Priesterweihe | von Volker Kreutzmann
„Ich bin fix und fertig, aber sehr glücklich“: Volker Kreutzmann nach seiner Priesterweihe.

Aus dem „Scheuersack“ ins Kloster

Eine halbe Stunde steht er vor der dicken braunen Holztür, klingelt. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn Volker Kreutzmann damals am 1. September 2008 wieder kehrt gemacht hätte. „Ich dachte mir, ich bin 700 Kilometer von Molbergen nach Freiburg gereist, jetzt fährst Du nicht wieder weg“, erzählt der Herz-Jesu-Priester. Es ist die Geschichte vom Tag, als er in den Orden eintrat. Seine Geschichte.

Heute, fast sechs Jahre später, sitzt er in einem Zimmer des Handruper Herz-Jesu-Klosters, die Beine von sich gestreckt, ein Glas Wasser vor sich. Vor ein paar Stunden hat sich etwas in Volkers Leben verändert. Das, was vor seinem Namen steht: Aus dem Frater ist ein Pater geworden. Zum Priester geweiht zu werden, wie fühlt sich das eigentlich an? „Ich bin fix und fertig, aber sehr glücklich“, sagt er und lächelt. Noch in der vergangenen Woche sei er an „einem geheimen Ort“ abgetaucht. Exerzitien. Sich innerlich vorbereiten auf das, was da kommt. Versuchen, sich zu konzentrieren, ruhiger zu werden. Doch die Aufregung vor dem „großen Tag“, die gehöre auch irgendwie dazu, meint er. Gestern Abend sei bereits ein wenig „Last“ von ihm abgefallen, nachdem sie den Ablauf der Messe geprobt hätten. 

Weihbischof Johannes Würbe spendete das Sakrament der Priesterweihe.

Die Messe, sie begann um zehn Uhr am Morgen. Über 120 Gäste versammelten sich in der Herz-Jesu-Kirche, die neben dem Gymnasium Leoninum liegt. Auch der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe hat hier sein Abitur gemacht. Für ihn bedeutete dieser Tag eine Premiere: Zum ersten Mal spendete er das Sakrament der Priesterweihe. Es brauche Mut für die Entscheidung, sein Leben Gott zu weihen, sagte er in seiner Predigt. Er ermutigte Volker zu dieser „besonderen Aufgabe“, den Glauben nicht für sich selbst zu leben, sondern für die anderen: „Ihnen wird das Geschenk zu teil, die Menschen zu begleiten in allen Lebenslagen.“ Wer Priester werden wolle, müsse heute auch mit „Unverständnis“ rechnen, fügte er hinzu: „Warum bist Du Ordensmann, Pater geworden? Du bist doch so vernünftig.“ Deshalb dankte er besonders denen, die Volker auf seinem Weg begleitet, bestärkt und unterstützt haben.

Viele dieser Wegbegleiter waren gekommen, um Volkers Priesterweihe persönlich mitzuerleben. Darunter auch Schwester Constanze Silies, die ihn schon kannte, als er nur 1,40 Meter groß war. Seit der fünften Klasse bis zum Abitur war sie seine Erzieherin. Lange Jahre leitete die Thuiner-Schwester das Internat des Gymnasiums, das Volker als einer der letzten Schüler besuchte, bevor der Orden es 1999 schloss. Damals war er ein „ganz zarter, schüchterner Junge, sehr brav und auch schon sehr fromm“, erinnert sie sich. Als sie die Einladung zu seiner Priesterweihe in den Händen hielt, freute sie sich sehr. Aber es sei auch gut, dass er sich Zeit gelassen habe mit seiner Entscheidung: „Ich habe mir schon damals gedacht, der muss nochmal durch den Scheuersack, die Welt entdecken, was erleben.“

Ein Rat, den sich Volker Kreutzmann zu Herzen nahm: Nach dem Abitur zog er nach Frankfurt am Main, um an der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen Theologie zu studieren. Damals entschied er sich gegen das Priesterseminar oder ein Noviziat. „Es war klar, ich wollte was mit Theologie machen.“ Aber was genau, wusste er noch nicht. Seine Berufung sei erst langsam in ihm gereift, erzählt er heute. Es gab kein Schlüsselerlebnis, sondern „viele kleine Momente“, die ihm zeigten, dass ihn das Priestersein erfüllen könnte. 

Nach seiner Priesterweihe legt Volker erst einmal eine Pause ein, bevor er dann sein Referendariat beginnen möchte.

Erst nach dem Studium zog es ihn dann ins Kloster und zu den Herz-Jesu-Priestern. „Ich kannte die Leute noch von Schulzeiten, wusste, was auf mich zu kommt“, erklärt er seine Entscheidung in den Orden einzutreten. Es folgten Postulat, Noviziat, Praktika in der Schule, in einer Behinderteneinrichtung, in einer Gemeinde und das Diakonat. Nebenher studierte er Geschichte auf Lehramt. Im Herbst möchte er sein Referendariat beginnen. Lehrer - das könne er sich gut vorstellen, genauso wie Gemeindepfarrer, sagt Volker Kreutzmann. Mit den Menschen beten. „Das ist genau das, was ich machen will.“