Pater Tarcisio Feldhaus SCJ und die Gemeinde portugiesischer Sprache engagieren sich für geflüchtete Familie

Geht zu den Menschen“ war die Maxime des Ordensgründers der Herz-JesuPriester, Leo Dehon. Seit dem Sommer 2015 wissen wir aber, dass Hundertausende Hilfs- und Schutzbedürftige zu uns kommen. Auch hier gilt das Gebot von Dehon, dachte sich Pater Tarcísio Darrós Feldhaus SCJ. Zusammen mit der Gemeinde portugiesischer Sprache in Berlin, die er als Administrator betreut, wurde der Herz-Jesu-Priester aktiv.

Pater Feldhaus übergibt Neman Beheshti den Wohnungsschlüssel. (c) SCJ

Seit zwei Jahren begleitet die Gemeinde eine Familie von Geflüchteten aus Afghanistan und hilft, wo sie nur kann. „Alle Menschen haben ihre Wür de, auch diejenigen, die Hilfe brauchen“, sagt Pater Feldhaus, der auch Rektor des Berliner Herz-Jesu-Klosters ist, über die Motive. Auch habe ihn der Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel, „Wir schaffen das“, inspiriert und angestoßen. „Wer schafft das? Auch wir als Kirche sind gefragt“, sagte sich der Ordensmann. Und da war noch Papst Franziskus' Aufforderung, jede Gemeinde möge eine Flüchtlingsfamilie aufnahmen.

Das haben sich die portugiesischsprachigen Katholiken in Berlin zu Herzen genommen. Vor rund zwei Jahren entstand der Kontakt über die Berliner Stadtmission zur Familie Beheshti. Die beiden Eltern Neman (41) und Farida (38) und ihr Sohn Morteza (11) sind damals aus ihrer Heimat in Herat am Hindukusch nach Berlin geflohen, weil sie um ihr Leben fürchteten. Der damals neunjährige Morteza wurde in seiner Heimat gekidnappt und die Eltern zur Lösegeldforderung aufgefordert. Neman war in Afghanistan Schuhmacher, seine Frau Farida Schneiderin und Teppichmacherin, sie konnten das Geld nicht aufbringen. Umso glücklicher waren sie, als ihr Sohn Morteza dann doch frei kam. Als aber ihr Haus zerstört wurde, beschlossen sie den langen und beschwerlichen Weg nach Europa auf sich zu nehmen.

Insgesamt waren die drei 80 Tage auf der Flucht und kamen traumatisiert in Deutschland an. Ende 2015 wurde ihnen ein Zimmer in einer Berliner Unterkunft zugeteilt. Die Gemeinde portugiesischer Sprache engagierte sich sogleich, damit die Familie eine neue Heimat findet. „Wir haben Kleidung gesammelt, Matratzen aus dem Klost er gespendet, auch Lebensmittel und für den Jungen Plüschtiere zusammengetragen“, erinnert sich Pater Feldhaus an die Hilfsbereitschaft seiner Gemeinde und der Berliner Kommunität. Mehr noch: „Aus der ganzen Provinz wurde für die Familie gespendet“, freut er sich. Die Familie wurde auch auf Behördengängen unterstützt und hat seit Frühjahr 2017 einen Aufenthaltstitel für drei Jahre. Auch bei der Suche nach einer neuen Bleibe half die Gemeinde, denn der enge Raum in der Unterkunft war zu klein für eine dreiköpfige Familie. Pater Feldhaus war bei mehreren Besichtigungsterminen dabei und weiß um die Strapazen bei der Wohnungssuche in Berlin.

„Manchmal waren 40 Interessenten bei einer Besichtigung“, sagt er. Doch dank der Unterstützung der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Maria De Lourdes Obert konnte er der Familie schließlich berichten: Wohnung gefunden! Sie liegt in einer Plattenbausiedlung in Hellersdorf. Beim Einzug im Herbst zeigten sich die Eltern froh, ein neues Zuhause gefunden zu haben, und auch ihr Sohn Morteza freut sich auf seine neue Schule. Er besucht die fünfte Klasse und spielt – wie viele Jungs in seinem Alter – gerne Fußball. „Unsere Unterstützung für Familie Behesti ist noch nicht zu Ende“, sagt Pater Feldhaus. Jetzt gehe es darum, dass das Ehepaar Deutsch lernt, Jobs findet und sich in die Gesellschaft integriert. Er blickt voller Stolz auf die letzten beiden Jahre. „Ich bin froh, dass wir es geschafft haben.“ In seiner Gemeinde hat er anfangs Unbehagen vor den Geflüchteten gespürt, wohl auch, weil sie Moslems sind.

„Ich wollte mit der Flüchtlingshilfe die Gemeinde frei machen von Angst“, erinnert sich der Ordensmann. Besonders freut er sich über einige Gesten der Familie, die er immer wieder beobachten konnte. So kommen die drei nach der Sonntagsmesse mal zum gemeinsamen Essen mit der Gemeinde oder erscheinen zum katholischen Gottesdienst und lassen sich von Pater Feldhaus segnen. „Sie haben großen Respekt vor uns“, weiß der Geistliche. Nachdem die Familie zusammen mit den Patres vergangenes Jahr den Weihnachtsabend verbracht hat, hörten die Ordensmänner Neman und Far ida sagen: „Ihr seid unsere Familie.“ Auch das motiviere ihn, sagt Pater Feldhaus. Und ergänzt: „Auch ich habe sie ins Herz geschlossen.

Text: Markus Nowak

Dieser Text erschien auf unserer Hausseite in der Ausgabe 04/2017 in unserem Ordensmagazin „Dein Reich komme“

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