Seelsorge für den Stadtmenschen

Seit fünf Jahren macht das Herz-Jesu-Kloster Berlin „pastorale Experimente“ und ist mit neuen, innovativen Formaten recht erfolgreich.

Konterte in der Klosterkirche sind in der Berliner Kommunität fast "Normalität". (c)Nowak

Ein gewisses Herzklopfen haben sich die Patres Ryszard Krupa SCJ und Markus Mönch SCJ erhalten, wenn sie am Altar Besucher begrüßen. Nicht vor den Gottesdiensten in der Klosterkirche Mater Dolorosa. Das kleine „Lampenfieber“ tritt bei den beiden vielmehr vor besonderen Veranstaltungen und Aktionen des Herz-Jesu-Klosters auf. „Wir wissen nie, wie viele Besucher kommen“, sagt Pater Krupa. „Und ob das Format bei den Menschen ankommt“, ergänzt Pater Mönch. „Wir sind aber immer guter Dinge und lagen nie daneben“, sagen beide schmunzelnd. Seit fünf Jahren versucht die Ordensgemeinschaft, die Menschen in Berlin mit innovativen Angeboten anzusprechen – mit steigendem Erfolg. Kindergottesdienste mit Plüschtieren, Andachten für Singles, Wandertage im Brandenburger Umland oder Kneipengespräche über den Glauben – das Herz-Jesu-Kloster geht innovative Wege in der CityPastoral.

Nicht alle Aktionen des Klosters seien „kirchentypisch“, sagt Pater Mönch. „Aber gerade das wollen wir: Die Kirchenschwelle insbesondere auch für Menschen ebnen, die der Kirche nicht nahestehen.“ Das gehe vor allem mit neuen Formaten, was auch nicht immer ein leichtes Unterfangen war, erinnert sich Pater Krupa an die Anfänge des Klosters in Berlin. „Wir sind nach Berlin gekommen, um für die Menschen da zu sein“, sagt der Ordensmann. „Und das ganz bewusst im Osten der Stadt, wo die Katholiken in der Minderheit sind.“ Zunächst arbeitete das Kloster eng mit dem Erzbistum bei der sogenannten „Suchendenpastoral“ zusammen. „Wobei wir selbst die Suchenden waren“, erinnert sich Pater Krupa. Denn zuerst galt es, die Menschen kennenzulernen und nach Wegen zu suchen, wie man ihnen begegnen kann. „Wir wollten verstehen, was die Menschen bewegt, sie verstehen und ihnen eine Antwort aufzeigen, die aus dem Glauben an Jesus kommt“, sagt Pater Krupa.

Neue Formate für eine individuelle Seelsorge

„Wir versuchten es über die Kunst“, sagt Pater Mönch. „Denn Kunst öffnet die Herzen.“ Ob Konzerte in der Klosterkirche oder Theaterstücke in der Aula des Edith-Stein-Schulzentrums. Langsam sprach sich herum, dass sich im Innenhof der Greifswalder Straße 18 eine Art „Kulturkiezkloster“ etabliert. Hinzu kamen Versuche, auch außerhalb der Klostermauern Veranstaltungen durchzuführen. Doch hier sei der Wettbewerb in Berlin hart, erinnert sich Pater Mönch an das Ausbleiben von Gästen. Dennoch gaben die Herz-Jesu-Priester die Mission ihres Gründers Leo Dehon nicht auf. „Geht zu den Menschen“ sagte einst der französische Theologe, und so bietet Pater Krupa etwa monatliche Gespräche über den Glauben in einer Kiezkneipe an. „Wir wollen die Menschen treffen, wo sie sind. Und wenn es an der Kneipentheke ist“, sagt der polnische Pater. „Gerade junge Menschen kommen selten in die Kirche, sind dagegen oft abends in Bars.“

Als „gesetzt“ gilt das Kloster im Bötzowkiez beim jährlichen Straßenfest oder dem „lebendigen Adventskalender“. Dutzendfach waren die pastoralen Innovationen des Klosters in den Medien der Hauptstadt und sogar bundesweit. „Wenn die Kirche Tinder spielt“ lautete die Überschrift der „Welt“ über die Singles-Andachten im Februar oder „Prost, Priester! Die nächste Runde geht auf Gott“ schrieb die Boulevard-Zeitung „Berliner Kurier“ über die Reihe „Über Gott bei Gagarin“. Oft ist viel Augenzwinkern dabei. „Wie in manchen Flyern, mit denen wir uns neue Zielgruppen erschließen“, sagt Pater Krupa. „Wir müssen eine weltliche Sprache sprechen, um attraktiv zu sein.“ Denn neue Besucher werden nur selten über die „Vermeldungen“ im Gottesdienst angesprochen, so die Erfahrung.

Der Erfolg kann sich sehen lassen: Bei besonderen Konzerten wie der adventlichen Reihe „Jazz before Christmas“ ist die Klosterkirche mit bis zu 200 Besuchern restlos gefüllt, bei den geistlichen Wanderungen kommen zwischen 20 und 30 Personen mit, eine ähnlich starke Gruppe versammelt sich alle zwei Monate zu Taizé-Meditationen und bei Weinverkostungen. „Das zeigt, dass die Menschen offen sind für kirchliche Angebote, auch in einer solch bunten Stadt wie Berlin“, glaubt Pater Markus. Und so hören sie nicht auf, sich neue Formate auszudenken und sie auszuprobieren. Schon 2017 begannen sie „Mit der Bibel im Gepäck“ alle drei Monate zu wandern und merkten, dass viele Berliner den Jakobsweg in Brandenburg ebenso schätzen. In diesem Jahr soll es daher Zwei-Tagestouren durch die Mark geben. „Die Seelsorge ist bei uns ganz individuell“, sagt Pater Krupa. Und weil sie nicht wissen, wie ihre neuen Formate ankommen, bringen sie dieses gewisse „Lampenfieber“. Und das ist gerade das Besondere. 

Text: Markus Nowak

Dieser Text erschien auf der Klosterseite in unserem Ordensmagazin „Dein Reich komme“ in der Ausgabe 01/2018.

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