Die Pfarrkirche Corpus Christi in neuem altem Klang

Nach zweieinhalbjähriger Renovierungszeit erklingt in der Kirche der Berliner Herz-Jesu-Priester wieder die über 90 Jahre alte Steinmeyer-Orgel

Beim Weihegottesdienst erklang die Orgel erstmals nach Jahren. (c)Nowak

Die Pfarrei Corpus Christi hat schon eine lange Geschichte: Gegründet wur- de sie 1904. Zehn Jahre nach der Gründung fiel die Pfarrkirche einem Brand zum Opfer. Danach wurde der Kirchenbau erweitert (1919 bis 1920). 1922 wurde der Hochaltar geweiht. Im Jahr 1944 wurde die Kirche durch eine Bombe teilweise zerstört. Nach dem Krieg – schon 1945 – konnte sie wieder benutzt werden, 1960 wurde sie renoviert. Woran sich einige sicher erinnern werden: Bis 1963 war die Pfarrkirche Corpus Christi zeitweise auch die Bischofskirche Berlins, in der drei Bischöfe geweiht wurden: Kardinal Bengsch sowie die Weihbischöfe Schräder und Theissing. Heute besteht die Pfarrei Corpus  Christi aus circa 7500 Katholiken. Dazu kommen die portugiesischsprechende Gemeinde in der Filialkirche Mater Dolorosa, die von Pater Tarcisio Feldhaus SCJ betreut wird, und die vietnamesische Gemeinde. Und es ist eine Gemeinde, die größer wird: Aus den vier Pfarreien St. Josef,  St. Georg, Hl. Kreuz und Corpus Christi wird eine neue große Pfarrei entstehen.

 

Am 10. Juni 2018 wurde die restaurierte Orgel der Pfarrei Corpus Christi in einem durch Erzbischof Heiner Koch geleiteten Festgottesdienst wieder geweiht. Es ist eine besondere Orgel, nicht nur für Berlin, sondern für Deutschland, ja ganz Europa. In der katholischen Zeitung Tag des Herrn kann man lesen, dass die Steinmeyer-Orgel in Corpus Christi „eine der wenigen vollständig erhaltenen und klanglich nahezu unveränderten Großorgeln aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ ist. „Die Substanz des Instruments ist original und war entsprechend restaurierungsbedürftig.“

Die Renovierungssorgen begannen schon vor langer Zeit. Die Gründung eines Orgelfördervereins 2001 war ein großer Schritt dahin. In den folgenden Jahren hat man dafür gesorgt, sowohl die Orgel als auch das Renovierungsprojekt bekannt zu machen. Im Jahre 2015 stimmte der Kirchenvorstand der Renovierung zu. Am 6. Dezember 2015, genau an ihrem 90. Weihetag, verstummte die Orgel. Die mit 4915 Pfeifen und 65 Registern ausgestattete Orgel kostete insgesamt 423.000 Euro. Die Gemeinde und der Förderverein haben sich mit etwa 23 Prozent beteiligt. Rund drei Viertel wurden von externen Förderern aufgebracht: den Bistümern Berlin und Köln, der Deutsche Stiftung Denkmalschutz, dem Landesdenkmalamt Berlin und der Bundesregierung. 

Für mich persönlich ist die Weihe der Orgel ein besonderes Erlebnis gewesen, denn seitdem ich als Pfarradministrator für Corpus Christi zuständig bin, ist die Orgel stumm gewesen. Und nun konnte ich sie erstmals in vollem Klang hören. Man muss die Orgel wirklich gehört haben, um zu erkennen, welchen Schatz die Pfarrgemeinde Corpus Christi hier hat. Viele Menschen haben sich dafür eingesetzt, dass die Orgel renoviert werden konnte. Die ganze Pfarrgemeinde und weitere Orgelfreunde, der Kirchenvorstand, der Förderverein der Orgel, das Erzbis tum Berlin, die vielen Staats- und Landesämter, die vielen Spender…

Nach dem Gottesdienst mit Erzbischof Koch am 10. Juni 2018 sagte Jörg Kortmann, Mitglied im Kirchenvorstand, und dem schließe ich mich gerne an: „Wir blicken nun dankbar auf einen sehr schönen und würdigen Abschluss dieses Projektes zurück. Es fand nach vielen Höhen und Tiefen, Enttäuschungen und Erfolgen, engagierten und teilweise zermürbenden Diskussionen bis hin zu zeitweisen Streitereien über die Vorgehensweise und letztlich viel beharrlicher Fleißarbeit und fachlich hervorragender Restaurierungsarbeit von Orgelbau Fleiter (und Firma Eisenschmid für den Spieltisch) nun ein Ende, auf das wir alle stolz sein dürfen.“ Ein großes Lob und tiefe Dankbarkeit allen, die beigetragen haben,

 dass „die Königin aller Instrumente“ wieder unsere Gottesdienste bereichern kann und dass sie auch vielfältig genutzt werden kann, zum Beispiel für Konzerte und Orgelführungen. Erzbischof Koch verglich die Orgel mit ihren 4951 Pfeifen mit der Gemeinde: Jede Pfeife – wie groß oder klein sie auch sei – ist unverzichtbar für die Orchestra. Genauso ist jedes Glied der Gemeinde wichtig für den guten und stimmigen Klang der Gemeinde.   

Pater Jacinto Weizenmann SCJ

Dieser Text erschien in der 3. Ausgabe 2018 unserer Ordenszeitschrift „Dein Reich komme“.

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