Erstellt von P. Levi Ferreira SCJ | | Freibug

Fastenzeit: Der innere Blick auf unsere Seele

Wie soll die Fastenzeit gelebt werden? P. Levi, Rektor unseres Freiburger Klosters, legt viel Wert auf die innere Ruhe. Dazu erinnert er sich an seine Familienerfahrung als Kind.

In der Zeit meiner Eltern wurde die Fastenzeit intensiv erlebt, vor allem auf dem Land. Meine Mutter zeigte uns häufig, dass es eine besondere Zeit war. Man sollte deswegen sich Haltung und Ordnung verschaffen: tagsüber bewusst Essen, einen guten Umgang pflegen mit anderen Menschen, mit den Tieren und besonders auf sich selbst achten.

Wir glaubten der Mutter, die uns Vorbild war.

Ab Aschermittwoch war dann eine andere Atmosphäre im Elternhaus zu spüren. Gleichzeitig wurde es Herbst. Es wurde frischer, kühler nie so intensiv wie Deutschland, aber die Tage wurden kürzer, die Wege und Pfade staubiger.

Ich vergesse nie, dass meine Mutter uns sagte, wir sollten ruhiger und leiser werden: nicht laut sprechen, nicht streiten. Übrigens waren wir damals zu dritt: 2 Jungen und ein Mädchen. Erst nach dreizehn Jahren kam noch ein Geschwisterchen dazu, was für uns alle Aufregung brachte: Streit und Balgerei stand täglich an. Neben dem religiösen Gesichtspunkt der Zeit, hat meine Mutter uns auch gezeigt, dass in diesen vierzig Tagen der Teufel von Gott eine Erlaubnis bekäme auf der Erde frei zu walten. Aber weil die Erde groß ist, könne er nicht überall gleichzeitig sein. Er suchte dann, so sagte die Mutter, die Orte auf, wo ungehorsame Kinder laut und lästig sind und ihren Geschwistern Böses antun.

Wir haben unserer Mutter gut verstanden. Es waren vierzig friedvolle Tage in unserem Häuschen, dort auf dem Land, in Pontevila, Brasilien.

Unser Gründer P. Dehon spricht häufig über die innere Ruhe, über die Sammlung. In unserem Geistlichen Direktorium §16 schreibt er „die Sammlung ist eine notwendige Bedingung für den lebendigen Glauben, das Vertrauen und die Liebe“.

Ich wünsche uns allen eine innere Ruhe und gute Gedanken in dieser besonderen Zeit.

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