Der Ordensgründer | Pater Leo Dehon SCJ

Ein Mensch mit viel Herz und Verstand

Er war ein kluger Kopf, reiste gern, hätte Rechtsanwalt werden sollen, und immer stellte sich alles Mögliche quer gegen seine Pläne: Leo Dehon. Wer ist dieser Mensch, der unsere Ordensgemeinschaft gegründet hat?

Flegeljahre

1843 wird Leo Dehon in La Capelle (Nordfrankreich) geboren. Der Vater: ein angesehener Gutsbesitzer, der mit der Kirche wenig zu tun haben will. Die Mutter: eine fromme Frau, die sich im Wohltätigkeitsverein der Pfarrgemeinde einsetzt. Leo besucht die Dorfschule und ist in dieser Zeit ein schwieriger Junge; "eitel, jähzornig, weichlich und faul", so sagt er selbst im Rückblick.

Internat mit Folgen

Seine Teenager-Jahre (von 12 bis 16) verbringt Leo Dehon in einem christlichen Internat. Hier findet er gute geistliche Begleiter. Zwei Exerzitien (Besinnungstage) bringen mehr Klarheit in seine Lebensplanung. Dazu ein Weihnachtsfest, das ihn innerlich packt: "Unser Herr muss mich damals wirklich an sein Herz genommen und mit Zärtlichkeit erfüllt haben." Er beschließt, Priester zu werden.

Das erste große Nein

Sein Vater besteht aber auf einem Jura-Studium. Leo soll Richter oder Rechtsanwalt werden. Er geht zum Studium nach Paris und gleicht sein Bedürfnis nach einem religiösen Leben aus, indem er sich zwei Gemeinschaften anschließt: Die eine übt sich im Einswerden mit Jesus, die andere diskutiert, ob es eine "christliche Demokratie" geben kann. Grundzüge der katholischen Soziallehre werden in dieser Professoren- und Studentenrunde entwickelt.

Reiselust

Die Idee zum Priesteramt, so meint der Vater, könnte er seinem Sohn am besten mit dessen Reiselust aus dem Kopf schlagen. So spendiert er ihm eine Orientreise zum Studienabschluss. Diese Reise führt Leo unter anderem ins Heilige Land - dadurch wird sein Entschluss, Priester zu werden, nur noch gefestigt. Diese Entscheidung ist auch der Mutter zu viel des Guten.

Priesterseminar in Rom

Gegen den Widerstand der Eltern geht Leo Dehon nach Rom ins Priesterseminar. Dort holt sich der begabte junge Mann neben seinem Doktor in Jura, den er schon hat, noch Doktortitel in Philosophie, Theologie und Kirchenrecht. Noch prägender als die fachliche Ausbildung sind aber wohl die mystischen und spirituellen Erfahrungen, die er in diesen Jahren macht. Übrigens erlebt Leo Dehon auch als Stenograf das Erste Vatikanische Konzil mit.

Kaplanstelle im Industrieort St. Quentin

Mit 25 Jahren (1868) wird Leo Dehon zum Priester geweiht. Er denkt manchmal daran, in einen Orden einzutreten, findet aber nicht das Richtige. Hinzu kommt der Deutsch-Französische Krieg 1870/71, der wenig Spielraum lässt. Er betreut Soldaten. 1871 dann wird er als Kaplan nach St. Quentin geschickt. "Das war absolut das Gegenteil von dem, was ich seit Jahren gewünscht hatte!" Nichts mit einem Leben der Sammlung und des Studiums.

Ausbeutung und Elend: Die Stadt St. Quentin konfrontiert Leo Dehon mit der bitteren Realität der Arbeiter. Sie schinden sich unter anderem in Baumwollwebereien. Unfall-, Kranken- und Rentenversicherung sind noch Fremdworte. Die Löhne schwanken, die Hütten sind armselig, Krankheit und Alkoholismus die Folge. 30.000 Katholiken gehören zu Dehons Pfarrei, doch kaum einer kommt in die Kirche.

