Der Weg in den Orden | Interview mit unserem Novizenmeister
Die deutsche Ordensprovinz hat einen brasilianischen Novizenmeister: Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ. Foto: scj

„Es lohnt sich, Ordensmann zu sein“

Er mag das Stadtleben, Schweden-Krimis und den deutschen Genitiv: Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ begleitet als Novizenmeister und Ausbildungsleiter den Nachwuchs der deutschen Ordensprovinz. Sehr jung – im Alter von 16 Jahren – ist der Brasilianer den Herz-Jesu-Priestern beigetreten. „Ich habe immer gedacht: Wenn morgen etwas anders ist, dann gehe ich wieder weg“, erinnert er sich. Warum er blieb und das Ordensleben ihn heute immer noch glücklich macht und wieso er von den Studenten, die mit ihm im Herz-Jesu-Kloster in Freiburg leben, viel lernen kann, erzählt der 41-Jährige im Interview.

Pater Levi, Sie sind Novizenmeister. Das Wort klingt hochtrabend...  

Eigentlich mag ich es nicht. Meister – das heißt doch: Derjenige kennt sich aus. Ein Novizenmeister ist ein sehr erfahrener Mann, hat spirituell schon viel erlebt. Als ich hörte, ich soll das werden, da habe ich mir zuerst Sorgen gemacht. Ich fühle mich gar nicht so erfahren. Ich bin immer noch am Lernen, obwohl ich jetzt schon zehn Jahre Priester bin und auch einiges erlebt habe. Ich komme aus Brasilien, da sind die meisten Novizenmeister Ordensmänner, die schon über 50 oder 60 Jahre alt sind. 

Wie kommt es eigentlich, dass Sie nach Deutschland gekommen sind?

Zwischen der deutschen und brasilianischen Ordensprovinz gibt es eine Partnerschaft. Früher gingen deutsche Herz-Jesu-Priester nach Brasilien, um den Orden dort zu verankern und zu missionieren. Heute ist es umgedreht: Mitbrüder aus Südamerika kommen, um hier zu leben und zu arbeiten. Es gibt ja viele Deutschstämmige in meiner Heimat. Die Idee ist, dass sie Deutsch schneller lernen können, weil sie bereits Vorkenntnisse der Sprache besitzen. Ich habe keine deutschen Vorfahren. Deswegen habe ich auch gar nicht damit gerechnet, dass ich gefragt werde. Doch einen Monat nach meiner Priesterweihe hat mich der Provinzial angerufen: „Hast Du Lust?“ Ich war so stolz, dass er mir das zugetraut hat. 

Und Ihre Familie, was hat die dazu gesagt, dass Sie auswandern wollen?

Sie war entsetzt. Meine Mama ist eine sehr einfache Frau. Sie weiß nicht genau, wo Deutschland liegt. Wenn man ihr sagt, ich gehe in den Irak, nach Afghanistan oder nach Deutschland, dann ist das ein- und dasselbe für sie. Oder wenn sie im Fernsehen sieht, dass es Gewalt in der Ukraine gibt, dann denkt sie, das ist in Deutschland. Mein Papa kennt sich besser aus.

Wie war es dann, als Sie in Frankfurt gelandet sind? Was war Ihr erster Eindruck von Deutschland?

Mein Gott, wie kalt. Es war März – in Brasilien ist das ein heißer Monat. Also rein in den Flieger bei 30 Grad plus, raus bei Minustemperaturen und mit dicker Jacke. 

Der kleine Levi (links) mit seinen Geschwistern. Foto: privat

Jetzt wohnen Sie in Freiburg, im Ausbildungskloster des Ordens. Wer lebt denn alles mit Ihnen unter einem Dach?

Einerseits die deutschen Mitbrüder. Andererseits die Studenten, die bis auf einen alle aus dem Ausland stammen – aus Brasilien, Kamerun, dem Kongo oder auch aus Indien. Seit vergangenem Jahr ist unser Kloster in Freiburg ein internationales Ausbildungshaus. Das heißt, junge Mitbrüder aus aller Welt können hier bei uns in Freiburg die Sprache lernen und Theologie studieren. Alle haben bereits ihr Noviziat im Orden absolviert und befinden sich im Scholastikat, die nächste Phase in der Priesterausbildung. 

Was sind Sie ganz genau für Ihre Schützlinge: geistlicher Mentor, älterer Bruder, Vaterersatz oder strenger Lehrer?

Ich denke ein passendes Wort wäre vielleicht Begleiter. Wir diskutieren im Kloster über Theologie, über Probleme der Kirche. Die spirituellen Themen habe ich immer vor Augen: Wie können wir hier unseren Glauben leben? Wie beten wir gemeinsam? Aber natürlich ist mir die persönliche Ebene mit den Studenten auch wichtig. Ich versuche mir, für jeden einzelnen Zeit zunehmen. Der strenge Lehrer? Das bin ich nicht, aber ich kann auch mal streng sein, wenn ich muss. „Leute, diese Aufgaben sind liegen geblieben. Wer ist dafür zuständig?“ Ich war lange Jahre Schulseelsorger in unserer Schule in Handrup. Wenn ich vor einer Klasse stand, dann wollte ich respektiert werden – und genauso den Schülern Respekt entgegenbringen. Mit den Studenten ist es hier nicht anders. Das Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz schaffe ich, glaube ich, ganz gut. Und Gott sei Dank habe ich auch die Fähigkeit, mich zu entschuldigen, wenn ich einen Fehler gemacht habe. 

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