Höhepunkte und Festzeiten

Mit dem Innehalten im täglichen Ablauf unseres Lebens deuten wir unsere Wirklichkeit und stellen sie in den Zusammenhang mit Gott

Einer der Höhepunkte in Maria Martental ist die alljährliche Festwoche. (c) Pater Pohl
Wegweiser

Rund um den Wallfahrtsort Maria Martental gibt es eine ganze Reihe interessanter Wanderwege. Immer wieder trifft man hier Wanderer und Pilger, die von der Schönheit der Natur, wie sie die Eifel hier bietet, angezogen werden. Wegweiser erleichtern die Orientierung, denn zwischen den Bergen und Tälern kann man sich leicht verlaufen oder das Ziel verfehlen. Der Philosoph Martin Heidegger hat von „Holzwegen“ gesprochen und meinte damit Wege, die nur der Holzabfuhr dienen, aber letztlich Sackgassen sind und nicht weiterführen. Wegweiser helfen dem Wanderer diese „Holzwege“ zu vermeiden und auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Ruhezeiten

Der erfahrene Wanderer wird auf seinem Weg Ruhepausen einlegen, um neue Kräfte zu sammeln und auch, um die Landschaft und die Natur um sich herum zu genießen. Aussichtspunkte und Ruheplätze sind hier und da eingerichtet und laden ein zum Verweilen. Unser alltägliches Leben braucht diese Ruhezeiten und das Verweilen auch. Von Zeit zu Zeit steigen wir ganz bewusst aus dem Alltag aus, um etwas von der Tiefe des eigenen Lebens wahrzunehmen. Pilger begegnen ihrem Leben ganz anders und neu, sie erfahren an einem Wallfahrtsort – oft abseits von der Hektik des Lebens – ganz neue Eindrücke ihres Lebenswegs.

 Höhepunkte setzen

Wir Menschen leben in Zeit und Raum, wir sind unterwegs. Da gibt es Höhepunkte und Tiefpunkte, erhebende Erfahrungen, aber auch dunkle, anstrengende und schmerzvolle Stunden. Diese Ereignisse werden aufgefangen, indem wir Schwerpunkte setzen. Es werden Feste gefeiert, Jubiläen lassen Vergangenes lebendig werden, und mit einer stillen Trauerfeier nehmen wir Abschied von Menschen, die ein Stück des Weges mit uns gegangen sind. Die Kirche setzt in ihrer Liturgie immer wieder Höhepunkte und Festzeiten. Mit diesem Innehalten im täglichen Ablauf unseres Lebens deuten wir unsere Wirklichkeit. Solche Höhepunkte und Feste sind wie eine komprimierte Datei, die entfaltet werden muss, damit ihr Inhalt im Alltag angewendet werden kann. Da der Mensch das einzige Wesen ist, das „nach oben“ schauen kann, stellen wir unsere Lebensereignisse in den Zusammenhang mit Gott. Wir entfalten unseren Glauben und vertiefen damit sinnvoll unser Leben. Eine Ahnung von dem Geheimnis unseres Lebens leuchtet auf.

Sich beugen

So entsteht mit unserem Glauben eine eigene Dynamik, eine lebensnahe Lebendigkeit und innere Kraft. Man könnte sie mit den Worten von Peter Rosegger so umschreiben: Vor Gott muss man sich beugen, weil er so groß ist; vor dem Kind muss man sich beugen, weil es so klein ist. In dieser Haltung treffen wir jeweils auf den Größten und auf den Kleinsten, eine Haltung, in der wir Leben gewinnen und Leben vermitteln. Unser Leben ist eingepasst in diese Grunddynamik; der Glaube macht uns darauf aufmerksam. In der Menschwerdung Jesu wird diese Dynamik als Weg unserer Erlösung deutlich. Jesus beansprucht absolut: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben! Hier zeigt sich die Größe, vor der wir uns beugen. Jesus kniet nieder und wäscht seinen Jüngern die Füße; er stellt ein Kind in die Mitte bei der Streitfrage unter den Jüngern, wer von ihnen der Größte sei. Seine Botschaft: Wer ein solches Kind aufnimmt, der nimmt mich auf! Jesus beugt sich vor dem Menschen. Gott und Mensch treffen sich.

Festwoche

Rund um das Gedächtnis der Schmerzen Mariens feiern wir am Wallfahrtsort Maria Martental jedes Jahr die Festwoche, die ein besonderes Gepräge hat. Ein Tag ist Menschen mit Behinderungen vorbehalten. Rund um das Thema „Suchet den Frieden“ kamen aus verschiedenen Einrichtungen Menschen mit Behinderungen und ihre Betreuer und Betreuerinnen zusammen. Sie gestalteten auf dem Kirchenvorplatz Workshops, wie das Herstellen von selbstgebastelten Buttons, Basteln und Bemalen von Friedenstauben, das Ausmalen von Regenbogenbildern. In Bewegung gebracht wurden die Teilnehmer durch Tänze mit meditativer Musik und durch das Schwingen eines bunten und großen Tuches, das das Gemeinsame zum Ausdruck brachte. Ein Mittagessen und die Feier der Heiligen Messe ließen nochmals Gemeinschaft erfahren. Zum Abschluss feierten wir ein festliches Pontifikalamt, das Bischof Michael Wüstenberg mit den Pilgern auf dem Kirchplatz gestaltete.

Bischof Wüstenberg war 25 Jahre Bischof in Südafrika im Missionsgebiet der Herz-Jesu-Priester und lebt jetzt in der Diözese Hildesheim, aus der er stammt. Im Blick auf das Gnadenbild der „Schmerzen Mariens“ griff er in seiner Predigt aktuelle Bezüge zu den Problembereichen unserer Lebenswirklichkeit auf. Biblische Botschaft und das Vorbild Mariens als die „Frau aus dem Volke“ geben uns Richtung und machen den Glaubensweg anschaulich. An diesem Abschlusstag findet auch immer der „Klostermarkt“ statt, auf dem Orden und mit ihnen verbundene Einrichtungen ihre Erzeugnisse anbieten und ihre Arbeit darstellen. Auch hier zeigt sich immer wieder eindrucksvoll die Zusammenarbeit von Verantwortlichen, Ehrenamtlichen und vor allem dem Freundeskreis, der die Organisation übernimmt und vor Ort leitet. So wird die Festwoche zu einem der Höhepunkte rund um den Wallfahrtsort Maria Martental.

Text: Pater Konrad Flatau SCJ

 

Dieser Text erschien in der 4. Ausgabe 2018 unserer Ordenszeitschrift „Dein Reich komme“.

  • S
  • M
  • L