Unsere Häuser
Eine Rheinvilla als Kloster?

- Das Provinzialat in Bonn ist kein Ausdruck von Prunksucht, sondern wurde in den Kriegswirren zur Zuflucht. Fotos: Ekkehard Winkler
„Eine Villa im Park am Rhein? Wie kann das ein armes Kloster sein?“ Zum 100-jährigen Jubiläum der Deutschen Ordensprovinz soll die Geschichte des Hauses in der Bonner Simonstraße 13, Stadtteil Oberkassel, erzählt werden.
Während des Nazi-Regimes wurden die Klöster der Provinz im „Klostersturm“ teils illegal enteignet. Auch dem Haus der Theologiestudenten in Bendorf, dem „Johanneskolleg“, drohte dieses Schicksal. Deshalb kaufte Steuerberater Rudolf Behrle 1939 nach Absprache mit der Provinzleitung die „Villa Hüser“ in Oberkassel und verpachtete sie an die Provinz. So konnte sie als Privateigentum nicht enteignet werden. Dorthin sollten die Theologiestudenten gegebenenfalls umziehen. Daher erhielt auch die Villa den Namen „Johanneskolleg“.
Nach Kriegsbeginn und der Einziehung der Theologiestudenten zur Wehrmacht wurde das Haus vor allem für alte Mitbrüder, die von den Nazis aus anderen Häusern vertrieben wurden, genutzt. Die Geschichte der Villa ist eng mit der Firma Hartwig Hüser und Söhne (Alfred und Hugo) verbunden. Der Unternehmer Hartwig Hüser hatte 1870 für die industrielle Herstellung von Betonwaren (Zementrohre, Gehwegplatten, Bordsteine) in der Simonstraße die „Hüsesch Fabrik“ errichtet. Später wurde das Unternehmen zum Norden Oberkassels hin erweitert. Die Firma errichtete Brücken, Fabrikanlagen, Wohnbauten und Schwimmhallen. Hüser baute sich um 1900 die Villa nahe dem Rhein. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde sie 1939 verkauft. So kam das Anwesen in den Besitz der Provinz, die es erst 1947 rechtlich erwarb.
Schüler, Studenten und Seelsorger fanden Platz in der Villa
Weil das Haus Bendorf nicht enteignet wurde, zogen 1939 Novizen in das Haus in Oberkassel ein. Im Krieg diente es als Einquartierung, Truppenarztrevier, Zahlmeisterei und Seelsorgehaus. Nach dem Krieg zogen „Schüler“, die aus dem Krieg zurückkamen, ein, um von dort aus das Aloysiuskolleg der Jesuiten zu besuchen. Zudem diente es Bonner Theologiestudenten. Als der spätere Generalobere Pater Alfons Lellig 1952 Provinzial wurde, verlegte er seinen Amtssitz in die Villa, wo das Provinzialat sich heute noch befindet.
„Eine Villa im Park am Rhein? Wie kann das ein armes Kloster sein?“ Nicht Prunksucht, sondern die Not spielte der Provinz dieses schmucke Anwesen in die Hände.
Pater Bernd Bothe SCJ
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