Von Freiburg und Fribourg

So bunt und vielfältig wie die internationale Besetzung des Studienhauses in Freiburg war auch das Leben im Herz-Jesu-Kloster in den vergangenen Wochen

Vorlesungsfreie Zeit bedeutet trotzdem viel Arbeit für die Studenten (c) Nowak

Das Wort „Kloster“ bringt immer das Bild mit, dass die, die dort drin leben, wenig Kontakt nach außen haben. Es gibt solche Klöster. Wir Herz-Jesu-Priester aber pflegen die Verbindung mit Menschen und zwar gern. „Geht zu den Menschen“, sagte Pater Dehon. Am 21.April werden wir auf die Menschen warten. Sie kommen zu uns: zum Tag der offenen Klöster! Und vieles andere ist geschehen in unserem Klosterleben in Freiburg:

DREIKÖNIGSTREFFEN

Die Kommunität Freiburg war auf dem Dreikönigstreffen gut vertreten. Alle Studenten, Pater Lau, Pater Rombach und ich waren dabei. Es war für uns alle eine sehr gute Erfahrung von Gemeinschaft und hat uns mit Zuversicht und Freude erfüllt.

IN BRASILIEN

Im Januar war ich in Urlaub in Brasilien. Gott sei Dank sind dort alle Familienmitglieder gesund. Meine Eltern feiern dieses Jahr Goldene Hochzeit. Da ich schon dort war, haben wir eine kleine und einfache Feier in der Familie gefeiert. Bei der Familie zu sein, ist für mich auch eine Bestärkung der persönlichen Berufung.

ORDENSLEUTE IM KLOSTER FREIBURG

Die Feier der Lichter am 2. Februar wurde noch heller, weil alle Ordensleute der Stadt Freiburg dazu in unser Kloster eingeladen wurden, um gemeinsam den Tag des geweihten Lebens zu feiern. Viele sind gekommen. Ich selber war nicht dabei, weil ich von Brasilien wieder unterwegs nach Deutschland war. Die Kommunität hat sowohl eine schöne Eucharistiefeier organisiert als auch eine freundliche Begegnung in der Bibliothek veranstaltet.

P. BENNO HANSEL

Seit letztem Jahr wohnt bei uns unser Mitbruder Pater Benno Hansel. Er gehört zur südafrikanischen Provinz. Im Mai wird er dorthin zurückfliegen. Er fühlt sich wohl in Freiburg. Wir freuen uns auch, dass er bei uns ist. Zurzeit kümmert er sich um seine Gesundheit.

VORLESUNGSFREIE ZEIT

Seit dem 11. Februar sind die Studenten mit ihren Hausarbeiten beschäftigt. Sie haben keine Vorlesungen, müssen aber trotzdem viel lernen und forschen. So ist das Studentenleben in Freiburg.

NIGHTFEVER

Es ist immer eine tolle Veranstaltung für die Stadt Freiburg. Beten, Singen, Beichten. Der Event beginnt um 19 Uhr mit der Messe und dauert bis Mitternacht. Die Studenten, Pater Lau und ich sind immer dabei. Diesmal hat Pater Lau die Messe gehalten.

KLAUSURTAGUNGEN

Drei Tage war der Provinzrat auf Klausurtagung in Maria Martental. Viele wichtige Punkte, die in der Provinzversammlung diskutiert worden sind, haben wir ins Gespräch gebracht, um den Blick auf die Zukunft der Provinz zu erweitern. Wir haben auch jedes Haus genau betrachtet, um Ideen und Perspektiven sammeln zu können, die ein sicheres Weitergehen ermöglichen.

FR. BRUNO IN NEUSTADT

Pater Gerd Hemken hat eine Programm-Reihe für das Bildungshaus in Neustadt erstellt, in dem verschiedenen Nationen vorgestellt werden. Unsere Studenten werden sich daran beteiligen. Erster Referent war Fr. Bruno aus Madagaskar. Sein Vortrag war interessant und kam sehr gut an.

AGAL: P. LEVI UND P. LAU

Als Vorsitzender der AGAL – Arbeitsgemeinschaft der Ausbildungsleiter – bin ich jedes Jahr in Kloster Oberzell/Würzburg. Dort sammeln wir uns, um wichtige und aktuelle Themen der Ausbildung ins Gespräch zu bringen. Jedes Mal laden wir jemanden ein, mit uns ein bestimmtes Thema anzusprechen. Dieses Jahr ist Pater Heinz Lau der Referent. Er wurde das Thema „Junge Formandi in älter werdenden Gemeinschaften“ präsentiert.

