Glauben vermitteln und weitergeben...

Kinder und Jugendliche an den Glauben heranzuführen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe - über seine Erfahrungen schreibt der Rektor des Herz-Jesu-Klosters Maria Martental Pater Konrad Flatau SCJ

Foto: Jugendkreuzweg in der Wallfahrtskirche Maria Martental (c) scj-Archiv

 

 

Pastorale Herausforderungen

Maria Martental ist eingebettet in die Pfarreiengemeinschaft Kaisersesch, in der Mitbrüder vom Kloster aus die pastoralen Aufgaben wahrnehmen. Blickt man sich bei den Kirchenbesuchern um, sieht man meistens Erwachsene und graue Häupter. Kinder und Jugendliche sind seltener in normalen Gemeindefeiern. Einige Großeltern bringen ihre Enkel in den Gottesdienst mit und junge Ehepaare ihre Kinder. Hier liegt für die Seelsorge eine große Herausforderung, sich mehr um Kinder und Jugendliche zu kümmern und den Erziehenden hilfreich zur Seite zu stehen bei der Weitergabe des Glaubens. Wir haben junge Mitbrüder, die gerade diese Aufgabe als vorrangig für sich ansehen und versuchen, durch Angebote und Begleitung jungen Menschen nahe zu sein, so dass sie den Glauben tiefer erfassen können.

Jede Generation neu

Ein Journalist fragte Joseph Ratzinger 1998, warum die Welt durch das Christentum nicht besser geworden sei. Kardinal Ratzinger meinte darauf: Das sei in der Tat etwas, was jeden gläubigen Menschen sehr bedrängen könne. Und er fuhr wörtlich fort: „Aber ich denke, man muss eben an die Freiheit der Menschen denken und daran, dass die Geschichte nicht einfach ein Kontinuum ist, in dem es wie bei der Entwicklung von Apparaten und dergleichen Dingen sozusagen immer weitergeht. Stattdessen ist jede Generation neu, jede kann wieder abfallen, jede kann es wieder ganz anders machen.“

Jede nachfolgende Generation muss ihren eigenen Zugang zur Botschaft des Evangeliums finden. Eltern und Großeltern haben dabei die nicht immer ganz einfache Aufgabe, die Kinder am eigenen Glauben teilnehmen zu lassen. Das gibt den Kindern und Jugendlichen die Gelegenheit, etwas von Gott kennen zu lernen. Dazu dienen geistliche Elemente, die wir in das Leben hineinholen. So kann durch gemeinsames Beten der Alltag auch geistlich erfahren werden. Das fördert die Gemeinschaft und den Zusammenhalt und lässt deutlich werden, dass Gott im Alltag „Mit uns“ ist. Wir dürfen Gott vertrauen. Das Erzählen biblischer Geschichten macht eine solche vertrauensvolle Gotteserfahrung möglich.

Im Leben verwurzelt

Ob die Eltern wollen oder nicht, sie sind ein lebendiges Vorbild; an ihnen orientieren sich die Kinder und auch daran, was und wie sie glauben. Es ist sicher im Interesse der Eltern, dem Nachwuchs mitzugeben, was ihnen selbst wichtig ist. Die Fragen des Alltags gläubig einzubinden in die Gottesbotschaft ist das, was Jesus in den Evangelien auch immer wieder tut. In den Jesusgeschichten wird das Wirken Gottes anschaulich. Kinder erkennen, wie Jesus Gott vertraut hat. Gott wird dabei vor allem in seinem heilenden Wirken erkennbar. Eltern und Großeltern sind die natürliche Brücke, etwas von dem Urvertrauen des Lebens und dem Gottvertrauen erfahrbar zu machen.

Gemeinschaft der Kirche

Das Hineinwachsen in den Glauben an Gott bringt auch die Gemeinschaft der Gläubigen, die Kirche, in die Erfahrung der Kinder und Jugendlichen ein. Sich in einer Gemeinschaft von Glaubenden und „Menschen guten Willens“ getragen zu wissen, kann Sicherheit für das eigene Leben vermitteln. Die glaubende Gemeinschaft der Kirche gibt Lebensorientierung, schenkt Begleitung und macht die Menschen immer wieder aufmerksam auf den anderen neben uns. Hier am Wallfahrtsort wird viel an Glaubenserfahrung zusammengebracht.

Äußere Zeichen wie brennende Kerzen, sprechende Bilder, lebendige Gottesdienste bringen den Glauben nahe und binden das Leben ein. So bieten wir immer wieder Gottesdienste und sonstige Veranstaltungen an, die sich an die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen richten. Das wird besonders zu den geprägten Zeiten im Kirchenjahr aktuell: Sternebacken in der Adventszeit, um mit dem Erlös bedürftigen Kindern zu helfen; Jugendkreuzweg in der österlichen Bußzeit; Auferstehungsfeier am Ostermorgen mit Jugendlichen; eine Fahrt der Messdiener/innen nach Rom zum Papst. Vielleicht gelingt auch durch Jugendgruppenarbeit eine Langzeitbegleitung. Es ist nicht leicht, bei all den Angeboten heute das Interesse für geistliche Dinge zu wecken und lebendig zu halten. Aber wir dürfen diese Dimension nicht verkümmern lassen. Hier gilt für die nachwachsenden und die erziehende Generation, was der Gründer von Taizé gesagt und den Jugendlichen vermittelt hat: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist, aber lebe es!“

Text: Pater Konrad Flatau SCJ

Foto: Jugendkreuzweg in der Wallfahrtskirche Maria Martental (c) scj-Archiv

Dieser Text erschien auf der Seite des Klosters Maria Martental in der zweiten Ausgabe 2018 unseres Ordensmagazins „Dein Reich komme“.

  • S
  • M
  • L