Kreativ, um den Menschen Glaubenserfahrungen zu ermöglichen

„Gemeinde bilden“ – nicht den Kirchenbesuch in die Höhe treiben, das ist das Ziel der Arbeit von Pater Tarcisio Darrós Feldhaus SCJ. Der Rektor des Herz-Jesu-Klosters ist seit der Gründung der Kommunität 2012 in Berlin und leitet seither die portugiesische Gemeinde der Stadt. Am 08. Dezember feiert er sein silbernes Priesterjubiläum – der Weihetag war am 10.12.1994.

„Ich bin zufrieden mit meinem Leben, ich würde es auch heute nicht anders machen“, betont er. Zufrieden mit dem Priesterdasein, aber auch mit seinem Leben als Herz-Jesu-Priester: „Ich brauche Gemeinschaft und den gemeinsamen Tagesrhythmus, wenn wir gemeinsam essen, beten, zusammen sind.“

Offiziell leben im Bereich des Erzbistums Berlin 2600 Menschen, die portugiesisch sprechen, also Mitglieder der portugiesischen Gemeinde sein können. Sie kommen aus Portugal und Brasilien, aber beispielsweise auch aus Angola, Mosambik, Guinea-Bissau oder Kap Verde. Etwa 30.000 portugiesisch Sprechender leben in Berlin, vermutet Pater Feldhaus:  „Der Arbeitsfeld ist herausfordernd“.

Seine Gemeindemitglieder kommen aus der ganzen Stadt, teilweise aus Brandenburg: „Es läuft“, sagt er bescheiden. Als er die Gemeinde übernommen hatte, musste er erleben, dass viele zu den Sonntagsgottesdiensten aus Pflicht kamen. Das will er so nicht: „Ich setze auf andere Erfahrungen. Die Leute sollen kommen, weil sie hier etwas für ihr Leben finden, im Gottesdienst, aber auch im Bibelkreis oder im Bibelgespräch.“ Das ist schwierig, hat er gemerkt, „denn sie sind ja berufstätig und kommen von weit her“. Ein weiteres Problem: „Viele haben nur eine geringe Schulbildung, und der kulturelle Hintergrund ist sehr verschieden.“

P. Feldhaus setzt deshalb auf Kreativität und hat verschiedenen Angebotsformen entwickelt: Sonntags findet der gemeinsame Gottesdienst statt, davor hat er eine Katechese angesetzt. Dabei geht es ihm darum, dass die Menschen verstehen, was sie in der Bibel lesen oder hören, um Glaubensthemen, die mit ihrer Realität zu tun haben. Um den verschiedenen Kulturen gerecht zu werden, ist der Samstagvorabendgottesdienst jeweils nach Art einer Kultur gestaltet. Am ersten Sonntag im Monat findet ein interkultureller Gottesdienst statt, in den ganz unterschiedliche Elemente einfließen. Und im Anschluss gibt es ein gemeinsames Mittagessen für alle, die Lust darauf haben, „damit wir mehr Zeit miteinander verbringen.“

Der Gottesdienst am Samstagabend, so die Erfahrung des Brasilianers, gibt den Menschen ein Gefühl von Heimat, und er macht die Gemeinde bunter. „Dieses Angebot kann noch wachsen“, räumt er ein; etwa 20 bis 50 Besucher kommen samstags. Sonntags sind es mehr: zwischen 150 und 200 Gottesdienstteilnehmer.

„Die Gottesdienste sind wichtig“, so seine Überzeugung: „Wenn die portugiesisch-sprechenden Leute zusammenkommen, sind sie eine lebendige Gemeinschaft. Sonst sind sie über die ganze Stadt verstreut.“ Die Gemeinschaft sei auch daher wichtig, „weil sie so viele persönlichen Erfahrungen gemacht haben und eigene Geschichten haben, die ihnen das Leben schwer machen.“ Deshalb ist er für diese Menschen auch unter der Woche für das persönliche Gespräch da. Das wird zunehmend angenommen: „Es hat länger gedauert, aber jetzt werden es immer mehr“, freut er sich.

Seine eigene Rolle in der portugiesischen Gemeinde begreift der Herz-Jesu-Priester als Priester, aber auch als Mitglied. „Ich möchte den Menschen Glaubenserfahrungen ermöglichen, die Erfahrung, dass sie von Gott geliebt sind.“ Religion dürfe keine Pflichtaufgabe sein, das thematisiert P. Feldhaus auch in seinen Predigten. Lieber erzählt er davon, wie Beten geht. Und dass das ankommt, sieht man beispielsweise daran, dass sich eine Gruppe selbstständig gegründet hat, die nach der Messe den Rosenkranz betet.

Die Feier des Priesterjubiläums ist ihm wichtig – nicht wegen seiner Person, wie er betont: „Es ist für die jungen Menschen ein wichtiges Zeichen, wenn sie sehen, wie ein Priester geschätzt wird“, findet er – erst recht in diesen Zeiten, in denen so schlecht über die katholische Kirche und ihre Priester gesprochen wird.

Deshalb gibt es zu seinem Weihejubiläum am Sonntag, 08.12.2019, um 11 Uhr einen interkulturellen Festgottesdienst und ein anschließendes gemeinsames Mittagessen mit verschiedenen kulturellen Programmpunkten. Am Dienstag, 10.12.2019, dem Weihetag, feiert P. Feldhaus gemeinsam mit der deutschen Gemeinde Corpus Christi um 18.30 Uhr die Abendmesse, zu der anschließend andere Priester, Ordensleute und Wegbegleiter eingeladen sind.

Anschließend geht er wieder zur Tagesordnung über, und das bedeutet: „Ich will der Kirche nach der Spiritualität der Herz-Jesu-Priester dienen. Für mich ist dabei Wegweiser: „Gott ist die Liebe.“ Ich möchte den Menschen diese Erfahrung vermitteln, sie zu Jesus führen und ihnen helfen, diese Erfahrung selbst zu machen.“

Foto  ©:scj

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