„Im Umgang mit Behörden verstehen viele nichts mehr“

Jeden Montag öffnet sich die Tür im Hinterhof der Greifswalder Straße 18a für Menschen, die Rat suchen. Diesen können sie finden bei einem Gemeindemitglied der portugiesischsprachigen Gemeinde: Albertina Da Costa Gaspar

Albertina Da Costa Gaspar (c) Pater Mönch/SCJ

Frau Gaspar, was genau ist Ihr Aufgabenfeld in diesem Angebot der Gemeinde?

Albertina Da Costa Gaspar: Jeden Montag komme ich von Potsdam nach Berlin, um hier Gemeindemitglieder bei ihren Problemen zu unterstützen. Ich helfe beim Ausfüllen von Formularen, ich versuche den Menschen mit ihren Sorgen zuzuhören und wenn möglich einen Rat zu geben. Ich begleite Menschen zum Arzt oder auf eine Behörde und helfe ihnen dabei, Schreiben von Behörden, wie dem Jobcenter oder der Rentenkasse, zu verstehen.

Wo liegt die größte Schwierigkeit?

Viele Gemeindemitglieder haben Probleme mit der deutschen Sprache. Meist reicht es gerade so, um einkaufen zu gehen oder sich auf der Straße zu verständigen, aber im Umgang mit Behörden verstehen sie oft nichts mehr. Es gibt aber auch viele, die gar kein Deutsch können, da ist dieses Angebot besonders wichtig.

Wer kommt zu Ihnen?

Mittlerweile kommen Menschen aus allen Sprachgruppen unserer Gemeinde. Portugiesen, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, Afrikaner, die Wege zur Lösung von zwischenmenschlichen Schwierigkeiten suchen, und neuerdings auch Brasilianer, die sich hier beraten lassen, was sie tun müssen, um eine Aufenthalts und Arbeitsgenehmigung für Deutschland zu bekommen.

Geraten Sie da nicht sehr schnell an ihre Grenzen?

Ja, ich bin nämlich keine Sozialarbeiterin und kann nur in begrenztem Maße helfen. Wenn es nötig ist, habe ich aber Adressen von einem Rechtsanwalt und auch von Ärzten, an die ich dann verweise. Was viele nicht wissen, ist, dass ich meine Tätigkeit hier ehrenamtlich neben meinem Beruf einmal in der Woche ausübe, da bleibt nicht viel Zeit für eine aufwändige Betreuung oder Begleitung. Unterstützt werde ich da besonders durch unseren Pfarrer Pater Feldhaus, der während der Beratungsstunden auch immer ansprechbar ist.

Wie viele Menschen kommen denn zu Ihnen?

Das ist sehr unterschiedlich, aber so grob geschätzt sind es wohl 15 bis 30 Personen pro Monat an vier Terminen.

Wie sind Sie an diese Aufgabe gekommen?

Ursprünglich bin ich gefragt worden, ob ich ein Gemeindemitglied, dass sehr krank war, begleiten und unterstützen könne. Das hat gut geklappt, und daraus erwuchs dann dieses ehrenamtliche Angebot hier in der Gemeinde.

Woher kennen Sie sich aus im deutschen Paragrafen-Dschungel?

Ich habe Politikwissenschaften und vier Semester Jura hier in Deutschland studiert, leider konnte ich aber nicht in diesem Feld arbeiten. Dieser Hintergrund hilft mir heute sehr in meiner Beratungstätigkeit.

Welche Talente braucht man für so ein Angebot?

Um Menschen beraten zu können, muss man gut zuhören können, diskret sein und, wenn es nötig ist, auch mal ein ernstes Wort sprechen. Sonst kommen die Menschen nicht.

Worüber können Sie sich aufregen?

Wenn Menschen mir gegenüber nicht die Wahrheit sagen, mir wichtige Dinge verschweigen, dann breche ich schon mal die Beratung ab und sage auch meine Meinung. Was aber genauso schwer ist, sind Menschen, die nicht die nötige Geduld mitbringen. Manche Menschen denken, dass das Geld sofort fließt, sobald der Antrag fertig ausgefüllt worden ist. Aber so schnell arbeiten die deutschen Ämter leider nicht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass immer mehr Gemeindemitglieder die deutsche Sprache lernen oder zumindest verbessern, dass sie mehr Interesse zeigen, am Leben der anderen, die Deutsch sprechen, teilzunehmen. Ich würde mich auch freuen, wenn wir es schaffen könnten, weitere Hilfsangebote zu etablieren.

Sie engagieren sich daneben aber auch noch weiter für die Gemeinde?

Ja, das Gemeindeleben liegt mir sehr am Herzen. Ich habe mit anderen Frauen einen Frauentreff einmal im Monat ins Leben gerufen, an dem wir Frauen über uns und unsere Probleme ins Gespräch kommen. Aber es gibt noch viele andere Stellen, besonders bei den Angeboten für Jugendliche, wo wir noch mehr tun könnten. Herzlichen Dank und Gottes Segen für Ihre Arbeit!

Interview: Pater Markus Mönch SCJ

Dieser Text erschien in der 4. Ausgabe 2018 unserer Ordenszeitschrift „Dein Reich komme“.

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