Wegschauen oder ankämpfen? Zunächst zögert der junge Kaplan, sich auf all diese sozialen Probleme einzulassen. Doch dann tut er es mit umso größerem Tatendrang. Leo Dehon ist ein sensibler Beobachter, scharfer Analytiker und strategischer Planer. Und gleichzeitig ist er einer, der mit ganzem Herzen Anteil nimmt. All das kommt ihm zugute bei den vielen Projekten, die er nun in Angriff nimmt.

Vom Wohnheim bis zur Zeitung: Leo Dehon gründet eine Tagesstätte für Kinder und Jugendliche, von denen viele in dieser Umgebung verwahrlost herumhängen. Hinzu kommt ein Haus der Arbeiterfamilien. Leo Dehon gründet eine Zeitung, schreibt in vielen Blättern, redet auf sozialpolitischen Kongressen, leitet einen Kreis zum Studium sozialer Probleme. Kurzum: Er stellt sich den Problemen der Industrialisierung, die mit ihren schlimmsten Auswirkungen gerade voll in Gang ist.

1877: Die Ordensgründung

Kaplan Leo Dehon lädt sich mit all dem fast zuviel auf. Er merkt, dass die religiöse Besinnung und die eigene Weiterbildung zu kurz kommen. Immer stärker wird sein Wunsch, als Ordensmann zu leben. Andererseits will er seine Arbeiter nicht im Stich lassen. Schließlich kommt ihm die Idee, beide Ziele zu verbinden und einen Orden mit sozialem Auftrag zu gründen. Die Pläne kommen ihm zunächst selbst als "eine verrückte Tollkühnheit" vor.

Leo Dehon zieht sich 1877 zurück und schreibt eine Ordensregel. Ein Jahr später legt er Gelübde ab. Sein Vorhaben ist von Rom genehmigt. Nun gesellen sich zwei Novizen hinzu, verlassen das Projekt aber bald wieder. Später kommen neue und beständigere Mitbrüder. Aber Dehon hat trotzdem meist nichts als Stress: gesundheitliche Probleme, finanzielle Sorgen, und dann brennt auch noch das Johannes-Kolleg zur Hälfte ab, ein Internat, das er aufgebaut hat.

1883 Verbot des Ordens und Neugründung

Zu allem Überfluss macht Leo Dehon noch einen Fehlgriff mit einem seelisch kranken Pater, den er in seine Ordensgemeinschaft aufnimmt. Dessen "Offenbarungen" und dazu noch eigenartige "Eingebungen" mancher Ordensschwestern, die Leo Dehon nahestehen, schüren in Rom die Skepsis: 1883 erfolgt das Aus. Sein Orden wird verboten. Für Leo Dehon bricht erst einmal alles zusammen.

Leo Dehon empfindet es wie eine Auferstehung: Er darf seine Gemeinschaft neu gründen und nennt sie jetzt "Herz-Jesu-Priester". Im Nachhinein sehen die Entscheidungen aus wie ein Fingerzeig Gottes. Leo Dehon und seine Mitbrüder kehren mit ihrer Herz-Jesu-Spiritualität wieder auf ein gesundes Fundament zurück, der soziale Auftrag rückt wieder stärker in den Mittelpunkt.

Eine Idee geht auf

Für den Rest seines Lebens muss Pater Leo Dehon ständig um sein Werk kämpfen. Kritik wird ihm von allen Seiten um die Ohren gehauen. Denn das Frankreich seiner Zeit ist geradezu fundamentalistisch antikirchlich und antiklerikal - Geistliche werden angefeindet. Zudem ist manch ein "normaler" Priester neidisch auf Dehons Projekt. Auch schleichen sich immer wieder falsche Brüder in die Ordensgemeinschaft ein.

Trotzdem wächst die Gemeinschaft, entstehen Projekte im Sinne Dehons und bekommt die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester schließlich eine weitere Dimension: Ende der 1880er-Jahre kann Pater Leo Dehon die ersten Missionare aussenden. Sie gehen in den Kongo, nach Brasilien, nach Ecuador, nach Finnland, Südafrika und Kamerun. 1925, im Alter von 82 Jahren, stirbt Leo Dehon. Sein Geist und sein Wahlspruch "Dein Reich komme" prägen die Ordensgemeinschaft bis heute.

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