und danach das Theologie-Studium in Freiburg – damals noch an der eigenen Hochschule in der Okenstraße. Als diese aufgegeben wurde, weil nicht mehr genügend Dozenten zur Verfügung standen und die Zahl der Studenten zurück ging, studierten sie an der Freiburger Uni weiter.

Nach der Weihe absolvierte P. Vivell sein Pastoraljahr in Düsseldorf, danach war er drei Jahre als Kaplan in Krefeld. Er zog nach Handrup und hatte die Gelegenheit, für ein Jahr im Ludwig-Windhorst-Haus in Lingen zu hospitieren, „denn ich wusste, dass ich in der Erwachsenenbildung arbeiten möchte.“ Gleichwohl habe es sich ausgezahlt, dass der junge Priester zunächst in der Pfarrseelsorge war, „denn da habe ich alles kennengelernt, den Umgang mit jungen und alten Menschen, Unterricht in der Schule und Zusammenarbeit mit Vereinen. So konnte ich klar sagen, dass diese pastorale Tätigkeit für mich nicht in Frage kommt.“

P. Hertrampf kam direkt nach der Priesterweihe ins Gymnasium Stegen. Er bekam die Möglichkeit, weiterzustudieren: Mit den Fächern Geschichte und Pädagogik erwarb er das Staatsexamen, absolvierte sein Referendariat und konnte damit in Stegen Geschichte, Religion und Gemeinschaftskunde unterrichten: „Das habe ich sehr gerne gemacht“, erzählt er.

„In einer Kommunität lebt man nicht alleine“

Beide Herz-Jesu-Priester sind bereits in der Jugend in die Kirche „hineingewachsen“, als Messdiener, durch die Pfadfinderarbeit und auch durch Kapläne, die sie im Umgang mit Jugendlichen begeistert haben. „Und als klar war, dass ich Priester werden will, wusste ich auch, dass ich in einen Orden eintreten möchte, denn da ist immer eine Kommunität, da bin ich nicht alleine“, sagt P. Vivell. Natürlich, räumt er ein, gab es vor der Priesterweihe Zeiten des Fragens und Zweifelns, „aber irgendwann muss man in Freiheit eine Entscheidung treffen!“

P. Hertrampf erinnert sich an P. Rudi Turske SCJ, dessen Umgang mit Jugendlichen ihn bereits in Handrup begeistert, animiert und letztlich in seinem Entschluss bestärkt hat. „Außerdem“, sagt er, „hat es der Orden mir ermöglicht, weiter zu studieren.“

P. Vivell: Als Bildungsreferent „viel herumgefischt“

Da sich an P. Vivells Ziel, in der Erwachsenenbildung tätig zu sein, nichts geändert hatte, arbeitete und lebte er nach der Kaplanszeit ab 1976 als Bildungsreferent im Kloster Neustadt. Zweimal war er auch Rektor. Das Rüstzeug für die Erwachsenenbildung musste er sich weitgehend durch Hospitationen und Kurse selbst erarbeiten. Danach baute er die Angebote in Neustadt schrittweise auf. Waren bis dahin Schwerpunkte die Exerzitien- und Bibelarbeit, konnte P. Vivell jetzt „überall herumfischen“ und neue Veranstaltungsinhalte  und -formate entwickeln – aus den Bereichen Pastoral- und Moraltheologie, Ikonenmalerei, psychologische Seminare, Studienreisen,… - „Was es hier nicht schon alles gab“, erinnert er sich.

Inzwischen – mit fast 80 Jahren – ist P. Vivell noch immer nicht im Ruhestand. Veranstaltungen in den Bereichen Alte Kulturen und Bibelseminare verantwortet er weiterhin, in diesem Jahr begleitet er eine Studienreise ins Heilige Land, und seine Filmabende über seine Studienreisen bietet er weiterhin an. „Außerdem bin ich in der Seelsorge des Klosters eingespannt“, berichtet er weiter: Er hält Gottesdienste, hört die Beichte und leistet hin und wieder Aushilfe in einer Pfarrei.

P. Hertrampf: Mit Leib und Seele unterrichtet

Auch P. Hertrampf wird sich – nach überstandener Hüftoperation - künftig wieder stärker in den Diensten im Kloster einbringen. Bis 1996 unterrichtete er in Stegen und war dort auch als Schulseelsorger tätig: „Als ich damit in den späten 1970er Jahren begann, war das noch ganz neu. Einen Aufbaukurs dafür gab es damals nur in Münster“, erinnert er sich. Für einige Zeit hatte er neben dem Unterricht auch Aufgaben wie Personalrat oder Kontrolle der Finanzen, „aber am Ende wollte ich nur noch unterrichten.“ Da er „mit Leib und Seele unterrichtete“, war es schwer für den Herz-Jesu-Priester, als das Gymnasium in Stegen 1996 in die Trägerschaft des Erzbistums Freiburg überging.

Eine neue Aufgabe zu finden, war auch deshalb nicht einfach, „weil mir alles Andere völlig fremd war“. Das Kloster Neustadt kannte P. Hertrampf nur durch Schülerxerzitien von Stegen aus, als er 1996 hier Rektor wurde. Die Schreibtischarbeit und Verwaltung lagen ihm nicht, „und deshalb war ich froh, als ich in die Klinikseelsorge wechseln konnte“. Diese Aufgabe erfüllte er zuletzt, bis 2003, im Krankenhaus Hetzelstift in Neustadt. Seither ist er im Ruhestand.

Bedeutung der Herz-Jesu-Priester

Die Erwartung, in einer Kommunität nie ganz allein zu sein, hat sich für die beiden erfüllt. Die Neustadter Kommunität hat feste Gebetszeiten – morgens der Gottesdienst, vor dem Mittagessen ein gemeinsamer Impuls, die Abendandacht. „Das ist alles völlig freiwillig, nicht verordnet“, erzählen die beiden aus ihrem Alltag. Mittags versuchen die Mitbrüder gemeinsam zu essen, einmal im Monat treffen sie sich zu einem gemeinsamen Grill- oder Vesperabend, und im Erholungszimmer kommen sie auch zusammen. „Wir haben immer die Möglichkeit, in Kontakt zu sein“, freuen sie sich.

Natürlich diskutieren die Patres auch – unter anderem über die Verfasstheit der Kirche. Und dabei sind sie auch nicht immer einer Meinung. Aber über die Bedeutung der Herz-Jesu-Priester für die Kirche sind sich P. Hertrampf und P. Vivell einig: „Wir sind nicht in erster Linie berufen für die Pfarrseelsorge, aber wir können etwas leisten, was Gemeinden heute nicht mehr leisten: Wir sind geistliche Zentren, Ansprechpartner für die Menschen, bieten Orientierung und laden zu spirituellen Veranstaltungen und Seminaren ein.“

Herz-Jesu-Priester, sagen sie, haben sich nicht wie andere Orden spezialisiert, sondern„wir können uns überall engagieren. Und wir haben eigenständige Werke in Deutschland und weltweit, die ausstrahlen – unsere Klöster strahlen unsere Spiritualität aus!“

Info:

Wie alle anderen Gottesdienste auch, kann der Festgottesdienst zum Weihejubiläum nicht gefeiert werden. „Wir werden ihn unter uns in der Kommunität feiern“, sagt P. Vivell.

 

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