Herz-Jesu-Fest: Was feiern wir da eigentlich? - Bruder Josef Faath SCJ über das zentrale Fest der Herz-Jesu-Priester

Spricht man heute von Herz-Jesu-Verehrung, trifft man fast immer auf eine – meist kitschige – Darstellung von einem süßlich blicken den Jesus mit einem außerhalb des Körpers liegenden Kreislauforgan. Kein Wunder, dass diese Frömmigkeit schon oft totgesagt wurde. Doch worum geht es da wirklich?

Foto: Gute Verbindung zwischen Kloster und Bistum: Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, zelebriert in Neustadt den Hauptgottesdienst zum Herz-Jesu-Fest (c) scj-Archiv

Die Suche führt uns in eine weit entfernte Vergangenheit. Schon in den kanaanäischen Religionen wurden die Eingeweide Gottes angerufen. Wenn mein Gebet nicht erhört wurde, war dies die letzte Möglichkeit. Dem Appell an das Innerste konnte die Gottheit nicht widerstehen. Eine solche Vorstellung findet sich auch bei den alttestamentlichen Propheten – allerdings in abgewandelter Form. Das nach meiner Meinung schönste Beispiel steht beim Propheten Hosea: „Wie könnte ich dich preisgeben, Ephraim, wie dich ausliefern, Israel? … Gegen mich selbst wendet sich mein Herz, heftig entbrannt ist mein Mitleid.“ Das spricht Gott in einer Zeit, als Israel aufgrund seiner Sünden eigentlich den Tod verdient hätte. Der Text geht weiter mit: „Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns“. Diesen Abschnitt hören wir übrigens dieses Jahr in der Lesung am Herz-Jesu-Fest. Es geht darum, auch in hoffnungslosen Situationen die Hoffnung nicht zu verlieren.

Unser Vorbild ist Jesus, der selbst in der Katastrophe am Kreuz noch einen Retter gefunden hat. Deshalb wurde das Herz-Jesu-Fest auf einen Freitag gelegt. Wie Fronleichnam den Gedanken des Gründonnerstags erneut in den Mittelpunkt stellt, so will das Herz-Jesu-Fest das Kreuz vom Karfreitag wieder aufscheinen lassen. Es sagt uns: So weit zu gehen, für uns, ist Gott bereit. Alte Texte kennen dafür Begriffe wie Gnade und Barmherzigkeit. Ich sehe hier die Zusage: Egal, wie weit ein Mensch sich verfehlt hat, die Umkehr zu Gott ist immer möglich! Und eine weitere Zusage sehe ich: Wenn wir in Not zu Gott schreien, heißt das nicht immer, dass Gott uns aus der Not herausholt. Aber immer bedeutet es: Gott sitzt mit uns im Schlammassel – wir sind nicht allein gelassen! Genau diese Zusagen sind es, die wir an diesem Tag feiern. Unser Ordensgründer Pater Dehon hat in seiner Kaplanszeit die Not der Fabrikarbeiter gesehen und im Herzen Jesu eine Antwort darauf gefunden. Deshalb ist das Herz-Jesu-Fest – nach Weihnachten und Ostern – das für uns wichtigste Fest.

Warum aber kommt da zu immer ein Vertreter des Bistums Speyer zu uns? Dazu müssen wir auf die ersten Jahre unserer Anwesenheit in Neustadt zurückblicken. Als 1919 die Anfrage nach einer Klostergründung gestellt wurde, war der Bischof zunächst skeptisch. Was Ordensfrauen vor allem in den caritativen Diensten leisteten, war klar. Aber mit Ordensmännern wusste er nichts anzufangen. Es war der damalige Generalvikar, der ihn zu einer Zustimmung überredete. Als die Herz-Jesu-Priester dann kamen und ihre Arbeit Früchte brachte, war das der Beginn einer guten Zusammenarbeit von Kloster und Bistum. Am Herz-Jesu-Fest 1920 wurde im eben erst fertig renovierten Konventsgebäude die Hauskapelle eingeweiht. Daraufhin machte es sich der Bischof zu einer festen Gewohnheit, jedes Jahr am Herz-Jesu-Fest den Hauptgottesdienst mit uns zu feiern – als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung. In diesem Jahr erwarten wir als Vertreter des Bistums Speyer Weihbischof Otto Georgens.

Text: Bruder Josef Faath SCJ

Dieser Text erschien auf der Seite des Klosters Neustadt in der zweiten Ausgabe 2018 unseres Ordensmagazins „Dein Reich komme“.

 

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