Persönlichkeit & Identität

Bildung ist der Schwerpunkt im Internationalen Studienhaus Freiburg. Dabei geht es um mehr als das Studium der Philosophie und Theologie

Die jungen Studenten kamen beim Katholikentag in Münster gut an. (c) Nowak
1. Über die Bildung

Ich war etwa zwei Jahre in Indien (2004/2005), um dort junge Kandidaten in das Ordensleben einzuführen - im sogenannten Noviziat. Während dieser Zeit ist mir die Situation von jungen Mädchen besonders nahegegangen: Es gab eine große Zahl von Vergewaltigungen, die meisten wurden verheiratet und waren dann im Besitz des Mannes, massive Gewaltanwendung bis zum Verbrennen ist an der Tagesordnung. Bis dahin hatte ich Bildung als nicht so entscheidend angesehen. Gott sei Dank gibt es viele Ordensschwestern in Indien, die dort überall den Mädchen Bildung ermöglichen. Das vermittelt ihnen Selbstbewusstsein, eine starke Persönlichkeit, Identität. Daher ist Bildung für mich die beste Form von „Entwicklungshilfe“. Unsere Schulen und unser Studienhaus in Freiburg wollen den Studierenden und Mitbrüdern Bildung vermitteln – nicht nur im Bereich des Studiums, nämlich Philosophie und Theologie. Bildung ist umfassend:

 

Menschliche Bildung: sich entwickeln, Reife, Wachsen, Persönlichkeit 

Emotionale Bildung: verschiedene Gefühle in sich wahrnehmen, sie ordnen 

Spirituelle Bildung: als geistliche Menschen leben, den Regungen des Geistes folgen 

Künstlerische und musische Bildung: Musik, Kunst, Schauspiel, Theater 

Politisch-gesellschaftliche Bildung: sich beschäftigen mit den gesellschaftlichen Herausforderungen 

Intellektuelle Bildung: sich mit dem  umfassenden Wissen unserer Zeit befassen 

Psychische Bildung: breite Kenntnisse im Bereich der Seele, der  Psyche erwerben

Der ehemalige Novizenmeister der Jesuiten, Pater Josef Maureder SJ, legte großen Wert auf die menschliche Bildung, was ich von einem Jesuiten zunächst nicht erwartet hatte:  lebendig - frei - beziehungsfähig - liebend - schöpferisch - verantwortungsvoll -  gelassen - religiös.

Pater Heinz Lau SCJ

 

2. Nachrichten aus unserem Haus

Die Fratres Paulo Cesar Henrique SCJ und Maximiliano Delfino Candido SCJ beenden mit dem Sommersemester 2018 ihr Studium in Freiburg. Sie haben hier ihr praktisches Jahr verbracht (Tirocinium), die deutsche Sprache erlernt und an der Uni drei Jahre Theologie studiert. Mit dem Abschluss des Bachelors kehren sie jetzt nach Brasilien zurück. Voraussichtlich werden sie innerhalb des nächsten Jahres die ewigen Gelübde ablegen, zum Diakon und zum Priester geweiht und dann zu uns zurückkommen, zum praktischen Einsatz und zum Philosophiestudium, um dann später in Brasilien Dozent oder Professor zu werden. Beide waren ein großer Gewinn für unsere  Ausbildungsgemeinschaft: vielfältig engagiert, mittragend, musisch, lebendig. Schade, dass sie gehen, ein Verlust für uns. Aber wir hoffen, dass sie wiederkommen.

Im Studienhaus sind von 15. Juli bis 15. Oktober Semesterferien. Unsere Studenten müssen Hausarbeiten erledigen, sind im praktischen Einsatz, besuchen unsere Gemeinschaften. Im Sommer kommen immer wieder Mitbrüder und Gäste zu uns, andere, um die deutsche Sprache zu erlernen: aus Weißrussland, aus dem Kamerun. Auch besuchen uns Obere vor oder nach dem Generalkapitel.

Alle Studenten haben enorm eifrig am Katholikentag in münster teilgenommen. Unser Stand auf der Katholikentagsmeile wurde auffallend wahrgenommen und war stark besucht. Zum einen verteilten die Studenten eine kleine Karte: „Die Bischofsmacher von Hildesheim“ (etwas  spaßig); zum anderen informierten wir über das Brunnenbau-Projekt im Kamerun, das großes Interesse fand. Vertreter einer  ansässigen Bank spendeten uns daraufhin  10.000  Euro für zwei neue Brunnenbauten und eine Sonderschule. Pater Levi nahm den Scheck in Münster entgegen.

Unsere junge dynamische Gruppe von Studenten ist in der Stadt und darüber hinaus bekannt und geschätzt: Wir nehmen an Nightfever teil, gestalten verschiedene Gottesdienste, sind an der Universität präsent, aktiv in Fußballvereinen, organisieren muttersprachliche Treffen – und vieles mehr.

3. Vom Provinzkapitel (17.­20. Juni) Vor dem Generalkapitel in Rom musste ein ordentliches, rechtliches Provinzkapitel stattfinden. Themen unseres Treffens waren:  

Wahl des deutschen Delegierten am Generalkapitel 

Wachsende Zentralisierung in der Provinz Ordensleben in säkularer Zeit

Finanzbericht der Provinz Bericht des Missionsprokurators 

Öffentlichkeitsarbeit/Fundraising

Studienhaus Freiburg 

notwendige Mitarbeit ausländischer Mitbrüder in der Provinz 

Transformation in Gesellschaft und Kirche - unser Lebensstil.  

Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ

Dieser Text erschien in der 3. Ausgabe 2018 unserer Ordenszeitschrift „Dein Reich komme“.

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