FRIBOURG

Am 23. März sind einige Studenten und ich nach Fribourg in der Schweiz gefahren, um an der Universität an der Habilitation von Dr. David Neu hold teilzunehmen. Das Thema war: „Die Kirche, das Geld und die Nation – Historisch-Kritische Blicke auf Pater Leon Dehon (1843-1925), den Gründer einer modernen Ordens gemeinschaft“. Erfreulich, dass ein kompetenter Mensch wie Dr. Neuhold sich für unseren Gründer interessiert und dabei forscht.

IN ROM

Im April bin ich in Rom zum Treffen der Rektoren der Studienhäuser unseres Ordens gewesen. Das Ziel dieses Treffens war, die Ausbildung zu bewerten und auch Methoden und die neuen Realitäten auszutauschen, damit die Studenten das Beste bekommen dürfen, um Gott und der Kirche zu dienen.

KATHOLIKENTAG IN MÜNSTER

Alle Studenten des Klosters, auch Pater Lau, Pater Busch und ich werden daran teilnehmen. Wir werden einen Stand haben. Es ist immer eine tolle Erfahrung für uns zu sehen, wie die Kirche lebendig ist trotz des Rückgangs der Gläubigen und auch des Priestermangels in Europa.

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Veränderungen im Ordensleben Auch das Ordensleben, das über viele Jahrzehnte als immer gleichbleibend angesehen wurde, hat sich rapide verändert: Die Zahl der Mitbrüder hat enorm abgenommen; immer weniger Kommunitäten, die seelsorgliche Arbeit weitgehend außerhalb des Klosters, Überalterung der Mitbrüder, fast leere Studienhäuser, andere Gebetsforman, weniger feste, verbindliche Strukturen größere persönliche Freiheit, größere Mobilität, abnehmende Kirchlichkeit usw.

1. Geistliches Leben Herz-Jesu-Spiritualität, früher eher etwas sentimental, kitschig, heute stärker zentral biblisch, zentriert auf die Gesinnung Jesu Christi. Wir legen Wert auf persönliche, glaubwürdige Spiritualität

2. Pastoral, Seelsorge Immer stärkeres Hinausgehen zu den Menschen: Offenheit, Beziehungsfähigkeit, Blick für Menschen am Rande, Annahme unserer säkularen Zeit.

3. Ordensleben Mehr Klein-Kommunitäten, ständige Veränderungen, hohes Interesser an gesellschaftlichen Entwicklungen.

4. Kirchlicher Bereich Die traditionelle Kirchlichkeit ist längst vorbei: Volkskirche, Pfarreien, Vereinswesen, Liturgie und Sakramente

5. Gesellschaftliche Umwandlungsprozesse Hier sind die größten Veränderungen auffällig: Individualisierung– Säkularisierung – Anonymität – Technisierung – Mediengesellschaft – Konsum –Wettbewerb – Mobilität. Das geht nicht spurlos an uns vorbei.

6. Strukturelle Bereiche Die interne Arbeit muss von immer weniger Mitbrüdern wahrgenommen werden. Starke Tendenz der Zentralisierung: Berufungspastoral, Wohltäterbüros, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit.

Darauf legen wir immer Wert

1. Stimmiges geistliches Leben Tagzeitengebet, persönliche Gebetszeiten, Eucharistiefeier, geistliche Lesung, eucharistische Anbetung, geistliche Begleitung

2. Ineinander, nicht Nebeneinander von Mystik und Politik Ineinander von tiefer, lebendiger Verbundenheit mit Jesus Christus und gleichzeitig Interesse an sozialen und politischen Fragen

3. Internationalität Ordensleute kennen keine Diskriminierung von Rasse, Hautfarbe, Religion, Bildung, Geschlecht

4. Achten auf das Gemeinschaftsleben Die Gemeinschaft trägt und fördert, das Zusammenleben ist schon ein Apostolat

5. „Geistliche Zentren“ Kennzeichen: als Gemeinschaft geistlich leben, offene Kirchen, verbindliche Gottesdienstzeiten, immer Präsenz eines Mitbruders zum Gespräch

6. Stärkere Mitarbeit und Verantwortung der Laien Würdigung der Laien mit ihren besonderes Fähigkeiten und Gaben. Sie tragen unsere Werke verantwortlich mit.

Text: Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ

Dieser Text erschien auf der Seite des Klosters Freiburg in der zweiten Ausgabe unseres Ordensmagazins „Dein Reich komme“.

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