"Beweis für Vertrauen der Gemeinschaft"

Pater Tarcisío Darrós Feldhaus SCJ lebt seit 2009 in Deutschland und seit 2012 in Berlin. Während der Provinzratsitzung im Juni ist der Ordensmann zum 1. September erneut zum Rektor des Berliner Herz­Jesu­Klosters ernannt worden – im Interview spricht er über seine Aufgaben, Pläne und ein neues Auto im Berliner Kloster.

Als Hausoberer bestätigt: Pater Tarcisío Darrós Feldhaus. (c) Nowak

?: Pater Tarcisío, Sie wurden ein weite res Mal als Rektor des Berliner Herz-Jesu-Klosters ernannt. Wie wird man Rektor? Gibt es einen Wahlkampf?

!: (lacht) Es gibt keine offizielle Bewerbung. Der Ernennung ist eine Befragung der Mitbrüder vorangegangen. Und an den Ausgang hat sich der Provinzial gehalten. Wichtig: Befragung und Abstimmung sind geheim.

?: Es ist ja Ihre zweite Amtszeit…

!: …ja, ich sehe das als Beweis für Vertrauen der Gemeinschaft. Wenn sie mich wählen, heißt das, dass sie sich wohlfühlen.

?: Welche Pläne haben Sie für Ihre zweite Amtsperiode?

!: Meine Aufgabe ist es, auf unsere Mission hier in Berlin zu achten und unser geistliches Leben zu unterstützen. Unsere Arbeit und unsere Dienste in Berlin sind in verschiedenen Bereichen. Wenn etwas nicht gut läuft, muss ich als erstes mit dem Mitbruder sprechen. Komplizierter ist es, wenn mir Fehler unterlaufen. Darauf müssen mich die Brüder hinweisen.

?: Welche weiteren Aufgaben hat man als Rektor?

!: Es ist eine repräsentative Aufgabe, ein Rektor ist der Vorsitzende des Hauses und spricht im Namen des Klosters. Wir sind aber eine kleine Gemeinschaft und daher auch ein Team. So gehören alle zum Hausrat und entscheiden oft dann mit. Etwa beim Thema Auto …

?: … das Sie vor ein paar Wochen angeschafft haben …

!: Ja, es ist ein acht Jahre alter Gebrauchtwagen. In anderen Häusern entscheidet der Rektor und der Hausrat. Bei uns machen wir das gemeinsam, es ist offen.

?: Wie muss man sich so etwas vorstellen? Wird da über die Karosseriefarbe diskutiert?

!: (lacht) Zum Wohl der Gemeinschaft ist es gut, dass alle einverstanden sind.

?: Welche Bedingungen gibt es, um Rektor zu werden?

!: Im Prinzip kann jeder Pater Rektor sein. Seine Gelübde sollte er aber vor mindestens zehn Jahren abgelegt haben. Man sollte offen sein, um ins Gespräch zu kommen. Wenn jemand zu streng ist, dann geben die Mitbrüder ihm keine Stimme.

?: Wie klappt der Austausch mit  anderen Kommunitäten? !: Wir haben einmal im Jahr Rektorenkonferenz. Da kommen die Vertreter der Häuser zusammen. Zur Zeit diskutieren wir eine Zentralisierung von Aufgaben. Die Frage ist, wie wir unsere Struktur verbessern können, etwa durch einen Ökonom, der für die Häuser zuständig ist. Derzeit ist bei uns Pater Ryszard Krupa SCJ Hausökonom. Die Rektoren besprechen auch, wenn es um die Sanierung der Häuser geht.

?: Was steht bei Ihnen im Berliner Kloster in der nächsten Zeit an?

!: Momentan sind wir mit den Umstrukturierungen des Bistums beschäftigt, also dem Prozess  „Wo Glauben Raum gewinnt“. Da müssen wir noch sehen, welche Aufgabe wir übernehmen können und werden. Die Pfarrei Corpus Christi und die Kirche Mater Dolorosa, die wir unsere Klosterkirche nennen, sind derzeit unsere Arbeitsplätze. Mit dem Projekt „Suchendenpastoral“ werden wir weitermachen, innerhalb der neuen Pfarrstruktur. Eine große Herausforderung ist der
 ausbleibende Nachwuchs. Wir sind derzeit vier Priester. Wenn wir keine neue Berufung haben werden, dann sind wir abhängig von ausländischen Priestern. Jetzt schon sind wir drei ausländische Patres und ein Deutscher. Auch wenn wir uns ganz selbstverständlich als internationales Projekt verstehen, macht uns das natürlich Sorgen, denn es geht um die Zukunft.

?: Wie versuchen Sie, Menschen für das Ordensleben zu gewinnen?

!: Wir haben etwa unsere geistlichen Wanderungen. Das ist eine Möglichkeit, mit interessierten Menschen ins Gespräch zu kommen. Wenn unser Wirken hier, unsere Mission, bedeutungsvoll ist, dann können wir andere Menschen dafür interessieren. Das ist eine Herausforderung, denn in Berlin ist das Angebot groß. Wir wollten daher von Anfang an in einer Pfarrei arbeiten, denn da kommen wir in Kontakt mit Familien und können Nachwuchs für unsere Lebensform begeistern. Aber es braucht auch ein Zutun vom Heiligen Geist.

?: Bei Ihrer Aufzählung haben Sie  etwas vergessen: die portugiesischsprachige Gemeinde, deren Pfarrer Sie sind.

!: Stimmt. Offiziell sind wir gut 2600 Mitglieder. Es sind aber sicher mehr, denn viele sind in einer „deutschen“ Gemeinde registriert. Als Gemeinde sind wir eingeladen und auch dabei, wenn es im Bistum etwa eine gemeinsame Feier der fremdsprachigen Gemeinden gibt. Die portugiesischsprachige Gemeinde ist bunt und lebendig. Auch die „deutsche“ Gemeinde findet das gut. So hat diese selbst vorgeschlagen, dass wir die Muttergottes von Fatima statt der Mater Dolorosa nach der Sanierung in der „Klosterkirche“ aufstellen. Das ist eine Anerkennung.

?: Welche Bedeutung hat die  Gemeinde?

!: Die Gemeinde ist für viele Menschen eine Heimat in der Fremde.  Unsere Kirche und die Gottesdienste sind ein Ort, wo alle Portugiesisch sprechenden Katholiken zusammenkommen können. Manchmal ist das nicht ganz einfach, weil die portugiesischsprachige Welt viele Kulturen vereint. Aber wir sind für alle offen.

?: Haben Sie manchmal Heimweh?

!: Ich habe nicht so sehr Heimweh wie andere brasilianische Mitbrüder in Deutschland. Ich bin an einem Ort und sehe das als mein Haus an. Ich bin hier und finde, mein Kopf sollte auch hier sein und nicht in Brasilien.

?: Sie fühlen sich in Berlin wie an der Copacabana?

!: Das ist vielleicht etwas übertrieben. Es gehört aber zu unserer Art zu leben, dass wir uns nicht an einen Ort zu sehr binden. Und ja, ich fühle mich sehr wohl hier in Berlin.  

Interview: Markus Nowak

Dieser Text erschien in unserem Ordensmagazin "Dein Reich komme"

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