„Wir experimentieren viel, sind aber kein Experiment mehr“

Vor sechs Jahren wurde das Herz-Jesu-Kloster Berlin eröffnet. Zeit für eine Zwischenbilanz mit allen Bewohnern. Von Markus Nowak

Die Herz-Jesu-Priester aus Berlin: die Patres Tarcísio Darrós Feldhaus SCJ, Markus Mönch SCJ, Jacinto Weizenmann SCJ und Richard Krupa SCJ (v.l.n.r.) (c) Nowak

Im August 2012 eröffneten die Herz-Jesu-Priester ein neues Kloster. Eine Besonderheit in vielerlei Hinsicht: Mitten im urbanen Umfeld Berlins, wo nur ein geringer Teil der Bevölkerung der katholischen Kirche angehört, zogen damals fünf Patres an die Spree. Eine Besonderheit nicht nur, weil vielerorts Klöster schließen müssen und sich die Herz-Jesu-Priester mit einer Neugründung dem negativen Trend entgegen stellten. Das Herz-Jesu-Kloster Berlin war von Beginn an auf Internationalität angelegt. Bei der Gründung beteiligten sich drei Provinzen, und auch noch heute leben Ordensleute aus drei Ländern zusammen: Brasilien, Polen und Deutschland. Nach sechs Jahren Gemeinschaftsleben ist es Zeit für ein Resümee.

Sie alle sind Neuzugezogene an der Spree. Fühlen Sie sich schon als Berliner oder haben Sie noch Heimweh?

Pater Tarcísio Darrós Feldhaus SCJ: Unsere Gemeinschaft besteht aus vier Ausländern, wenn wir Pater Markus Mönch als Eifler dazu zählen (lacht). Wir essen immer wieder Portugiesisch, und Pater Richard Krupa bringt immer wieder Lebensmittel aus Polen mit. Das hilft sicher gegen Heimweh.

Pater Markus Mönch SCJ: Ich bin hier in Berlin vertraut und treffe auf der Straße immer wieder Leute, die ich kenne. Aber mit Heimatfindung tue ich mir noch schwer. Es ist vor allem ein Arbeitsumfeld, und ich fühle mich wohl. Aber für Heimat fehlt mir da noch etwas.

Pater Richard Krupa SCJ: Berlin ist auf jeden Fall eine interessante Stadt gerade mit den unterschiedlichen Bezirken. Nach mehr als fünf Jahren, die ich hier lebe, kann ich sagen: Es ist auch meine Welt geworden. Für mich aus Polen war es anfangs wie ein Sprung in etwas ganz Neues. Eine andere Sprache, Kultur, Mentalität, auch ein anderer kirchlich-gesellschaftlicher Kontext. Das alles ist mir nach den Jahren näher.

Pater Jacinto Weizenmann SCJ: Ich lebe hier in Berlin, und die Klostergemeinschaft ist mein Zuhause. Das Angebot der Stadt ist groß. Aber ich bin nicht unbedingt jemand, der viel und gerne überall hinfährt. Ich bleibe gern in meiner Ecke. Ich fühle mich ganz wohl, obwohl ich nicht sagen kann, dass ich die Stadt schon sehr gut kenne.

In der Klostergemeinschaft gab es mehrere Ein- und Auszüge …

P. Feldhaus: … ja, anfangs waren wir zu fünft: die Patres Márcio Auth, Władysław Mach, Markus Mönch, Richard Krupa und ich. Dann haben zwei in anderen Häusern Aufgaben übernommen, zu uns kamen daher die Patres Christoph Kübler, Roman Gorincioi und Demetrius Cavalcanti de Oliveira. Alle drei sind auch wieder mit anderen Aufgaben betraut worden oder zurück in ihre Heimatländer gegangen. Zwischendurch kam Frater Wellyngthon Messias Mendes aus Brasilien, Frater Maximiliano Delfino Cândido war acht Monate, einige Monate Jairson Hellmann und auch andere Gäste. Seit letztem Jahr sind wir eine stabile Gemeinschaft. Wir haben uns in den ersten Jahren oft mit den Änderungen in der Kommunität beschäftigt. Jetzt können wir uns mit uns beschäftigen und damit, wie es weitergeht.

Wie geht es also weiter?

P. Feldhaus: Das ist eine Frage auch an den Pastoralen Raum, was etwa mit der Gemeinde Corpus Christi passiert, deren Administrator ich derzeit bin. Ich sehe, dass man auf uns zählt, aber wie genau, ist noch nicht deutlich. Wir müssen schauen, wo die portugiesische Gemeinde und die „Suchendenpastoral“ stehen.

Die Suchendenpastoral ist ja der Versuch, Großstädter mit passenden kirchlichen Angeboten anzusprechen. Bei der Klostereröffnung 2012 war gerade das auch ein Experiment für den Orden.

P. Weizenmann: Ich habe oft gehört, dass Kardinal Woelki damals sagte: Versucht es einfach mal. Ihr dürft auch mal was tun, was nicht in die Richtung geht, in die es sonst oft läuft. Es ist wichtig, das beizubehalten.

P. Mönch: Wir experimentieren viel, sind aber kein Experiment mehr.

P. Krupa: Es ist uns geglückt, den Ort hier in der Greifswalder Straße bekannt zu machen – also uns als Herz-Jesu-Priester und unser pastorales Angebot. Nur Routine wäre eine Katastrophe, aber nur Neues würde alles instabil halten. Aber wir haben ja auch etablierte Formate …

… wie Andachten für Singles, Kneipengespräche, Konzerte von rappenden Priestern, aber auch Gottesdienste mit Plüschtieren und so weiter. Diese innovative Pastoral war immer wieder in den Medien, und auch Mitbrüder aus anderen Provinzen kamen, um sich von Ihrer Arbeit zu überzeugen.

P. Feldhaus: Ja, im Frühjahr war etwa der Provinzial der frankophonen Provinz da, um sich umzuschauen. In Paris wird eine internationale Kommunität angedacht.

P. Krupa: Ich würde aber nicht betonen, dass wir eine besondere Kommunität sind. Wir haben nämlich wie unsere anderen Mitbrüder unsere Aufgabe und füllen diese aus.

Zum Geburtstag werden auch immer Wünsche ausgesprochen. Welche hätten Sie für das Kloster?

P. Mönch: Wir haben turbulente Jahre hinter uns. Und wir freuen uns immer wieder, wenn neue Mitbrüder kommen. Aber es ist auch gut, wenn wir eine Stabilität in die Gemeinschaft bekommen.

P. Weizenmann: Ich möchte ein Gleichnis nutzen. Wir sind heute ein fünfjähriges Kind. Am Anfang, als wir noch jünger waren, da ging es nicht so schnell voran, und wir mussten schauen, wo man hintritt, man fällt manchmal. Doch jetzt kann man schneller rennen, und das tun wir auch in unseren Aufgaben. Wir finden nun auch Sicherheit, was und wie etwas getan werden kann. Mit fünf Jahren kann man bessere Schritte machen als mit einem Jahr.

Interview: M. Nowak

Dieser Text erschien auf der Seite des Klosters Berlin in der zweiten Ausgabe 2018 unseres Ordensmagazins „Dein Reich komme“.

 

 

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