Erde und Himmel gehören zusammen

Wie sehr unser Alltag mit Himmlischem verbunden ist, zeigen Beispiele aus Maria Martental

Die Wallfahrtskirche aus der Luft.

Wir beten manchmal im Gottesdienst: „...das Irdische verachten und das Himmlische lieben!“ Ich habe mich daran immer gestoßen. Mit so einem Beten bringen wir Erde und Himmel auseinander, machen sie zu Gegensätzen. Nach unserem christlichen Glauben sind die Akzente eigentlich anders gesetzt: „Das Himmlische lieben und nach Gottes Wegweisung das Irdische gestalten ...“ Denn Erde und Himmel gehören zusammen. Die Menschwerdung Jesu zeigt, wie ernst Gott seine Schöpfung nimmt.

Er wird einer von uns und teilt mit uns das alltägliche Leben. Er zeigt auf: Unser Alltag und die christliche Botschaft sind vernetzt und aufeinander bezogen. Der Schöpfer kann nicht gegen seine Schöpfung sein. Die Heilungsgeschichten Jesu machen das deutlich. Er wendet sich dem Einzelnen zu: Was soll ich dir tun? Diese Begegnung löst bei den Menschen großes Staunen aus: Woher hat er das alles? Hier redet einer mit Vollmacht und heilt mit göttlicher Kraft. Er nimmt die Menschen ernst, wendet sich ihnen zu und richtet sie auf. Jesus macht deutlich, dass es ihm um die Schöpfung, um den Menschen geht. Er spricht vom „Reich Gottes“ und vergleicht es immer wieder mit Erfahrungen aus dem Alltag: Das „Reich Gottes“ ist wie ein Bauer, der Samen aussät … wie eine Frau, die Brot backt … wie ein Senfkorn … Daher auch der Hinweis Jesu: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Wer mit den Augen Jesu auf das Leben schaut, wird entdecken, dass unser Alltag immer schon verbunden ist mit dem Himmel.

Geistliche Erfahrung vor Ort

Warum kommen die Menschen zu einem Wallfahrtsort wie Martental? Wenn man in das ausgelegte Für- bitt- und Anliegenbuch schaut, entdeckt man, dass hier Menschen ihren Alltag vor Gott tragen, ihr eige- nes Leben mit dem Himmel verbin- den. Der Mensch ist das einzi ge Wesen, das nach oben schauen kann. Genau das geschieht hier: der Aufblick zum Schöpfer der Welt. Paulus drückt das vor dem Areopag, dem „Weisheitstempel“ der Antike, so aus:  „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern ge sagt haben: Wir sind von seiner Art.“ (Apg 17,28) Die Stille wird gesucht, die Aufmerksamkeit für das uns umgebende Leben eingeübt, der uns in Anspruch nehmende Alltag in den Bereich Gottes gehoben. Der Beter macht sich bewusst, dass er die Herausforderungen des Alltags nicht allein tragen muss, sondern bauen darf auf die Verheißung: Habt keine Angst! Ich bin bei euch bis zum Ende der Tage. Der Hintergrund unseres Lebens wird deutlich, und damit erhalten die Mosaiksteinchen unseres Lebens ein sinnvolles Gesamtbild.

Aufmerksamkeitstage

Der sogenannte „Anliegensonntag“ an jedem dritten Sonntag im Monat greift die Anliegen und Sorgen der Menschen unserer Zeit auf und richtet sie ganz bewusst im fürbittenden Gebet auf Gott hin aus. Erfahrbar wird dabei die Solidarität der Gläubigen: Ich stehe nicht allein, es sind Beter mit und neben mir, wir tragen gemeinsam die Last des Lebens. Ein Sonntag ist besonders den Anliegen der Kranken und alten Menschen gewidmet. Auch dieses Anliegen ist ein Zeichen der Verbundenheit und der Aufmerksamkeit. Alte und Kranke sind nicht einfach abgeschoben in eine Ruhezone abseits des Lebens, sondern haben auch „ihren Tag“ der Öffentlichkeit und des bewussten Auftretens. Die Einzelsegnung der Kranken folgt dem Beispiel Jesu, der sich den einzelnen Menschen zugewandt hat und die Bittenden hörte. Die gemeinsame Feier der Krankensalbung hebt auch die erfahrene Zerbrechlichkeit des Menschen in die Heilszusage Gottes, der letztlich Heilung und die „Fülle des Lebens“ schenkt.

Alltag mit dem Himmel verbinden

Den Alltag konkret mit dem „Himmel“ verbinden, ist ein Anliegen der praktischen Seelsorge in der pastoralen Arbeit. Dies wird zum Beispiel  von Pater Roman Gorincioi SCJ aufgegriffen und umgesetzt mit einer „Messdiener-Olympiade“, in der Spiel und Gebet, Freude und Besinnung, Gemeinschaft und Wettkampf erfahren werden können. Die Jugendlichen machen hier gerne mit. Ein „Fußball-Gottesdienst“ mit Trikots der Nationalmannschaft wird den Mitfeiernden in Erinnerung bleiben, zumal dieser Gottesdienst an dem Tag des letzten Siegtores bei der Fußballweltmeisterschaft stattfand. Ein Gottesdienst am Verbandsgemeinde- und Kreisfeuerwehrtag mit Segnung der  Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr machten aufmerksam auf das Zusammenwirken von politischem Geschehen, sozialer Sicherheit und dem „Segen von oben“. Kirchliches Geschehen und politischer Alltag können so gut zusammenwirken. Hier wird mit einem einfachen Segnungsgottesdienst „Politik“ gemacht, unser Glaube setzt Impulse für soziales Tun und politische Verantwortung. Der Landrat des Kreises Cochem-Zell schrieb aus diesem Anlass einen Brief: „Sehr geehrter Herr Pater Pohl, auf diesem Weg möchte ich Ihnen meinen Dank für die wirklich außergewöhnliche Predigt anlässlich des Verbandsgemeinde- und Kreisfeuerwehrtages aussprechen. Sie haben alle Besucher der Heiligen Messe mit Ihren Worten begeistert. Vor allem auch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, denn Sie haben überaus treffend das uneigennützige ehrenamtliche Engagement und den mutigen Einsatz unserer Feuerwehrleute hervorgehoben. Weiterhin darf ich erwähnen, dass Sie am gestrigen Sonntag gleich zweimal den Weg nach Düngenheim auf sich genommen haben. Denn am Nachmittag haben Sie die Einsegnung der neuen Einsatzfahrzeuge vorgenommen.  Auch hierfür gilt Ihnen ein herzliches Vergelt‘s Gott.“ Unser Leben hat immer eine politisch-soziale und eine mystischgeistliche Komponente – zwei Säulen, auf denen unser Leben ruht. An unserem Wallfahrtsort traf ich vor kurzem ein Ehepaar, die mehrere „Christophorus-Anhänger“ kaufen  wollten. Im Gespräch ergab sich, dass der Mann für eine Versicherung arbeitet, die Autofahrer betreut; jedem seiner Kunden schenkt er einen hl. Christophorus als Wegbegleiter auf ihren Reisen. Dies ist auch ein Hinweis, unter welchem Schutz unser Leben sich bewegt.  

Pater Konrad Flatau SCJ

Dieser Text erschien in der 3. Ausgabe 2018 unserer Ordenszeitschrift „Dein Reich komme“.

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