Unsere Häuser
"Das ist manchmal echte Knochenarbeit"
Pater Andreas Pohl SCJ arbeitet als Exerzitienfachmann und erzählt von seinen Erfahrungen mit den geistlichen Übungen

- Exerziten mit Pater Pohl
Die Seelsorge ist für die Herz-Jesu-Priester eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Allerdings kann diese Aufgabe auf ganz unterschiedliche Art angegangen werden. Das mag Arbeit in der Gemeinde bedeuten oder das Wirken im Krankenhaus. Einer ganz eigenen Art von Seelsorge widmet sich Pater Andreas Pohl SCJ: Er ist Exerzitienfachmann.
Tun, was der Pfarrer in der Gemeinde nicht tun kann
Wanderexerzitien und Exerzitien im Alltag. Vortragsexerzitien und Einzelexerzitien. Zwei Tage lang oder eine Woche. Schweigend oder mit Gespräch: Es gibt unzählige Formen von Exerzitien, also geistlichen Übungen. Manchen sind neu entdeckt worden, manche waren schon immer da. Pater Andreas Pohl SCJ ist seit fast 16 Jahren Exerzitienbegleiter – und entdeckt die Übungen doch immer wieder neu.
Bereits in der Kindheit hatte sich bei Pater Pohl die Begeisterung für Meditationen und Betrachtungen geregt, schon früh schien ein gewisses Angezogensein von geistigen Übungen vorhanden. Später fasste er den Entschluss, Ordenspriester zu werden. Für seine Aufgabe hatte er sich eines fest vorgenommen: "Ich wollte das tun, was der Pfarrer in der Gemeinde nicht tun kann. Ich wollte den Menschen noch etwas anderes geben und so auf eine andere Art mithelfen, das Wort Gottes weiterzugeben." Die klassische Gemeindearbeit schien für Pater Pohl damit auszuscheiden, nach seiner Zeit als Kaplan in Osnabrück hatte sich dieser Entschluss verfestigt. "Ich glaube, man spürt für seinen Dienst eine ganz persönliche Art von Berufung. Für mich galt diese Berufung der Exerzitienarbeit – und sie gilt natürlich noch heute", erzählt Pater Pohl.
Ist der Exerzitant nicht offen, nützt die größte Empathie nichts
Exerzitien sind geistige Übungen. Es geht in erster Linie darum, sich selber vor Gott zu bringen. Was heißt das? Zunächst einmal, dass der Mensch so offen wie möglich ist. Natürlich soll diese Offenheit bei christlichen Exerzitien letztendlich auf Gott ausgerichtet sein. Doch zu Beginn muss eine prinzipielle Offenheit gegeben sein: für Musik, die Mitexerzitanten, den geistlichen Begleiter, die Texte. Dabei ist eines wichtig, so Pater Pohl: "Je besser ich mich kenne, je mehr ich mir meiner Grenzen und Beschränktheiten, aber auch Stärken und Wünschen bewusst bin, desto besser kann ich mich so vor Gott bringen, wie ich bin." Diese Selbsterkenntnis ist eine der wichtigsten Voraussetzungen. Pater Pohl empfiehlt schon im Vorfeld erste Einübungen zu machen. Das können Bildmeditationen, Schriftbetrachtungen oder etwas Ähnliches sein.
Warum aber sollte man Exerzitien überhaupt machen? Pater Pohl zitiert als Antwort drauf sinngemäß einen Spruch der alten Mystiker: "Es gibt kein Gebet ohne Selbsterkenntnis." So ist das auch bei den Exerzitien. In der Beschäftigung mit der Schrift und Gott, lernt der Exerzitant wesentliche Dinge über sich selbst. Außerdem: "Die Themen der Exerzitien greifen oft auch ganz alltägliche Dinge auf. Gerade für die Laien sind Berichte und Erzählungen, wie Gott im Alltag zu finden ist, wichtig." Für Geistliche dagegen sei die Frage nach der eigenen Identität und Berufung, nach der Aufgabe und der Anforderung in der Gesellschaft wichtig, so Pohl. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen muss der Herz-Jesu-Priester stets berücksichtigen. Er sagt: "Man muss den Empfänger des Wortes kennen, damit man an ihm nicht vorbei redet.
Seit fast 16 Jahren versucht Pater Pohl diese Interessen immer wieder auszuloten. Es verlangt Empathie, Geduld und natürlich Menschenkenntnis. Meistens gelingt das, manchmal aber auch nicht. Ist der Exerzitant nicht offen, nützt die größte Empathie nichts. Der Weg zu sich selbst kann schwer sein. Unter den vielen Wegen die der Mensch in seinem Leben unternimmt, ist der Weg nach innen der schwerste – aber eben auch der fruchtbarste", hat Pater Pohl in den Jahren erfahren.
"Ich schöpfe Kraft und Kreativität"
Ohne eine eigene, eingehende Beschäftigung mit den Themen kann keiner eine gute und heilsame Begleitung geben. Vortragsexerzitien bereitet Pater Pohl deshalb mehr als ein halbes Jahr vor, alle zwei Jahre wechselt er die Themen. Inzwischen wird er das ganze Jahr über zu Exerzitien eingeladen. In vielen teilen Deutschlands versucht Pater Pohl den Menschen bei ihrem Weg zu sich selbst und zu Gott zu helfen. Nicht immer ist es leicht. So erzählt der Herz-Jesu-Priester: "Einzelexerzitien sind manchmal wirklich Knochenarbeit."
Warum aber tut er sich die "Knochenarbeit" an? Weil es seine Leidenschaft und seine Freude ist, die Menschen zu Christus zu begleiten. Pater Pohl nimmt aus jeder Begegnung mit den Exerzitanten selber etwas mit. Er wird selber bereichert. "Ich schöpfe aus der Begleitung selber Kraft und Kreativität. Das ist für mich wirklich eine schöpferische Kraftquelle", verrät Pater Pohl. Und so wird er sich weiter an einem alten Rahnersatz orientieren: "Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein."
Simon Biallowons
Spenden
Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung!
Kloster Maria Martental
Konto 18 063 505
BLZ 370 100 50
Postbank Köln
Angebote
Was das Herz-Jesu-Kloster Maria Martental besonders macht
Shop
Die Kunst- und Buchhandlung Maria Martental
Termine
Die Veranstaltungen in Maria Martental
Gottesdienste
Alle Messfeiern in Maria Martental

Druckansicht
Weiterempfehlen






