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"Aufbrechen! Mehr Zutrauen! Kopf hoch!"

- Fotos: Ekkehard Winkler
Pater Dr. Heiner Wilmer SCJ ist der neue Provinzial der Herz-Jesu-Priester in der Deutschen Ordensprovinz. Ein Gespräch kurz nach seinem Amtsantritt im August 2007 über seine Pläne, die Bedeutung der Mission und unsere Schüchternheit im Umgang mit dem Glauben
?: Was waren Ihre ersten Gedanken, nachdem Sie von Ihrer Ernennung erfahren haben?
!: Eine Mischung aus einem mulmigen Gefühl und einer tiefen Dankbarkeit dem Vertrauen gegenüber, das die Mitbrüder offensichtlich haben. In dem Moment war mir auch klar, dass sich mein Leben jetzt verändern wird.
?: Was hat sich schon verändert?
!: Ich bin in Handrup neun Jahre lang Schulleiter gewesen. Das war eine Aufgabe, die mich sehr erfüllt hat. Ich bin im Emsland geboren und über verschiedene Stationen wieder hierher zurückgekommen. Ich kenne die Menschen, die Mentalität, alle wichtigen Anlaufstellen. Davon werde ich mich lösen müssen. Ich mache das mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ich finde es faszinierend, mit jungen Leuten zu arbeiten und zu leben. Das werde ich in den nächsten Jahren wohl zurückstellen. Andererseits freue ich mich auf die neue Aufgabe. Es kann losgehen, und ich bin guten Mutes.

- "Ich bin überzeugt, dass mir der Glaube auch messbar etwas bringt: Der gläubige Mensch lebt deutlich entspannter, nicht so verbissen"
?: Was sind Ihre Pläne für die erste Zeit?
!: Wie für meine Vorgänger bleiben unsere Quellen und Ursprünge auch für mich eine bleibende Herausforderung: Wer sind wir? Woher kommen wir? Was würde Pater Leo Dehon heute tun in einer Gesellschaft, die immer säkularer und globalisierter wird? Es ist hochinteressant, dass in Deutschland durchaus ein Bedürfnis nach Religiosität vorhanden ist. Diese Sehnsucht mit dem Geheimnis des Lebens und mit Gott in Verbindung zu bringen, dem würde ich gern stärker nachspüren. Und mir ist diese Art Kontemplation wichtig für die Zukunft unserer Provinz, wenngleich wir keine kontemplative Ordensgemeinschaft sind: in uns gehen, Zeit haben zum Gebet, zur Stille, um dann mit größerer Ausgeglichenheit die Dinge anzugehen.
"Pilgern heißt: Ich breche auf, ich mache mich auf zu neuen Ufern.
Das finde ich spannend"
?: Sie müssen ja aber auch offensiv sein: Der Altersdurchschnitt in der Deutschen Provinz ist hoch, es fehlt an Nachwuchs.
!: Genau. Da ist für mich ein zweiter Begriff wichtig – das Pilgern. Pilgern heißt: Ich breche auf, ich mache mich wie Abraham auf und breche zu neuen Ufern auf. Das finde ich spannend. Ich meine, dass das Wort Jesu für uns heute eine Einladung ist, Dinge nicht so verbissen zu sehen. Beim Thema Glauben sind wir heute wahnsinnig schüchtern, fast verklemmt, und tun uns schwer, uns zu artikulieren. Da würde ich gern ran. Ich möchte Mut machen und sagen: Aufbrechen! Mehr Zutrauen! Kopf hoch! Ich bin überzeugt, dass mir der Glaube auch messbar etwas bringt: Der gläubige Mensch lebt deutlich entspannter, nicht so verbissen. Am Ende des Tages kann er sagen: Gott, ich habe mein Bestes gegeben, jetzt bist du dran. Das heißt, ich trete in Distanz zu mir selbst und schaffe ganz nebenbei Raum für Humor. Schön wäre, wenn wir auf diese Art junge Menschen gewinnen für die Nachfolge Christi und natürlich auch speziell für die Nachfolge Christi in unserem Orden.
"Das Evangelium mit den Talenten gibt mir zu denken": Seite 2 des Interviews mit Pater Dr. Heiner Wilmer SCJ
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